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LGT Navigator: Lagebeurteilung der Notenbankspitzen im Fokus

LGT Navigator: Während die Entwicklungen in der Corona-Pandemie das übergreifende Thema an den Kapitalmärkten bleibt, dürften die Investoren in diesen Tagen mit Spannung die Einschätzungen der wichtigsten Notenbanker am Jackson-Hole-Symposium erwarten.

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Währenddessen scheinen die Spannungen zwischen den USA und China nach einem Zwischenfall einmal mehr zuzunehmen, was die Börsenstimmung belastet. Auf der anderen Seite hält die Rally bei den Technologieaktien an.

Per Videokonferenz werden ab heute Fed-Chef Jerome Powell, EZB-Präsidentin Christine Lagarde und weitere hochrangige Notenbanker ihre aktuelle Beurteilung der globalen Wirtschaftslage und der Geldpolitik kundtun. Das Treffen der Zentralbankspitzen steht unter dem Motto: «Navigieren durch das vor uns liegende Jahrzehnt und die Implikationen für die Geldpolitik».

An den US-Aktienmärkten sorgte der Boom im Technologiesektor gestern teilweise für neue Rekordwerte bei den Tech-Stars. Der technologielastige Nasdaq 100-Index legte um +2.13% zu und schloss bei 11 971.94 Punkten knapp unter der 12 000er-Marke. Die Aktie des Cloud-Spezialisten und künftigen Mitglieds im Dow Jones-Club Salesforce sprang um mehr als +12%. Im Sog der Tech-Aktien stieg auch der marktbreite S&P 500 um +1.03% auf 3 478.73 Zähler und erreichte erneut ein Rekordhoch. Der Dow Jones Industrial zeigte sich hingegen erneut schwerfällig und konnte lediglich ein Tagesplus von +0.3% ausweisen. Zum Schluss notierte der Dow bei 28 331.92 Punkten.

In Asien wurde die Börsenstimmung von erneuten Spannungen zwischen den USA und China getrübt. Hintergrund ist der Vorwurf Pekings, dass ein US-Militärjet in Spionagetätigkeit absichtlich den chinesischen Luftraum über dem Südchinesischen Meer verletzt haben soll. In Tokio notiert der 225 Werte umfassende Nikkei-Index -0.42% tiefer bei 23 193.76 Punkten.

Corona-Wirtschaftseinbruch übertrifft Finanzkrise bei weitem

Den Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge brach das Bruttoinlandsprodukt in den 30 OECD-Staaten im zweiten Quartal so stark ein wie noch nie. In der Folge der Coronavirus-Pandemie und den damit verbundenen drastischen Massnahmen sank die Wirtschaftsleistung um -9.8% gegenüber dem Vorquartal. Zum Vergleich: während der weltweiten Finanzkrise betrug der Rückgang im OECD-Gebiet gerade mal -2.3% (Q1 2009).

Investitionstätigkeit in den USA nimmt nach dem Corona-Schock wieder zu

Ein unerwartet kräftiger Anstieg der Bestellungen für zivile Kapitalgüter (exklusive Luftfahrt) von +1.9% im Juli gegenüber dem Vormonat deutet darauf hin, dass die Investitionen in den USA nach dem Einbruch während des «Lockdowns» wieder an Dynamik gewinnen. Insgesamt nahmen die Aufträge für dauerhafte Güter (z.B. Maschinen oder Flugzeuge) im Juli auf Monatsbasis um +11.2% zu, womit der Anstieg signifikant besser ausfiel als von Analysten mit +4.3% antizipiert.

Negativeffekte lange anhaltender Negativzinsen

EZB-Direktorin Isabel Schnabel betonte am Kongress der European Economic Association, dass der EZB das Risiko bewusst sei, dass anhaltend negative Zinsen dazu führen könnten, dass Geschäftsbanken nicht mehr, sondern weniger Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Zudem geht die deutsche Notenbankerin davon aus, dass die Nebenwirkungen negativer Zinsen mit der Zeit relevanter werden, da sie negative makroökonomische Trends spiegeln, die die Zentralbank aber nicht beeinflussen kann. Deshalb sei eine kraftvolle Reaktion der Regierungen auf die Corona-Krise notwendig, um das Wirtschaftswachstum zu fördern und damit den Weg zurück zu positiven Zinsen zu ebnen.

EZB muss evtl. Krisenprogramm nicht voll ausschöpfen

Nach Einschätzung des slowakischen EZB-Mitglieds Peter Kazimir bewegt sich das Wirtschaftswachstum in der Eurozone derzeit im Rahmen der letzten Prognosen der Notenbank. Zudem zeigten die Anleihenkäufe im Rahmen des Pandemie-Anleihenkaufprogramm (PEPP) Wirkung, so Kazimir. Mit den auf den Weg gebrachten Fiskalpaketen der einzelnen Euroländer könnte die EZB unter Umständen nicht gezwungen sein, ihr Anleihenkaufprogramm voll auszuschöpfen. Mittels PEPP bekämpft die EZB die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Im Juni hatte die Zentralbank das Programm nochmals um EUR 600 Mrd. auf EUR 1.35 Billionen ausgeweitet und bis mindestens Ende Juni 2021 verlängert.

Wirtschaftskalender 27. August
MEZLandIndikatorLetzte Periode
07:45CHBIP Q2 (Q/Q)-2.6%
08:45FRGeschäftsklimaindex (August)84.7
10:00ITIndustrieaufträge (Juni, J/J)-34.7%
14:30USABIP Q2 (Revision, annualisiert Q/Q)-32.9%
14:30USAKonsumausgaben Q2 (Revision, Q/Q)-34.6%
14:30USAErstanträge auf Arbeitslosengeld (wöchentlich)+1.106 Mio.
16:00USAAusstehende Eigenheimverkäufe (Juli, M/M)+16.6%
16:00USAAusstehende Eigenheimverkäufe (Juli, J/J)+12.7%

 

Unternehmenskalender 27. August
LandUnternehmenPeriode
CHBaloiseH1

 

Quelle: BondWorld.ch