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LGT Navigator: Greifen die Unruhen in den USA auf das Parkett über?

LGT Navigator: Neben der Corona-Krise und den anhaltenden Verstimmungen zwischen den USA und China – einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge soll China staatliche Agrarkonzerne angewiesen haben, …

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den Einkauf verschiedener amerikanischer Landwirtschaftsgüter zu stoppen – haben auch die sich ausweitenden Unruhen in vielen amerikanischen Städten das Potenzial, für Unruhe an den Börsen zu sorgen.

Die andauernde heftige Protestwelle in vielen grossen US-Städten könnte nicht nur den US-Wahlkampf massgeblich beeinflussen, sondern angesichts der durch die Coronavirus-Pandemie ohnehin stark geschwächten, weltgrössten Wirtschaft weiteren Schaden zufügen. US-Präsident Donald Trump agierte bisher ohne jegliches Fingerspitzengefühl und heizt mit der Drohung, nötigenfalls das Militär gegen Demonstranten einzusetzen, die Stimmung im Lande eher noch weiter an. An der Wall Street haben die Aktienindizes dennoch am Pfingstmontag die neue Börsenwoche mit moderaten Kursgewinnen eröffnet. Der Dow Jones Industrial legte um +0.36% auf 25 475.54 Punkte zu, während der marktbreite S&P 500 mit einem Plus von +0.38% bei 3 055.73 Zählern schloss. In Asien dominierte eine zuversichtliche Stimmung, basierend auf der Hoffnung auf eine globale Erholung nach der Corona-Pandemie. In Tokio legte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um +1.18% auf 22 323.64 Punkte zu.

ISM-Index signalisiert vorsichtige Stabilisierung in US-Industrie

Die Stimmung der amerikanischen Industrieunternehmen hat sich gemäss den neusten Umfrageresultaten des Branchenverbandes ISM im Mai zwar nicht so deutlich verbessert wie erwartet, signalisiert aber mit dem ersten Anstieg seit vier Monaten dennoch eine gewisse Stabilisierung nach dem Einbruch in Folge der Corona-Krise. Der vom Institute for Supply Management monatlich ermittelte Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes kletterte zwar von 41.5 Punkten im April auf 43.1 Zähler im Mai, blieb damit aber unter dem Marktkonsens von 44.0 Punkten. Damit notierte das wegen seiner hohen Korrelation zur Gesamtwirtschaft als zuverlässiger Frühindikator für die wirtschaftliche Aktivität in den USA angesehene Stimmungsbarometer weiterhin klar unter der 50er Wachstumsmarke.

Sparsame US-Konsumenten – starker Anstieg der Sparquote

Die Amerikaner haben ihre Ersparnisse im Zuge der Pandemie drastisch erhöht. Die Sparquote ist im April auf 33% angestiegen – rund ein Drittel des verfügbaren Einkommens verbleibt damit auf den Sparkonten. Wie aussergewöhnlich die Situation ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Der bisherige Höchstwert lag bei 17.3% und wurde im März 1975 gemessen; die Daten werden seit den Sechzigerjahren erhoben. Offen ist, wie schnell die Konsumenten zu alter Stärke zurückfinden, wenn die Geschäfte und Restaurants wieder offen sind. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit dürfte die Unsicherheit aber gross bleiben und eine rasche Konjunkturerholung verhindern.

Tiefe Wunden in Frankreichs und Italiens Wirtschaft

In Europa leiden insbesondere Italien und Frankreich unter den Folgen der Corona-Krise. Die Wirtschaftsleistung der beiden Volkswirtschaften ist von Januar bis März verglichen zum Vorquartal jeweils um -5.3% eingebrochen. Der Rückgang fällt damit überdurchschnittlich stark aus: Für die gesamte Eurozone erwartet die Statistikbehörde Eurostat ein Minus von -3.8%. Beide Staaten wurden besonders hart von der Pandemie getroffen, weshalb die Regierungen strenge Schutzmassnahmen angeordnet haben. Noch weiter abwärts dürfte es im zweiten Quartal gehen. So erwartet das französische Statistikamt Insee für Frankreich einen historischen Konjunktureinbruch von -20%. Für das Gesamtjahr prognostiziert die Behörde ein Minus von 8%.

«Lockdown» beschert deutscher Retail-Branche herbe Umsatzeinbusse

Auch den deutschen Einzelhändlern beschert das Virus herbe Verluste. Sie haben im April ein Umsatzminus von -5.1% gegenüber März verbucht. Das ist der stärkste monatliche Rückgang seit Januar 2007. Zwar sind die Geschäfte mittlerweile wieder geöffnet, doch die Krise trübt die Shoppinglaune weiterhin. Das spürten vor allem Bekleidungsgeschäfte, während Onlinehändler dank der Krise im April ein sattes Umsatzplus von mehr als +24% verzeichneten.

SNB hat noch Spielraum

Die Corona-Krise lässt eine Zinswende in der Schweiz in noch weitere Ferne rücken. SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg meinte in einem Zeitungsinterview, dass eine rasche Normalisierung durch die Pandemie noch unrealistischer geworden sei. Auf die Frage, ob eine möglicherweise bevorstehende Senkung der US-Zinsen in den negativen Bereich die SNB zum Nachziehen veranlassen könnte, erklärte der SNB-Vize, dass die Entwicklungen im Ausland immer in die Beurteilung der SNB einfliessen würden. Grundsätzlich habe die Nationalbank noch Spielraum, sowohl bei der Bilanz als auch bei den Zinssätzen, so Zurbrügg. Um die exportabhängige Wirtschaft zu stützen und eine weitere Aufwertung des Frankens zu bremsen hat die SNB ihren Leitzins auf ein Rekordtief von minus -0.75%. gesenkt. Am 18. Juni wird die SNB ihren nächsten Zinsentscheid bekannt geben.

Wirtschaftskalender 2. Juni
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:30CHEinzelhandelsumsatz-5.6%
09:15SPEinkaufsmanagerindex Industrie Mai30.8
09:30CHEinkaufsmanagerindex Industrie Mai40.7
09:45ITEinkaufsmanagerindex Industrie Mai31.1
09:50FREinkaufsmanagerindex Industrie Mai40.3
09:55DEEinkaufsmanagerindex Industrie Mai36.8
10:00EZEinkaufsmanagerindex Industrie Mai39.5
Unternehmenskalender 2. Juni
LandUnternehmenPeriode
CHBurckhardt CompressionQ4

Quelle: BondWorld.ch