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LGT Navigator: Intensivierte Spannungen zwischen Washington und Peking 

LGT Navigator: Anhaltende Spannungen zwischen den USA und China inmitten der weltweiten Corona-Krise halten die Finanzmärkte zu Monatsbeginn in Atem …

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Aufgrund der neuerlichen Verstimmungen könnte eine weitere Runde im Handelskrieg angefacht werden. Nach einem negativen Auftakt an den Börsen bleibt die Anlegerstimmung dementsprechend nervös.

Mitten in der Corona-Krise verschärft sich der Ton zwischen Washington und Peking. US-Präsident Donald Trump bekräftigte seine Vorwürfe, China hätte eine weltweite Ausbreitung des Virus verhindern können und dass SARS-CoV-2 aus einem Labor in Wuhan stamme. US-Aussenminister Mike Pompeo doppelte nach und meinte, es gebe «signifikante Belege», dass das Virus in einem Labor in Wuhan stamme. Chinas Führung wies die Vorwürfe umgehend zurück und dementierte, den Ursprung des neuartigen Coronavirus bewusst verschwiegen zu haben. Aus Peking hiess es, die US-Regierung wolle mit den Anschuldigungen lediglich vom eigenen Unvermögen im Kampf gegen die Pandemie ablenken.

An der New Yorker Börse schloss der Dow Jones Industrial nach einem überwiegend negativen Handelsverlauf mit einem knappen Plus (+0.11%). Für Unterstützung sorgten wieder steigende Ölpreise. Der marktbreite S&P 500 legte um +0.42% zu und der Nasdaq 100 gewann +1.33%. In Europa war die Stimmung noch deutlich negativer und der EuroStoxx 50 büsste am ersten Handelstag im Mai –3.8% ein. In Asien legten die meisten Indizes vor dem Hintergrund schrittweiser Lockerungsmassnahmen in der Corona-Krise moderat zu, wobei die Börse in Tokio feiertagsbedingt geschlossen blieb. In Hongkong gewinnt der Hang Seng-Index heute +0.84%.

Den Berechnungen der amerikanischen Universität Johns Hopkins in Baltimore zufolge ist die Zahl der weltweit infolge einer Corona-Infektion gestorbenen Menschen mittlerweile auf über 250 000 gestiegen. Rund 3.6 Mio. Infektionen seien weltweit nachgewiesen (WHO 3.4 Mio.), wovon knapp 1.2 Mio. in den USA. Mit fast 70 000 Todesfällen wurden die USA bisher besonders hart getroffen. Umso umstrittenerer sind die Lockerungsmassnahmen vieler US-Bundesstaaten wie Texas, Florida, Utah oder South Carolina, in denen viele Restaurants und Geschäfte unter Auflagen wieder öffnen dürfen. Präsident Trump betonte diesbezüglich: «Wir können das Land nicht geschlossen lassen oder wir werden kein Land mehr haben».

Börsianer bereits wieder optimistischer

Die Lockerungsschritte in vielen europäischen Ländern stimmt die von der Finanzmarktanalysefirma Sentix monatlich befragten rund 1 200 Investoren und Analysten wieder zuversichtlicher hinsichtlich der Konjunkturperspektiven im Euroraum. So stabilisierte sich das Konjunkturbarometer im Mai bei minus 41.8 Punkten (Vormonat minus 42.9) vor allem dank einer Erholung der Erwartungskomponente, die von minus 15.8 im April auf minus 3 Punkte stieg. Dennoch bleibt die Beurteilung der gegenwärtigen Situation negativ. Der Index der aktuellen Lagebeurteilung fiel auf ein Rekordtief von minus 73 Zählern. Mit den Lockerungen der Restriktionen zeichne sich eine «Morgendämmerung» ab, meinte Sentix-Chef Manfred Hübner. Naturgemäss orientieren sich die Antworten der von Sentix befragten Börsianer stark an der aktuellen Börsenentwicklung.

Euro-Industrie-PMI im Sinkflug

Deutlich pessimistischer beurteilen die Vertreter der «realen Wirtschaft» die gegenwärtige Situation. Den neusten Einkaufsmanagerumfragewerten (PMI) aus der Eurozone zufolge, scheint sich bei den Industrieunternehmen trotz der jüngsten Lockerungsschritte noch keine Erholung abzuzeichnen. Der PMI des Londoner Marktforschungsinstituts IHS Markit fiel im April auf 33.4 Punkte, den niedrigsten Wert seit Juni 1997, bzw. dem Beginn der Datenserie. Die Befürchtung lange anhaltender Störungen der Lieferketten laste auf den Geschäftsaussichten der Industrie und viele der befragten Unternehmen rechnen mittelfristig mit Beeinträchtigungen bei Angebot und Nachfrage, sodass eine schnelle «V-förmige» Erholung eher unwahrscheinlich erscheine, kommentierte IHS-Markit.

EZB-Experten senken Wachstums- und Inflationsprognosen

Im Rahmen der regelmässigen Umfrage (Survey of Professional Forecasters) der Europäischen Zentralbank (EZB) revidierten die befragten Ökonomen ihre Prognosen für Wirtschaftswachstum und Inflation. Im laufenden Jahr sei angesichts der Corona-Krise mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um -5.5% zu rechnen. Noch im März hatten die Volkswirte im Schnitt mit einem Zuwachs von +1.1% gerechnet. Im nächsten Jahr wird dann aber von einer Erholung und Aufholpotenzial ausgegangen. Das BIP soll 2021 um +4.3% (bisherige Prognose +1.2%) wachsen. In der längerfristigen Prognose für das Jahr 2022 rechnet der Konsens mit einem Wirtschaftswachstum im Euroraum von +1.7% (bisher +1.4%). Mit Blick auf die Inflationsentwicklung rechnen die Ökonomen mit einer Teuerungsrate im laufenden Jahr von lediglich +0.4% (bisher +1.2%) und für 2021 von +1.2% (+1.4%) sowie 2022 von +1.4% (+1.5%). Die Prognose für die Kerninflationsrate, also ohne Berücksichtigung der Energie- und Nahrungsmittelpreise, beläuft sich für 2020 auf +0.8% (bisher +1.2%), für 2021 auf +1.1% (+1.3%) und für 2022 auf +1.3% (+1.5%).

Wirtschaftskalender 5. Mai
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:30CHVerbraucherpreise (J/J)-0.4%
11:00EZErzeugerpreise (J/J)-1.3%
14:30USAHandelsbilanz-USD 39.93 Mrd.
16:00USAISM-Einkaufsmanagerindex Dienstleister52.5
Unternehmenskalender 5. Mai
LandUnternehmenPeriode
CHAdeccoQ1
CHOC OerlikonQ1
DEBeiersdorfQ1
DEHugo BossQ1
FRBNP ParibasQ1
USAWalt DisneyQ2
USADuPontQ1

Quelle: BondWorld.ch