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LGT Navigator: Fragile Aufholjagd

LGT Navigator: Obschon sich der globale Wirtschaftsausblick in den vergangenen Wochen stark eingetrübt hat, sind die Diskussionen über die Natur der derzeitigen Markterholung sehr lebendig …

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Mit der Lockerungsstimmung rund um die Coronavirus-Massnahmen schwingt eine Hoffnung auf rasche Erholung der Aktienmärkte mit. Leitindizes geben den Optimisten recht: Sowohl der europäische Euro Stoxx 50 Index als auch der US-amerikanische S&P 500 Index haben gestern wieder die psychologisch wichtige 3000-Punkte-Marke durchbrochen.

Noch vor zwei Monaten wäre eine solch schnelle Erholung undenkbar gewesen. Trotzdem ist zu betonen, dass die Erholung hauptsächlich von wenigen Blue-Chip-Unternehmen abhängt. Auch fusst der positive Kursverlauf nicht auf entsprechender Marktstimmung, da sich Meinungsumfragen derzeit auf Tiefstwerten befinden. Einzig die weltweit geschnürten Konjunkturpakete der Nationalbanken und die damit verbundenen Liquiditätsspritzen erklären den Aufwind.

Gemäss einer Umfrage von Reuters mit 250 Ökonomen rund um den Globus werde die Rezession stärker als bisher angenommen ausfallen. Drei Viertel der Befragten gehen von einer längeren Talsohle aus und halten die derzeitige Aufholjagd somit nicht für nachhaltig. Die Krise habe erst gerade angefangen, und es werden noch weitere Stolpersteine erwartet.

Düstere Aussichten für Schweizer Maschinenindustrie

Fast 40% der Unternehmen der Maschinenindustrie befürchten, im laufenden Jahr einen Verlust ausweisen zu müssen. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr, wie der Branchenverband Swissmem am Dienstag mitgeteilt hat. Die Folgen der Coronakrise könnten mehr als 70% der MEM-Unternehmen kurz- bis mittelfristig in eine existenzbedrohende Situation bringen, erklärte Swissmem. Wie gross der Schaden durch die Pandemie tatsächlich ist, ist noch unklar: Die Branche erwartet, dass die Auswirkungen erst im zweiten und dritten Quartal voll durchschlagen werden. Daher ist vorerst noch nicht mit einer Pleite- und Entlassungswelle zu rechnen. «Die meisten Firmen verfügen über ein vernünftiges Liquiditätspolster», sagte Swissmem-Präsident Hans Hess. Es sei jedoch unvermeidlich, dass es zu Restrukturierungen kommen werde.

In Deutschland hat sich derweil das Konsumklima leicht verbessert, allerdings verharrt es auf niedrigem Niveau. Insbesondere die Angst um den Arbeitsplatz sowie die Einkommenseinbussen durch Kurzarbeit haben die Kauffreude auch im Mai getrübt. Die Amerikaner blicken ebenfalls etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Grosse Shopping-Trips dürften vorerst aber ausbleiben, denn die Arbeitslosigkeit ist im April auf den höchsten Stand in der Nachkriegszeit gestiegen.

Der Ausbruch der Pandemie vermochte das Wachstum der US-Immobilienpreise zunächst nicht zu stoppen. Landesweit haben sich die Häuserpreise im März gegenüber dem Vorjahr um +4.4% verteuert, wie der S&P/Case-Shiller-Hauspreisindex verdeutlicht hat. Bereits vor der Coronakrise überstieg die Nachfrage das Immobilienangebot und sorgte damit für steigende Preise. Durch den «Lockdown» hat sich das Angebot nun noch stärker reduziert. Allerdings sind die Daten mit Vorsicht zu bewerten, da sie bereits zwei Monate alt sind und den wirtschaftlichen Ausnahmezustand noch nicht abbilden.

Corona-Krise könnte Finanzstabilität gefährden

Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie haben die bereits bestehenden Schwachstellen für die Finanzstabilität in der Eurozone aufgedeckt und verstärkt. Zu diesem Schluss kommt die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem halbjährlichen Stabilitätsbericht. Zwar habe das entschlossene politische Handeln geholfen, Schlimmeres zu vermeiden. «Dennoch müssen die Auswirkungen der Pandemie auf die Rentabilitätsaussichten der Banken und die mittelfristigen öffentlichen Finanzen angegangen werden, damit unser Finanzsystem die wirtschaftliche Erholung weiterhin unterstützen kann», meinte EZB-Vizepräsident Luis de Guìndos. Insbesondere die steigenden Schuldenberge seien für ohnehin schon angeschlagene Staaten riskant, sollten Anleger die Risiken neu bewerten, führte die EZB aus.

Japans erneutes Konjunkturpaket lässt Staatsverschuldung weiter wachsen

Das Land der aufgehenden Sonne fasst ins Auge, zur Dämpfung der momentanen Wirtschaftsschlappe erneut Liquidität in der Höhe von JPY 117 Bio. (USD 1.1 Bio.) in den Markt zu pumpen. Die Markthilfen sollen gemäss offiziellen Aussagen erhöhte Gesundheitsausgaben, Mitzinsunterstützung für das Gewerbe und weitere Direktunterstützungen beinhalten. Das Konjunkturpaket soll mit einem zweiten Extra-Budget finanziert werden, nachdem im letzten Monat bereits eine Aktion in vergleichbarer Höhe durchgeführt wurde. Das bringt die Ausgaben Japans zur Bekämpfung der Folgen der Coronakrise auf JPY 234 Bio., also etwa 40% des BIP. Die Staatsverschuldung des Staates belief sich bereits vor der Krise auf rekordhohe 240% des BIP.

Wirtschaftskalender 27. Mai
MEZLandIndikatorLetzte Periode
07:30FRGeschäftsklima-Index82
07:30FRVerbrauchervertrauen95
20:00USAKonjunkturbericht Beige Book627’000
Unternehmenskalender 27. Mai
LandUnternehmenPeriode
CHYpsomedQ4
USAHP IncQ2

Quelle: BondWorld.ch