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LGT Navigator: Fed bleibt in Alarmbereitschaft

LGT Navigator:Die amerikanische Notenbank beliess ihre Leitzinsen wie erwartet unverändert, bleibt aber vor dem Hintergrund der Corona-Krise und des drastischen Absturzes der US-Wirtschaft sowie einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Krisenmodus …

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Für Impulse an den Börsen sorgte auch eine positive Nachricht des US-Biotechunternehmens Gilead Sciences zum Wirkstoffkandidaten «Remdesivir» gegen Covid-19 sowie einem besser als erwarteten Quartalsergebnis von Microsoft dank starkem Cloud-Geschäft. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial schloss mit einem Tagesgewinn von +2.2%, Tokio legt +2.8% zu und die Futures-Märkte signalisieren auch für Europas Börsen eine positive Eröffnung.

US-Notenbank

US-Notenbankchef Jerome Powell bekräftigte, dass die Fed den vollen Umfang ihrer Geldpolitik nutzen werde, um die US-Wirtschaft in diesen herausfordernden Zeiten zu unterstützen. Gleichzeitig hielt die Fed ihren Leitzins unverändert in einer Spanne von 0-0.25%. Laut Powell ist es nun essentiell, den Kreditfluss in die Wirtschaft aufrecht zu erhalten und den wirtschaftlichen Schaden der Pandemie einzudämmen. Zurzeit sei unklar, wie lange der wirtschaftliche Abschwung anhalten werde. Angesichts der schwer vorhersehbaren Entwicklung sei davon auszugehen, dass der Leitzins so lange auf Rekordtief bleibe, bis die Wirtschaft die Folgen der Corona-Krise überstanden habe, kommentierte der Fed-Chef.

Anleger richten ihr Augenmerk heute auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 13:45 Uhr (MEZ) und die um 14:30 Uhr folgende Pressekonferenz von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Zuvor werden die BIP-Daten aus Italien, Spanien, Frankreich, Österreich und dem Euroraum für das erste Quartal einen Vorgeschmack auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Beschränkungen liefern, wobei das laufende zweite Quartal noch schlimmer ausfallen wird.

US-Wirtschaft auf Rezessionskurs

Kurz vor der geldpolitischen Ankündigung der Fed wurde bekannt gegeben, dass das Bruttoinlandsprodukt der USA im ersten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von -4.8% zum Vorquartal eingebrochen ist. Im Schnitt waren Ökonomen mit einem Rückgang des BIPs um -4.0% ausgegangen. Der Konsum verringerte sich angesichts der weitreichenden Stilllegung des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft um -7.6%. Damit ist der längste Aufschwung der US-Wirtschaftsgeschichte beendet. Im Schlussquartal 2019 war die amerikanische Wirtschaft noch um annualisiert +2.1% gewachsen. Im zweiten dürfte die US-Wirtschaft noch stärker eingebrochen sein, da die Coronavirus-Pandemie in den USA erst später als in Europa auf die Wirtschaft schlug. Mit Spannung werden heute auch wieder die wöchentlichen Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung (Initial Jobless Claims) in den USA erwartet. Interessant wird sein, wie stark sich die praktisch unabwendbare Rezession auf den Präsidentschaftswahlkampf auswirken wird. Eine Rezession mit hoher Arbeitslosigkeit könnten die Wiederwahlchancen von US-Präsident Donald Trump sicherlich gefährden. Fraglich ist hierbei, wie schnell und wie weitreichend die beschlossenen Hilfspakete und Geldflut der Fed die Wirtschaft wiederbeleben können.

Wirtschaftsstimmung im Euroraum mit stärkstem Rückgang seit 1985

Gemäss den neusten Umfragewerten der EU-Kommission hat sich die Wirtschaftsstimmung im Euroraum vor dem Hintergrund der Corona-Krise so stark eingetrübt wie noch nie. Der Economic Sentiment Indicator (ESI) fiel im April um 27.2 auf 67.0 Zähler und verzeichnete den stärksten Rückgang seit dem Beginn der Datenserie im Jahr 1985. Das Barometer notiert damit auch nur noch knapp über dem während der weltweiten Finanzkrise im Frühjahr 2009 registrierten Rekordtief. Laut der Brüsseler Exekutive habe die Stimmungsverschlechterung alle relevanten Wirtschaftsbereiche betroffen, insbesondere aber den Dienstleistungssektor. Wegen dem wirtschaftlichen Stillstand zur Bekämpfung der Pandemie rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) derzeit mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts der Eurozone im laufenden Jahr um -7.5%. Sollte die Krise erfolgreich überstanden werden, sollte sich die Euro-Wirtschaft aber im nächsten Jahr wieder erholen und laut IWF um schätzungsweise +4.7% wachsen.

Corona-Krise und tiefere Energiepreise bremsen Inflationsrate in Deutschland

Gemäss ersten Daten mehrerer deutscher Bundesländer hat sich die Teuerungsrate der Verbraucherpreise im April auf +0.8% von +1.4% im März abgeschwächt. Damit erreichte die Inflationsrate in Europas grösster Volkswirtschaft den tiefsten Wert seit Mitte 2016. In der Tendenz musste deutlich weniger für Energie aufgewendet werden, jedoch für Nahrungsmittelprodukte mehr bezahlt werden.

Wirtschaftskalender 30. April
MEZLandIndikatorLetzte Periode
07:30FRBIP Q1 (Q/Q)-0.1%
08:45FRVerbraucherpreise (J/J)+0.8%
09:00SPBIP Q1 (Q/Q)+0.4%
09:00SPVerbraucherpreise (J/J)+0.1%
09:00CHKOF-Konjunkturbarometer+92.9
09:55DEArbeitslosenrate5.0%
11:00EZBIP Q1 (Q/Q)+0.1%
11:00EZVerbraucherpreise (J/J)+0.7%
11:00EZKern-Verbraucherpreise (J/J)+1.0%
11:00EZArbeitslosenrate7.3%
11:00ITVerbraucherpreise (J/J)+0.1%
12:00ITBIP Q1 (Q/Q)-0.3%
13:45EZEZB Zinsentscheid
14:30USAKonsumausgaben (M/M)+0.2%
14:30USAKern-PCE-Inflationsindex (J/J)+1.8%
Unternehmenskalender 30. April
LandUnternehmenPeriode
CHSwisscomQ1
CHSwiss ReQ1
CHClariantQ1
CHGeberitQ1
DEBASFQ1
DELufthansaQ1
FRTotalQ1
NLRoyal Dutch ShellQ1
GBLloyds BankingQ1
USAAppleQ2
USAGilead SciencesQ1
USAAmgenQ1
USAVisaQ2

Quelle: BondWorld.ch