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LGT Navigator: Mit aller Kraft gegen die Pandemie – Fed senkt Zinsen auf Null

LGT Navigator: Die US-Notenbank stemmt sich mit einer erneuten, zeitlich überraschenden, Zinssenkung gegen die Coronavirus-Pandemie, die nun auch immer stärker in den USA Fuss zu fassen scheint und die grösste Volkswirtschaft bedroht………..

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Zuvor hatten bereits die USA und die Europäische Union ein milliardenschweres Investitionsprogramm und Flexibilität bei der Schuldengrenze in Aussicht gestellt. Gleichzeitig verspricht Deutschland, sich mit unlimitierten Finanzmitteln gegen die Virus-Krise, respektive gegen die dadurch verursachten schweren wirtschaftlichen Folgen, zu stemmen.

Fed senkt Zinsen auf Null

Die Federal Reserve (Fed) senkte am Sonntag überraschend ihren Leitzins auf null Prozent (resp. 0.0-0.25%), um die unberechenbaren Folgen für die US-Wirtschaft einzudämmen. Eigentlich hatten die Kapitalmärkte mit diesem Schritt erst am Mittwoch anlässlich der regulären Sitzung des Offenmarktausschusses (Federal Open Market Committee) gerechnet. Dass die Fed wie bereits beim letzten Mal diesen weiteren Zinsschritt überraschend vorgezogen hat, zeigt eindrücklich, wie ernst die Lage ist und wie sehr sich die Währungshüter um die negativen Auswirkungen der Coronavirus-Ausbreitung auf die Wirtschaft sorgen. Zusätzlich zu diesem letzten Zinsschritt kündigte die Fed eine neuerliche quantitative Lockerung (QE) an. Die Fed wird dabei US-Staatsanleihen und Hypotheken-besicherte Wertpapiere im Volumen von USD 700 Mrd. aufkaufen. Zudem haben verschiedene Notenbanken (Fed, Bank of Canada, EZB, SNB, Bank of England und Bank of Japan) in einer koordinierten Aktion beschlossen, die Kosten für Währungs-Swaps zu senken.

Zentralbanken gelingt es bisher nicht Vertrauen zu schaffen

Die negativen Reaktionen an den Aktienmärkten nach der erneuten Zinslockerung der Fed signalisieren, dass die Anleger derzeit nur wenig Vertrauen in die Massnahmen der Notenbanken haben und damit auch verdeutlichen, wie ernst die Lage ist. Zudem hat nun auch die US-Notenbank praktisch ihr Pulver verschossen, denn Fed-Chef Jerome Powell schloss bisher aus, dass die US-Leitzinsen in den negativen Bereich rutschen werden.

An den Futures-Märkten brachen die Futures der US-Aktienindizes heute Nacht ein und der Handel musste gar «Limit-Down» ausgesetzt werden. In Asien reagieren die Aktienmärkte ebenfalls negativ und notieren mehrheitlich tief im roten Bereich. Die Tokioter Börse handelt knapp -3% tiefer und der Aktienindex in Hongkong fällt um rund -3.5%. Damit scheint die fulminante Erholung am Freitag nicht mehr als nur ein «Strohfeuer» gewesen zu sein. Die Coronavirus-Krise bleibt mit grossen Unsicherheiten behaftet und unberechenbar, insbesondere in Bezug auf die potenziellen Schäden für die Weltwirtschaft und vor allem auch auf die Dauer.

EU kündigt Investitionspaket an

Die Europäische Union stellt laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ein Investitionspaket im Umfang von rund EUR 37 Mrd. zur Verfügung, um den potenziellen wirtschaftlichen Schaden der Coronavirus-Krise in den Mitgliedsstaaten abzufedern. Zudem will die Exekutive in Brüssel – mit Blick auf das hochverschuldete Italien – den Mitgliedsländern «maximale Flexibilität» bei der Einhaltung der Defizitziele einräumen. Die Mitgliedstaaten müssten alle notwendigen Massnahmen ergreifen, um die am stärksten betroffenen Branchen zu unterstützen und die EU müsse als Ganzes entschlossen, abgestimmt und in Einigkeit handeln, betonte die Kommissionspräsidentin.

