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LGT Navigator: EZB hat Entwicklung der langfristigen Anleiherenditen im Blick

LGT Navigator: Die Europäische Zentralbank beliess anlässlich ihres geldpolitischen Entscheids die Zinsen wie erwartet auf Rekordtief, will aber das Tempo ihrer Anleihenkäufe beschleunigen und beobachtet die Renditeentwicklung am Anleihenmarkt genau.

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Währenddessen hielt die Entspannung an den Aktienbörsen an und in New York erzielten der Dow und der S&P 500 neue Rekordwerte. Die Technologiebörse Nasdaq setzte gleichzeitig ihre Erholung fort.

Die EZB beliess wie erwartet ihren Leitzins mit -0.5% im negativen Bereich und hält unverändert am Gesamtrahmen ihres EUR 1.85 Billionen umfassenden Notkaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme/PEPP) fest. Gleichzeitig kündigte EZB-Chefin Christine Lagarde an, die Anleihenkäufe im zweiten Quartal allerdings deutlich zu beschleunigen, um die Finanzierungsbedingungen tief zu halten solange die Pandemie nicht überwunden ist. Lagarde machte auch klar, dass die EZB sich in der anhaltenden Coronakrise nach wie vor alle Massnahmen offenhalten werde. Zudem werde die EZB die Inflationserwartungen und die Entwicklung der langfristigen Anleiherenditen im Auge behalten. Mit dem gestrigen Zinsentscheid veröffentlichte die EZB auch ihre neusten Konjunkturprognosen. Der volkswirtschaftliche Stab der Notenbank rechnet im laufenden Jahr nun mit einer doch deutlich höheren Inflationsrate von +1.5% statt wie bisher von +1.0%. Für 2022 und 2023 geht die EZB von einer Teuerungsrate von 1.2% (bisher +1.1%) und +1.4% (unverändert) aus. EZB-Präsidentin Lagarde wies dabei ausdrücklich darauf hin, dass die mittelfristige Inflation damit immer noch unterhalb des Inflationsziels von «nahe, aber unter 2%» liege. Dennoch dürfte die Inflation in den nächsten Monaten weiter steigen und volatil bleiben, so Lagarde. Die Prognosen für das Wirtschaftswachstum im Euroraum blieben praktisch unverändert: 2021 bei +4.0% (bisher +3.9%), 2022 bei +4.1% (+4.2%) und 2023 bei +2.1% (unverändert). Die EZB gehe davon aus, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage in diesem Jahr verbessere, jedoch kurzfristige Risiken den langfristigen Ausblick überschatteten.

Nach dem EZB-Entscheid setzten Europas wichtigste Aktienmärkte ihren guten Lauf fort. Der EuroStoxx 50 kletterte um +0.67% auf 3’845.64 Punkte und hat damit in der laufenden Woche +4.8% gewonnen. Auch die Wall Street präsentierte sich gestern in starker Verfassung. Nachdem der Dow Jones Industrial den vierten Tag in Folge ein Rekordhoch verbuchte, notierte gestern auch der S&P 500 einen neuen Höchstwert. Der Dow stieg um +0.58% auf 32’485.59 Punkte und der S&P 500 beendete den Donnerstag mit einem Tagesplus von +1.04% bei 3’939.34 Zählern. Zur selben Zeit setzten die Technologiewerte ihre Erholung fort und der Nasdaq 100 stieg um +2.36% auf 13’052.90 Punkte. Die Aktienmärkte in Asien tendieren am letzten Handelstag der Woche freundlich und für den Börsenstart in Europa signalisieren die Futures heute Morgen eine Seitwärtsbewegung.

