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LGT Navigator: Fed bleibt im Krisenmodus und rechnet mit Nullzinsen bis Ende 2022

LGT Navigator: Die US-Notenbank (Fed) beliess wie erwartet ihre Leitzinsen unverändert in der Spanne von null bis 0.25% und geht in ihren eigenen Prognosen davon aus, dass die Nullzinsen noch bis Ende 2022 bestand haben werden …

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Das Szenario eines anhaltenden Krisenmodus, vor dem Hintergrund der nach wie vor hohen Unsicherheiten in Bezug auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, nahm den Aktienmärkten in der Folge vorerst den Wind aus den Segeln.

Laut US-Notenbankpräsident Jerome Powell wird die Fed ihre Nullzinspolitik wegen der Corona-Krise voraussichtlich noch lange – wahrscheinlich bis Ende 2022 – fortsetzen. Darauf lassen die neusten Zinsprognosen der Fed schliessen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Pandemie und die ergriffenen Massnahmen die Wirtschaft, den Arbeitsmarkt und die Inflation stark belasten und erhebliche konjunkturelle Risiken bedeuteten. Einen Vergleich der aktuellen Krise mit der Grossen Depression in den 1930er Jahren sieht Fed-Chef Powell aber nicht für gerechtfertigt: «Ich glaube nicht, dass die Weltwirtschaftskrise ein gutes Beispiel oder ein wahrscheinliches Ergebnis für ein Modell dessen, was hier geschieht, ist, wirklich nicht – es gibt so viele fundamentale Unterschiede». Die US-Wirtschaft sei dieses Mal ein viel gesünderer Patient gewesen, als er in die Notaufnahme gebracht wurde. Das Finanzsystem sei vor der Corona-Krise in sehr guter Verfassung und viel besser kapitalisiert gewesen, so Powell. Im laufenden Jahr geht die Fed von einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um -6.5% aus, bevor im nächsten Jahr eine Erholung mit einem BIP-Wachstum von +5.0% einsetzen dürfte. Die Arbeitslosenquote wird sich 2020 bei 9.3% einpendeln und 2021 auf 6.5% sinken. Die Inflation wird den Prognosen der Fed zufolge bis 2022 unter dem Notenbankziel von 2% bleiben. Das Ausmass der Krisenbekämpfung durch die Fed zeigt deren Bilanz, die sich in der Folge der Krise auf einen Rekordwert von USD 7.2 Billionen aufgebläht hat – mehr als einem Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung der USA.

An der Wall Street sorgte der Fed-Entscheid zunächst für weitere Gewinne. Im Verlauf des Tages setzten dann aber erneut Gewinnmitnahmen ein und viele Anleger zeigen sich besorgt, dass die US-Notenbank sich gezwungen sieht die Zinsen für so lange Zeit derart tief zu halten. Der Dow Leitindex Dow Jones Industrial rutschte wieder unter die 27 000er Marke und schloss rund -1% tiefer bei 26 989.99 Punkten. Der marktbreite S&P 500 gab -0.53% nach. Währenddessen ging die Rekordjagd von Apple (+2.41%) weiter und der Nasdaq 100 Index legte nochmals um +1.28% auf 10 094.26 Punkte zu. In Asien verzeichneten die Börsenindizes im Nachgang zum US-Notenbankentscheid mehrheitlich Verluste. In Tokio büsste der 225 Werte umfassende Nikkei-Index -2.13% ein und notiert bei 22 631.92 Zählern.

Corona-Krise drückt Inflationsrate in den USA fast auf Null

Die Lebenshaltungskosten in den Vereinigten Staaten haben sich im Mai vor dem Hintergrund der Pandemiegegenmassnahmen nochmals deutlich abgeschwächt. Auf Jahressicht lag die Inflationsrate noch bei +0.1%, nach +0.3% im Monat zuvor. Deutlich verbilligt hatten sich dabei vor allem die Energiepreise und insbesondere die Benzinpreise wegen der schwachen Nachfrage während des «Lockdowns». Verteuert hatten sich hingegen die Lebensmittelpreise. Ohne Berücksichtigung der Energie- und Nahrungsmittelpreise, betrug die Kern-Inflationsrate im Mai auf Jahressicht +1.2%.

Preisentwicklung in China deutet auf eher zähe Wirtschaftserholung hin

In China sind die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um «lediglich» +2.4% gestiegen, womit die Teuerung sich den vierten Monat in Folge abschwächte und den tiefsten Stand seit März 2019 erreichte. Im März und im April hatte die Inflationsrate noch +4.3%, respektive +3.3% betragen. Auch die Entwicklung der Erzeugerpreise fiel schwach aus und beschleunigte sich im Mai noch. So gingen die Preise der Produzenten im letzten Monat auf Jahressicht um -3.7% zurück – der stärkste Rückgang seit vier Jahren. Die schwache Preisentwicklung könnte auf eine schwache Nachfrage angesichts einer nur schleppenden Wirtschaftserholung hindeuten. Dies eröffnet der Zentralbank geldpolitischen Spielraum.

Wirtschaftskalender 11. Juni
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:30FRGeschäftsklima Mai47.9
10:00ITIndustrieproduktion April (J/J)-29.3%
14:30USAErzeugerpreise Mai (M/M)-1.3%
14:30USAErzeugerpreise Mai (J/J)-1.2%
14:30USAKern-Erzeugerpreise Mai (J/J)+0.6%
Unternehmenskalender 19. Juni
LandUnternehmenPeriode
USAOracleQ4
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:30FRGeschäftsklima Mai47.9
10:00ITIndustrieproduktion April (J/J)-29.3%
14:30USAErzeugerpreise Mai (M/M)-1.3%
14:30USAErzeugerpreise Mai (J/J)-1.2%
14:30USAKern-Erzeugerpreise Mai (J/J)+0.6%

Quelle: BondWorld.ch