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LGT Navigator: Fed-Powell verkündet Anpassungen der US-Geldpolitik

LGT Navigator: US-Notenbankchef Powell kündigte an der Jackson Hole-Notenbankkonferenz eine geldpolitische Neuausrichtung an was in der Quintessenz ultra-tiefe Zinsen in den USA für lange Zeit bedeuten dürfte.

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Die Ankündigung der Fed verschaffte den Aktienmärkten nochmals Rückenwind. Gleichzeitig belasten aber die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und China die Anlegerstimmung. Der Ton hat sich nach einem militärischen Zwischenfall im südchinesischen Meer deutlich verschärft und sorgt für erhöhte Nervosität an den Finanzmärkten.

Das Spitzentreffen der Zentralbanken wurde gestern mit der mit Spannung erwarteten Rede von US-Notenbankchef Jerome Powell eröffnet. Am jährlichen Gipfel der Zentralbankenspitzenvertreter, das normalerweise in Jackson Hole, im US-Bundesstaat Wyoming, abgehaltene wird, jedoch wegen der Corona-bedingt virtuell stattfindet, kündigte der Vorsitzende der Federal Reserve eine Neuausrichtung der Geldpolitik an. Die Fed werde sich in Zukunft prioritär auf den Arbeitsmarkt fokussieren und dabei das bisherige konkrete Inflationsziel von 2% flexibler interpretieren, bzw. sich an einem Durchschnittswert orientieren. Demnach könnte sich die Inflationsrate für einen längeren Zeitraum über dem angepeilten Zielwert bewegen – im Fachjargon wird dies «Average Inflation Targeting» genannt. Damit dürften die Leitzinsen in den USA für noch längere Zeit auf Rekordtief verharren, zumindest bis das Ziel der Vollbeschäftigung erreicht wird.

An der Wall Street sorgte die am Jackson Hole-Zentralbankensymposium angekündigte Strategieanpassung der US-Notenbank für Rückenwind. Der Dow Jones Industrial legte in der Folge um +0.57% auf 28 492.27 Punkte zu. Der S&P 500 schloss moderat um +0.17% höher bei 3 484.55 Zähler, während der technologielastige Nasdaq 100 kurzfristig erstmals die Marke von 12 000 Punkten überwand, dann aber um -0.38% tiefer schloss bei 11 926.16 Zählern. Auch an Asiens Börsen sorgte die Aussicht auf eine lange Niedrigzinsphase in den USA für Kursgewinne.

Hat die US-Wirtschaft das Schlimmste überstanden?

Auf das Jahr hochgerechnet betrug der Einbruch des Bruttoinlandsprodukts in den USA im zweiten Quartal -31.7% (bisherige Schätzung -32.9%). Den Angaben des Handelsministeriums in Washington ging der Privatkonsum um rund -34% zurück und die amerikanischen Exporte im genannten Zeitraum sogar um -63%. Nach dem historischen Wirtschaftseinbruch gehen die meisten Marktbeobachter davon aus, dass sich die weltgrösste Volkswirtschaft wieder erholt. Angesichts der anhaltenden Ausbreitung der Pandemie scheint dies aber fraglich. Leicht verbessert haben sich zumindest die neusten Daten vom US-Arbeitsmarkt. So ging die Zahl der wöchentlich gemeldeten Daten zu den in den USA erstmaligen gestellten Anträgen auf Arbeitslosenversicherung (Initial Jobless Claims) zurück. Insgesamt stellten in der letzten Woche 1.006 Mio. Amerikaner einen Erstantrag, nachdem es in der Vorwoche noch 1.1 Mio. waren.

EZB kann längerfristig Verfehlen der Inflationszielmarke nicht akzeptieren

Am EZB-Chefökonom Philip Lane meinte am Jackson Hole-Symposium, dass die EZB Inflationsraten unterhalb ihrer Zielmarke nicht einfach akzeptieren dürfe. Eine längere Phase mit niedrigeren Inflationsraten könnte dazu führen, dass sich dies fest etabliere. Dies sei kostspielig, denn eine niedrigere Inflation und eine niedrigere Inflationserwartung erhöhe die Realzinsen und ist nicht gut für die Konjunkturerholung. Der wirtschaftliche Schock der Corona-Pandemie sei auch ein negativer Schock für die Inflationsdynamik, so Lane. Die EZB werde deshalb bereit stehen alle ihre Instrumente falls nötig anzupassen.

Schweizer Wirtschaft sollte Tiefpunkt durchschritten haben

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zeigt sich anlässlich der gestern veröffentlichten Daten zur Konjunkturentwicklung zuversichtlich, dass die heimische Wirtschaft den Tiefpunkt während des zweiten Quartals erreicht hat. Im laufenden dritten Quartal soll die Wirtschaft wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren, jedoch müsse damit gerechnet werden, dass das Vorkrisenniveau erst Ende 2021 wieder erreicht wird, kommentierte das Seco. Das Schweizer BIP brach im Q2 infolge des «Lockdowns» um -8.2% gegenüber dem ersten Quartal (-2.5%) ein. Die Schweiz ist damit im internationalen Vergleich besser weggekommen als die Eurozone (-12.1%) und die USA (-9.5%). Für das Gesamtjahr 2020 geht das Seco dennoch von der stärksten Rezession seit 45 Jahren aus.

Wirtschaftskalender 28. August
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:00DeGfK-Konsumklimaindex (September)-0.3
08:45FRBIP Q2 (Q/Q)-13.8%
08:45FRVerbraucherpreise (August, J/J)+0.9%
09:00CHKOF-Konjunkturbarometer (August)85.7
10:00ITWirtschaftsstimmung (August)76.7
10:00ITGeschäftsklima (August)85.2
10:00ITKonsumentenstimmung August100.0
11:00EZWirtschaftsstimmung (August)82.3
14:30USAKonsumausgaben (Juli, M/M)+5.6%
14:30USAEinkommen (Juli, M/M)-1.1%
14:30USAPCE-Kern(inflations)index (Juli, J/J)+0.95%
16:00USAUni Michigan Konsumentenstimmung (August)72.8

 

Unternehmenskalender 3. September  
LandUnternehmenPeriode
CHKaba HoldingGesamtjahr

 

Quelle: BondWorld.ch