USA verstärken Kampf gegen Corona und EU erhält vierten Impfstoff

Nachdem US-Präsident Joe Biden mit dem gigantischen Corona-Hilfspaket einen ersten, grossen politischen Erfolg verbuchen kann, will er nun auch die Impfkampagne gegen Covid-19 beschleunigen. Biden kündigte anlässlich seiner ersten Fernsehansprache an die Nation an, die Staffelung nach Impfgruppen aufzuheben. Die Impfstoffe sollen bis spätestens 1. Mai für alle Erwachsenen in den USA freigegeben werden. Zudem soll die Zahl der Gesundheitszentren und Apotheken, in denen Impfungen verabreicht werden, deutlich ausgeweitet und auch die Anzahl der Soldaten zur Unterstützung der Impfkampagne aufgestockt werden. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC hat bereits fast jeder vierte Erwachsene mindestens eine Dosis erhalten. Vollständig geimpft sind knapp 13% der Erwachsenen und mehr als 30% derjenigen, die 65 Jahre oder älter sind. Währenddessen kommt die Impfkampagne in Teilen Europas nur schleppend voran und die Fallzahlen steigen erneut. Hoffnung macht aber die Zulassung eines vierten Corona-Impfstoffs in der EU. Ab sofort kann auch der Covid-19-Impfstoff von Johnson & Johnson genutzt werden. Anders als bei anderen Impfstoffen reicht hier eine Dosis, was die Impfkampagne deutlich beschleunigen könnte.

Positive kurzfristige Entwicklung am US-Arbeitsmarkt

Die Zahl der wöchentlich gemeldeten Erstanträge auf Arbeitslosenversicherung in den USA sind in der Woche vom 1. März etwas stärker zurückgegangen als erwartet. Im Vergleich zur Vorwoche gingen die Anträge um 42’000 auf 712’000 zurück. Allerdings wurde der Vorwochenwert von 745’000 auf 754’000 nach oben revidiert. Der gleitende Vierwochendurchschnitt verringerte sich gegenüber der Vorwoche um 34’000 auf 759’000. Damit bezogen in der Woche vom 22. Februar 4.144 Mio. Amerikaner Arbeitslosenunterstützung, 193’000 weniger als noch in der Woche zuvor.

Unsicherheit im Ausblick für die Schweizer Wirtschaft bleibt aussergewöhnlich hoch

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geht in der gestern veröffentlichten Konjunkturprognosen davon aus, dass das Schweizer BIP im ersten Quartal vor dem Hintergrund der verschärften Corona-Massnahmen stark zurückgehen werde. Es sei aber nicht mit einem Einbruch in der Dimension wie im vergangenen Frühjahr zu erwarten. Sollten im Laufe des Jahres dann Lockerungen möglich sein, sollte sich die Binnenwirtschaft zügig erholen. Für das Gesamtjahr 2021 prognostizieren die Wirtschaftsexperten des Bundes ein BIP-Wachstum von +3% (unverändert gegenüber der vorherigen Prognose) und für 2022 ein leicht stärker als bisher angenommenes Wachstum von +3.3% (bisher +3.1%). Insgesamt bleibe die Unsicherheit im Konjunkturausblick aber aussergewöhnlich hoch, betonte das Seco.

China betont Willen zur nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung

Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang betonte an der Jahrestagung des Volkskongresses, dass Chinas Wirtschaft vor allem nachhaltig wachsen und Schwankungen in der wirtschaftlichen Entwicklung vermieden werden müssen. Offiziell peilt die Regierung in Peking im laufenden Jahr eine BIP-Wachstumsrate von «mehr als sechs Prozent» an. Ökonomen und auch der Internationale Währungsfonds (IWF) gehen andererseits von einem kräftigeren Erholungseffekt aus und rechnen in China mit einem Wachstum von rund +8%. Der Ministerpräsident bekräftigte, dass der Fokus Chinas in diesem Jahr auf der Konsolidierung der wirtschaftlichen Erholung liege. Nur wer in einem gleichmässigen Tempo gehe, könne sicheren Schrittes voranschreiten, so Li. 

Wirtschaftskalender 12. März

MEZ Land Indikator Letzte Periode
08:00 GB BIP Q4 (Q/Q) +1.0%
08:00 GB Industrieproduktion (Januar, J/J) -3.3%
08:00 DE Verbraucherpreise (Februar, J/J) +1.6%
09:00 SP Verbraucherpreise (Februar, J/J) +0.4%
11:00 EZ Industrieproduktion (Januar, J/J) -0.8%
14:30 USA Erzeugerpreise (Februar, M/M) +1.3%
14:30 USA Erzeugerpreise (Februar, J/J) +1.7%
14:30 USA Kern-Erzeugerpreise (Februar, J/J) +2.0%
16:00 USA Konsumentenstimmungsumfrage Universität Michigan (März) 76.8

 

Unternehmenskalender 12. März

Land Unternehmen Periode
CH Flughafen Zürich Q4

 

Quelle: BondWorld.ch