Berlin verspricht «unlimitierte» Mittel

Auch Deutschland versprach, alle notwendigen Massnahmen zu ergreifen, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie einzudämmen. Hierfür stellte Finanzminister Olaf Scholz ein umfassendes Massnahmenpaket mit «unlimitierten» Krediten in Aussicht. Denkbar sei auch ein Konjunkturprogram. «Wir legen alle Waffen auf den Tisch», meinte Scholz demonstrativ.

Zentralbanken bleiben im Fokus

In dieser Woche stehen weitere Notenbankenentscheide an. So wird die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Donnerstag (09:30 Uhr MEZ) einerseits ihre geldpolitische Ausrichtung und andererseits ihren Konjunkturausblick und ihre Einschätzung der gegenwärtigen Krisensituation, insbesondere mit Blick auf den Schweizer Franken, bekannt geben. Ebenfalls von Interesse wird der gleichentags erwartete Zinsentscheid der Bank of Japan sein. Im Kampf gegen die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Virus-Krise pumpte die japanische Zentralbank Ende letzter Woche in einer ausserplanmässigen Aktion zusätzliche Liquidität in die Märkte.

Gestern senkte die neuseeländische Notenbank ihren Schlüsselzins von +1.0% auf noch +0.25% und stellte, falls nötig, weitere Massnahmen in Aussicht.

Norwegens Notenbank senkte vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie ihren Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf +1.0%. Zudem signalisierte die Norges Bank ihre Bereitschaft, die Zinsen weiter zu senken. Durch die erhebliche Unsicherheit in Bezug auf die Auswirkungen und die Dauer der Krise sei die Gefahr eines ausgeprägten wirtschaftlichen Abschwungs signifikant, begründete sie ihren Entscheid.

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, relativierte am Freitag ihre tags zuvor gemachten Aussagen in Bezug auf die Risikoaufschläge europäischer Staatsanleihen. Am Donnerstag hatte Lagarde im Anschluss an den regulären Zinsentscheid gesagt, es sei nicht Aufgabe der EZB Spreads zu verengen (mit Blick auf die Spanne zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen). Die EZB-Chefin korrigierte ihre Aussage dahingehend, «dass sie sich voll und ganz dafür einsetze, eine Zersplitterung in einer für die Eurozone schwierigen Zeit zu vermeiden».

US-Verbraucher werden vorsichtiger

Die Stimmung der amerikanischen Verbraucher hat sich im März wegen der Coronavirus-Pandemie und dem Einbruch an den Aktienmärkten erwartungsgemäss eingetrübt. Das Barometer für die Konsumentenstimmung der Universität Michigan fiel um 5.1 auf 95.9 Punkte. Die Umfragewerte deuten darauf hin, dass mit weiteren Vertrauensverlusten zu rechnen ist, da sich die Verbreitung des Virus weiter beschleunigt, kommentierte die Universität. Der private Konsum gilt als wichtigste Säule der US-Wirtschaft und steuert rund 70 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei.

Roche-Testsystem verspricht Beschleunigung von Coronavirus-Tests

Der Pharmakonzern Roche hat in den USA eine Notfall-Zulassung für einen Test zum Nachweis des neuartigen Coronavirus (Sars-CoV-2) erhalten. Die US-Gesundheitsbehörde FDA habe den Test in einer Notfall-Bestimmung vorübergehend zugelassen, teilte Roche mit. Ein Testsystem könne Ergebnisse von bis zu 4.128 Proben innerhalb von 24 Stunden liefern.

Wirtschaftskalender 16. März
MEZLandIndikatorLetzte Periode
10:00ITVerbraucherpreise (J/J)+0.3%
13:30USNY Fed Empire State Index+12.9
Unternehmenskalender 17. März
LandUnternehmenPeriode
DEVolkswagenJ19

Quelle: BondWorld.ch