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LGT Navigator: Fed bleibt langfristig in Alarmbereitschaft

LGT Navigator: Die amerikanische Zentralbank bekräftigte anlässlich ihrer ersten Standortbestimmung nach dem Strategiewechsel am Jackson Hole-Treffen ihre expansive Geldpolitik und stellt die langfristige Beibehaltung der Nullzinsen bis 2023 in Aussicht.

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An der Wall Street sorgte die Fed-Ankündigung für gemischte Gefühle.

Die Federal Reserve (Fed) wird angesichts der Corona-Krise ihre Nullzinspolitik fortführen und den Leitzins langfristig auf Tiefstniveau halten, bis das Hauptziel der Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt erreicht ist. Der Leitzins verharrt damit in seiner bisherigen Spanne von 0.0-0.25%. Zudem wird die Fed ihre milliardenschweren Wertpapierkäufe mindestens in dem bisherigen Tempo fortführen. Die Inflation soll auf zwei Prozent steigen und für einige Zeit moderat über zwei Prozent bleiben. Laut Fed-Chef Jerome Powell entscheidet hauptsächlich die Entwicklung der Corona-Pandemie über den weiteren Kurs der Notenbank. Mit Blick auf den anhaltenden Streit im US-Kongress um ein weiteres Corona-Hilfspaket, forderte Powell, dass der Staat seine finanzielle Unterstützung in der Krise ausweitet. Immerhin zeigt sich die Fed leicht optimistischer in Bezug auf die Konjunkturentwicklung. So prognostiziert die amerikanische Zentralbank im laufenden Jahr nun einen Einbruch des Bruttoinlandprodukts um -3.7%, anstatt der bisher antizipierten -6.5%.

An der New Yorker Börse sorgt die Aussicht auf eine langfristige Fortsetzung der Nullzinspolitik anscheinend kaum für Impulse, sondern eher für gemischte Gefühle. Der Dow Jones Industrial legte zunächst um mehr als +1% zu, schloss dann aber mit einem moderaten Tagesplus von +0.13% bei 28 032.38 Punkten. Der S&P 500 ging gar mit einem leichten Minus von -0.46% bei 3 385.49 Zählern aus dem Tagesgeschäft. Der technologielastige Nasdaq 100 brach die kurzzeitige Erholung ab und beendete den gestrigen Handelstag mit einem Verlust von -1.67% bei 11 247.60 Punkten. Der US-Dollar legte nach der Entscheidung der Fed hingegen leicht zu. US-Staatsanleihen gaben zunächst im Kurs nach, fingen sich dann aber wieder. In Asien notieren die Aktienindizes nach dem Fed-Entscheid mehrheitlich tiefer. In Tokio verliert der 225 Werte umfassende Nikkei-Index etwa -0.6% und in Hong Kong handelt der Hang Seng-Index rund -1.6% tiefer.

Widerstand gegen Trumps Fed-Kandidatin

Die Nominierung von Judy Shelton, einer früheren Wahlkampfunterstützerin von US-Präsident Donald Trump, für einen Direktorenposten im obersten Gremium der US-Notenbank scheint im republikanisch beherrschten Senat auf verstärkten Widerstand zu stossen. Die Ökonomin hatte zwar im Juli grünes Licht vom Bankenausschuss des Senats bekommen, verfügt aber in der kleinen Kammer aktuell nicht über genügend Unterstützung. Shelton hatte sich in der Vergangenheit für eine Rückkehr zum (bis 1971 gültigen) Goldstandard ausgesprochen und kritisierte (wie auch Trump) den Kurs von Fed-Chef Jerome Powell. Sollte Trump die Wiederwahl am 3. November gelingen, könnte er Shelton als neue Notenbankchefin nominieren. Die Amtszeit von Powell läuft 2022 aus.

Erholung des US-Konsums verliert an Dynamik

Die Umsätze im amerikanischen Detailhandelssektor sind im August zwar um +0.6% gegenüber dem Vormonat gestiegen, jedoch scheint die Erholung vom Corona-Schock an Schwung zu verlieren. Der Zuwachs fiel damit geringer aus als von Analysten im Konsens mit +1.0% antizipiert. Zudem war das im Juli zunächst mit +1.2% angegebene Umsatzplus revidierten Angaben zufolge mit +0.9% geringer. Die sich abschwächende Dynamik dürfte einerseits mit der weiterhin angespannten Pandemielage in den USA sowie mit den im Juli ausgelaufenen, respektive gekürzten Arbeitslosenunterstützung zur Eindämmung der Corona-Effekte im Zusammenhang stehen.

Geldpolitische Standortbestimmung der Bank of England im Fokus

Grossbritanniens Zentralbank wird heute um 13:00 Uhr MEZ ihren Zinsentscheid mitteilen. Angesichts der anhaltenden Corona-Krise und einer rückläufigen Inflation dürfte die Bank of England an ihrem bisherigen expansiven geldpolitischen Kurs festhalten. Inzwischen schwächte sich die Inflationsrate der Verbraucherpreise in Grossbritannien im August deutlich ab. Auf Jahressicht sank die Teuerungsrate von +1.0% auf noch +0.2%. Hintergrund war vor allem vor dem Hintergrund der Corona-Krise tiefere Preise in Restaurants und im Freizeitbereich. Analysten hatten jedoch einen noch kräftigeren Rückgang auf null Prozent prognostiziert.

OECD-Konjunkturausblick leicht optimistischer

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht in ihrem gestern veröffentlichten Konjunkturbericht davon aus, dass der Wirtschaftseinbruch in Europa und in den USA geringer ausfallen dürfte als bisher befürchtet und Chinas Wirtschaft ein leichtes Wachstum ausweisen wird. Die Weltwirtschaft werde den Prognosen der Pariser Organisation zufolge im laufenden Jahr um rund -4.5% schrumpfen, bevor im folgenden Jahr mit einer Erholung +5.0% gerechnet werden könne.

Wirtschaftskalender 17. September
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:00CHExporte (August, M/M)+2.3%
08:00CHImporte (August, M/M)+1.1%
11:00EZVerbraucherpreise (August, J/J)+0.4%
13:00GBBank of England Zinsentscheid +0.1%
14:30USAPhilly Fed-Industrieindex (September)+17.2
14:30USABaubeginne (August, M/M)+22.6%
14:30USABaubewilligungen (August, M/M)+18.8%

 

Unternehmenskalender 24. September  
LandUnternehmenPeriode
USA NikeQ1

 

Quelle: BondWorld.ch