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LGT Navigator: Geldflut der Zentralbanken hält Börsen auf Kurs

LGT Navigator: Das Versprechen der wichtigsten Zentralbanken einer langfristigen expansiven Geldpolitik, die Aussicht auf weitere fiskalpolitische Unterstützung sowie die Hoffnung einer Eindämmung der Corona-Pandemie durch die nun eingesetzten Impfstoffe könnten den Börsen eine Weihnachtsrally bescheren.

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Die aktuelle Krisensituation einhergehend mit erneuten «Lockdowns» und teilweise wieder trüberen US-Konjunkturdaten sowie die hart umkämpften Brexit-Verhandlungen dürften die Anleger aber zur Vorsicht mahnen.

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) und auch das Fed ihren Krisenmodus bestätigt und teilweise sogar noch bekräftigt haben, halten auch die anderen wichtigen Zentralbanken wie die Bank of England, die Bank of Japan, die Schweizerische Nationalbank (SNB) oder die norwegische Notenbank an ihrer expansiven Geldpolitik bis auf weiteres fest. An den europäischen Börsen und an der Wall Street sorgte dies für Unterstützung. Der Dow Jones Industrial legte um +0.49% auf 30 303.37 Punkte zu und blieb damit nur knapp unter dem jüngst erreichten Rekordhoch. Der breite S&P 500 notierte zwischenzeitlich einen neuen Höchststand von 3725 Zählern und schloss +0.58% höher bei 3722.48 Punkten. Ein neues Rekordhoch setzte auch der Nasdaq 100 bei 12 760 Punkten – Schlusskurs 12 752.06 +0.66%. Gestützt wurden die Aktienkurse nicht nur durch die Zentralbankpolitik, sondern auch durch weitere Meilensteine in der Covid-19-Impfstoffentwicklung. Während in den USA die Impfkampagne mit dem Wirkstoff von Pfizer/BioNTech bereits begonnen hat, empfahl gestern ein externes Expertengremium der US-Arzneimittelbehörde FDA nun auch eine Notfallzulassung des Corona-Impfstoffes von Moderna.

Brexit-Showdown bis zum bitteren Ende?

An den Börsenplätzen in Asien sorgten zudem neue Spannungen zwischen China und den USA und die nach wie vor auf sich wartende Einigung auf ein US-Konjunkturpaket für eine zurückhaltende Anlegerstimmung. In Europa werden zudem vor allem auch die Brexit-Verhandlungen im Zentrum des Geschehens stehen. Gestern setzte das Europäische Parlament den Unterhändlern eine Frist bis Sonntag, um noch ein Brexit-Handelsabkommen zu erreichen. Zuletzt zeigten sich beide Seiten pessimistisch zu den Chancen auf eine Einigung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach nach einem Telefonat mit dem britischen Premierminister von nach wie vor «grossen Differenzen» und Boris Johnson erklärte, dass die EU ihre Haltung «substanziell» ändern müsse, um noch zu einer Einigung zu kommen.

Bank of Japan verlängert Corona-Hilfsmassnahmen

Die Notenbank Japans bestätigte erwartungsgemäss ihren extrem lockeren geldpolitischen Kurs und sieht sich angesichts der sich wieder verschlechterten Pandemielage dazu gezwungen, ihre Konjunkturhilfsmassnahmen um sechs Monate zu verlängern. Die Kreditprogramme für Unternehmen sollen nun bis Ende September 2021 laufen.

SNB hält ihren Negativzinskurs

Die SNB beliess wie erwartetet ihren negativen Leitzins bei -0.75% unverändert und wird ihre Devisenmarktinterventionen zur Schwächung der schädlichen Frankenstärke trotz dem Währungsmanipulationsvorwurf der amerikanischen Regierung fortsetzen. Vor dem Hintergrund der Coronakrise werde die SNB ihre expansive Geldpolitik fortführen, um die Wirtschafts- und Preisentwicklung zu stabilisieren, erklärte Nationalbankpräsident Thomas Jordan. Im Ausblick geht die SNB davon aus, dass die wirtschaftliche Erholung, unterstützt von den weltweiten geld- und fiskalpolitischen Massnahmen, im nächsten Jahr wieder an Dynamik gewinnen wird. Im laufenden Jahr wird das Schweizer BIP um rund -3% zurückgehen, dann aber 2021 um +2.5% bis +3.0% zulegen. Die Inflationsrate dürfte dieses Jahr bei -0.7% liegen, 2021 bei 0.0% und 2022 bei +0.2%. Die Prognose sei aber mit grosser Unsicherheit und mit Risiken in beide Richtungen behaftet, warnte die Notenbank.

Bank of England bleibt im Corona-Krisenmodus

Auch die Notenbank Grossbritanniens hält vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie und der Brexit-Verhandlungen an ihrem Krisenkurs fest. Die Bank of England beliess ihren Leitzins unverändert bei rekordtiefen +0.1% und bestätigte das zuletzt um nochmals GBP 150 Mrd. ausgeweitete Wertpapierkaufprogramm. Zudem wurde ein Corona-Kreditprogramm zur Unterstützung kleiner und mittelgrosser Unternehmen um ein halbes Jahr bis Ende Oktober nächsten Jahres verlängert. Wie auch alle anderen grossen Zentralbank, wird auch die Bank of England an ihrem expansiven Kurs solange festhalten, bis sich eine nachhaltige Erholung von der Coronakrise abzeichnet.

Auch Norwegens Zentralbank hält an rekordtiefem Leitzins fest

Die norwegische Zentralbank beliess ihren Schlüsselzins unverändert auf dem Rekordtief von null Prozent, betonte aber, dass sie ihre Geldpolitik früher als erwartet straffen könnte. Aufgrund des Corona-bedingten wirtschaftlichen Einbruchs und des hohen Grads an Unsicherheit in Bezug auf den Konjunkturausblick müsse die Notenbank den Leitzins so lange auf Eis legen, bis es klare Anzeichen für eine Normalisierung der wirtschaftlichen Bedingungen gebe, betont Notenbank-Chef Oeystein Olsen. Dennoch geht die Norges Bank von einer etwas früher als bisher antizipierten ersten Zinserhöhung im zweiten Quartal 2022 aus (bisher Q4 2022).

Preisentwicklung im Euroraum bleibt den vierten Monat in Folge negativ

Die Inflationsrate der Verbraucherpreise ist in der Eurozone im November mit -0.3% den vierten Monat in Folge negativ geblieben. Dafür sorgten vor allem tiefere Energiepreise, die im letzten Monat auf Jahressicht um -8.3% gesunken sind. Die Sorge vor einer Deflationsspirale dürfte die EZB wegen der ohnehin schwierigen Wirtschaftssituation vor dem Hintergrund der Coronakrise zunehmend beunruhigen.

Wirtschaftskalender 18. Dezember

MEZ Land Indikator Letzte Periode
08:00 GB Einzelhandelsumsätze (November, J/J) +5.8%
10:00 DE Ifo-Geschäftsklimaindex (Dezember) 90.7
16:00 USA Frühindikator (November) +0.7%

 

Wirtschaftskalender 18. Dezember

Land Unternehmen Periode
USA Nike Q2

 

Quelle: BondWorld.ch