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LGT Navigator: Euro-Stärke rückt verstärkt in den Fokus der EZB

LGT Navigator: Die EZB beliess wie erwartet ihre geldpolitische Ausrichtung vorläufig unverändert. EZB-Chefin Lagarde zeigte sich in ihrer Konjunkturbeurteilung leicht optimistischer, aber auch besorgt über die Aufwertung des Euros.

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Während die Brexit-Verhandlungen in die Verlängerung gehen und vor allem das Börsengeschehen in Europa beeinträchtigen, verbuchten die amerikanischen Aktienindizes nach einer kurzzeitigen Erholung zur Wochenmitte gestern wieder Verluste. Im Zentrum stehen dabei nach wie vor die heissgelaufenen Technologieaktien. 

Die Europäische Zentralbank (EZB) beliess ihre Geldpolitik wie erwartet konstant, womit sowohl die Leitzinsen als auch die Wertpapierkaufprogramme sowie die «Forward Guidance» unverändert bleiben. Die EZB stehe aber bereit, alle ihre Instrumente anzupassen, um für eine dauerhafte Annäherung der Inflation an den Zielbereich zu sorgen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde äusserte sich in ihrer Einschätzung der Konjunkturaussichten im Euroraum etwas zuversichtlicher. Angesichts der Corona-Krise geht die EZB in diesem Jahr von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung der Euroländer um -8% aus. Damit wurde die Prognose von -8.7% leicht verbessert, jedoch die Projektion für die antizipierte Erholung im kommenden Jahr moderat von +5.2% auf +5.0% gesenkt. Für das Jahr 2022 erwartet die Zentralbank ein Wachstum von +3.2% (bisher +3.3%). Die Inflationsprognose beliess die EZB weitgehend unverändert. Lagarde betonte, dass die EZB die im August beobachtete negative Inflationsrate nicht als Vorbote einer deflationären Entwicklung sieht. Gleichzeitig scheint die EZB durchaus besorgt in Bezug auf die Schwäche des US-Dollars, respektive die Aufwertung des Euros. Die Notenbankpräsidentin unterstrich, dass der Wechselkurs einen wichtigen Einfluss auf die Inflationsentwicklung habe und die Notenbank dies beobachten werde. Die EZB strebe aber keinen spezifischen Eurokurs an, so Lagarde.

Tech-Werte dominieren weiterhin das Geschehen an der Wall Street

An der New Yorker Börse konnten die grossen Technologietitel die Erholungstendenz des Vortages nicht halten. In der Folge gab der Nasdaq 100 um rund -2% gegenüber dem Vortagesschluss nach und auch der Dow Jones Industrial verbuchte einen Tagesverlust von -1.45% und schloss bei 27 534.58 Punkten. Der marktbreite S&P 500 fiel um -1.76% auf 3 339.05 Zähler zurück. Belastet wurde die Börsenstimmung in New York auch durch den gescheiterten Gesetzesvorschlag der Republikaner für Corona-Hilfen im US-Senat. Keine Impulse lieferten hingegen die neusten Daten zum US-Arbeitsmarkt. Die Erholung ist langsam, aber die Situation scheint sich Schritt für Schritt zu verbessern. Die derzeitige Pandemie-Lage in den USA mit mehr als 6.3 Mio. nachweislich infizierten Menschen und über 190 000 Todesfällen bleibt für die weltgrösste Volkswirtschaft ein grosses Risiko. An den asiatischen Aktienmärkten war heute eine moderat freundliche Tendenz zu beobachten, wobei sich aber kein klarer Trend ersichtlich war. In Tokio notiert der 225 Werte umfassende Nikkei-Index rund +0.6% höher.

Brexit-Poker geht einmal mehr in die Verlängerung

Die schwierigen Gespräche über einen Handelspakt zwischen Grossbritannien und der Europäischen Union sollen in der nächsten Woche fortgesetzt werden. Bis gestern konnte kein Durchbruch erzielt werden und der Ton hatte sich mit der Forderung des britischen Premierministers Boris Johnson nach einer Anpassung des bestehenden Abkommens deutlich verschärft.  Eine Einigung müsste noch im Oktober erzielt werden, damit ein Handelspakt noch vor dem Ende der Übergangsphase rechtzeitig ratifiziert werden kann. Inzwischen zeigt sich auch die EZB besorgt über die Gefahr eines ungeregelten Verhältnisses zwischen der EU und Grossbritannien. Die EZB sei zwar nicht im Fahrersitz bei den Verhandlungen, verfolge sie gleichwohl sorgfältig, so Notenbankchefin Lagarde anlässlich des gestrigen Zinsentscheids. Sie hoffe, dass die Gespräche zu einem positiven Ausgang führten, auch mit Blick auf die wirtschaftlichen Risiken eines  harten Brexits.

Erholung in Frankreichs Industrie verlangsamt sich

Der französische Industriesektor blieb zwar im Juli auf Erholungskurs, jedoch fiel der Anstieg der Industrieproduktion mit +3.8% gegenüber dem Vormonat um +3.8% geringer aus als von Ökonomen mit +5.0% erwartet. Im Mai und im Juni stieg die Produktion in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Eurozone, als Reaktion auf den vorangegangenen Corona-bedingten Einbruch (März und April total -37.4%) noch um +20% und +13%. Damit ist der schwere Rückschlag praktisch wieder aufgeholt, jedoch scheint der Erholungsprozess an Dynamik zu verlieren.

Wirtschaftskalender 11. September
MEZLandIndikatorLetzte Periode
09:00SPIndustrieproduktion (Juli, J/J)-9.6%
10:30GBIndutrieproduktion (Juli, J/J)-12.5%
14:30USAVerbraucherpreise (August, J/J)+1.0%
14:30USAKern-Verbraucherpreise (August, J/J)+1.6%

 

Unternehmenskalender 13. September  
LandUnternehmenPeriode
USAOracleQ1

 

Quelle: BondWorld.ch