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LGT Navigator: Industriesektor treibt Wirtschaftserholung, aber auch Inflationssorgen

LGT Navigator: Nach dem verlängerten Wochenende konnten die Indizes an der Wall Street zunächst zulegen, verloren dann aber im Laufe des Handelstages an Schwung.

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Auftrieb verliehen u.a. positive Konjunkturdaten aus den USA wie auch Europa, die dann aber auch die latenten Inflationssorgen wieder in den Vordergrund rückten. Einen Aufschluss auf die generelle Konjunkturentwicklung und die Einschätzung der US-Notenbank könnte das heute Abend publizierte «Beige Book» der Fed liefern.

Der Dow Jones Industrial legte nach Börseneröffnung zunächst um knapp ein Prozent zu, schloss dann aber bei 34’575.31 Punkten mit einem nur moderaten Tagesgewinn von +0.13%. Der breite S&P 500 blieb praktisch unverändert bei 4’202.04 Zählern (-0.05%) und an der Nasdaq gaben die Technologieindizes bis zum Schlussgong leicht nach. Der Nasdaq 100 verlor -0.23% und der Nasdaq Composite -0.09%. In Asien zeigte sich ein ähnliches Bild und die Aktienindizes tendierten am Mittwoch uneinheitlich und ohne klaren Trend. Positiv wirkte sich die Hoffnung auf eine fulminante Erholung der Weltwirtschaft dank einer Eindämmung der Corona-Pandemie aus, negativ die Furcht vor einem Entzug des monetären Stimulus aufgrund einer überschiessenden Inflation. Mit Spannung wird nun heute Abend (20:00 Uhr MEZ) der regelmässige Wirtschaftsbericht der US-Notenbank, das sogenannte Beige Book, erwartet.

US-Industrieunternehmen gehen mit viel Schwung in den Sommer

In der amerikanischen Industrie hat sich das Wachstum im Mai stärker als erwartet beschleunigt. Der Einkaufsmanagerindex des Institute for Supply Management (ISM) legte dabei von 60.7 auf 61.2 Punkte zu, während Analysten mit einer leichten Abschwächung auf 60.5 gerechnet hatten. Stark war insbesondere die Auftragslage der befragten Firmen. Bestätigt wurden die positiven Aussichten auch durch den praktisch gleichzeitig veröffentlichten Einkaufsmanagerindex von IHS Markit, der für die US-Industrie im Mai einen Wert von 62.1 Punkten zeigte, ein kräftiger Anstieg von 60.5 Zählern im Monat zuvor. IHS Markit zufolge nahmen die Neuaufträge dank der wiederbelebten Binnennachfrage und Rekordexporten so stark zu wie seit 14 Jahren nicht mehr.

Europas Industrie in Rekordstimmung, aber Lieferengpässe bereiten Probleme

Der von IHS Markit zweimal monatlich publizierte Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Industriebereich im Euroraum verbesserte sich von 62.9 Punkten im April auf 63.1 Zähler im Mai und erreichte damit den besten Wert seit Aufnahme der Datenreihe Mitte 1997. Damit notiert das Stimmungsbarometer bereits seit elf Monaten über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Dem Londoner Institut zufolge sei eine «enorme Zunahme der Neuaufträge» beobachtet worden und sämtliche PMIs in allen erfassten Euroländern signalisierten eine Expansion des Industriesektors. Versorgungsengpässe führen aber verstärkt zu einem signifikanten Anstieg der Inputkosten. Rekordverdächtige Lieferverzögerungen schränkten das Produktionswachstum ein und führten dazu, dass die Unternehmen nicht in der Lage seien, die Nachfrage in vollem Ausmass zu befriedigen, kommentierte IHS Markit.

Auch in Grossbritannien stellte IHS Markit eine deutliche Verbesserung im Industriebereich fest und auch hier kletterte der PMI auf einen Rekordwert. Im Vergleich zum Vormonat stieg der Indikator um 4.7 auf 65.6 Punkte – den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung vor knapp 30 Jahren. Die erfolgreiche Eindämmung der Pandemie und die fortschreitende Impfkampagne hätten die Perspektiven der britischen Industrie deutlich aufgehellt, erklärte das Institut.

Der Einkaufsmanagerindex für die Schweizer Industrie legte im Mai um 0.4 zum Vormonat auf 69.9 Punkte zu und notiert damit ebenfalls auf dem bisher höchsten Stand seit Anfang 1995. Gemäss dem Branchenverband procure.ch ist die Erholung der Schweizer Industrie breit abgestützt und dürfte angesichts der guten Auftragslage bis auf Weiteres fortbestehen, obwohl sich die Produktionsdynamik etwas verlangsamt habe.

Inflationsrate im Euroraum erreicht die zwei Prozentmarke

In der Eurozone stiegen die Verbraucherpreise im Mai gegenüber der Vorjahresperiode um +2.0%, womit der Anstieg vom Vormonatsniveau (+1.6%) stärker ausfiel als von Ökonomen im Schnitt mit +1.9% prognostiziert. Getrieben wird die Preisentwicklung hauptsächlich durch den Basiseffekt der auf Jahressicht signifikant höheren Energiepreise. Bisher zeigt sich die Europäische Zentralbank (EZB) denn auch entspannt in Bezug auf den steigenden Inflationsdruck und erachtet diesen als nur vorübergehend und nicht nachhaltig. Die Kernteuerung, exklusive der vielfach volatilen Preise für Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak, legte im Mai ebenfalls zu, ist aber mit +0.9% (Vormonat +0.7%) deutlich moderater.

Rückläufige Arbeitslosenrate in der Eurozone

Die Arbeitslosigkeit in den Euroländern ist im April leicht zurückgegangen. Gemäss Eurostat sank die Arbeitslosenquote von 8.1% im März auf 8.0%. Damit waren im Währungsgebiet 13.03 Mio. Menschen ohne Arbeit. Am niedrigsten ist die Arbeitslosigkeit in den Niederlanden mit 3.4% und am höchsten in Griechenland und Spanien mit 15.8%, resp. 15.4%.

Wirtschaftskalender 2. Juni

MEZ Land Indikator Letzte Periode
08:00 DE Einzelhandelsumsätze (April, J/J) +11.0%
11:00 EZ Erzeugerpreise (April, J/J) +4.3%
20:00 USA Fed Konjunkturbericht (Beige Book)  

 

Unternehmenskalender 7. Juni

Land Unternehmen Periode
USA Apple Entwicklerkonferenz WWDC   
USA Pharmakonferenz ASCO   

 

Quelle: BondWorld.ch