LGT

LGT Navigator: Nationaler Volkskongress in Peking überschattet von Spannungen mit den USA

LGT Navigator: Anhaltende Spannungen zwischen den USA und China und ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten sorgt an den Aktienmärkten für Nervosität …

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


LGT Navigator


Mit grossem Interesse wird der heute beginnende Nationale Volkskongress in Peking verfolgt werden. Inzwischen bestätigte das jüngste Protokoll des letzten Zinsentscheids der US-Notenbank, dass die Fed wesegen der Corona-Krise auf mittlere Sicht mit erheblichen Wirtschaftsrisiken rechnet. Neuste Wirtschaftsdaten aus den USA belegen die negativen Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft.

US-Präsident Donald Trump verschärfte seine Rhetorik gegenüber China und meinte, die Volksrepublik betreibe in der Corona-Krise eine Desinformations- und Propaganda-Politik. Während heute in Peking der Nationale Volkskongress begonnen hat – die Rede von Ministerpräsident Li Keqiang legte den Schwerpunkt stattdessen auf Beschäftigung und Investitione – verabschiedete der US-Senat einen Gesetzentwurf, der einige chinesische Firmen von einer Notierung an amerikanischen Börsen ausschliessen würde, was zu zusätzlichen Spannungen führen könnte.

An der Wall Street drückten gestern die wieder zunehmenden Spannungen zwischen den zwei weltgrössten Volkswirtschaften USA und China die Indizes in die Verlustzone. Nachdem der Dow Jones Industrial zu Handelsbeginn noch an die Vortagesgewinne angeknüpft und das Niveau von Ende April erreicht hatte, schloss der Leitindex mit einem Tagesverlust von -0.41% bei 24 474.12 Punkten. Der marktbreite S&P 500 verlor gar -0.78% und der technologielastige Nasdaq 100 ging mit einem Minus von -1.13% aus dem Rennen.

Auch in Asien standen die Aktienmärkte unter dem Eindruck der Spannungen zwischen den USA und China. Die Börse in Tokio notierte heute Morgen -0.75% schwächer und in Hong Kong verliert der Hang Seng-Index nahezu -5%.

Fed diskutiert über «Forward Guidance» und Zinskontrollmechanismus

Das Protokoll der letzten Sitzung des geldpolitischen Rates (FOMC) bekräftigte die Einschätzung der US-Notenbank (Fed), dass die Corona-Krise schwer auf der Wirtschaft, dem Arbeitsmarkt und der Preisentwicklung lastet. Aus dem Protokoll ging zudem hervor, dass die Notenbankspitze über eine sogenannte «Forward Guidance» diskutiert hat, d.h. die Ausrichtung ihrer Geldpolitik an die wirtschaftliche Entwicklung oder gar ein bestimmtes Datum zu binden. Zudem wurde auch über Möglichkeiten gesprochen, die Kapitalmarktzinsen über eine «Yield Curve Control» – wie es seit längerem bereits die Bank of Japan praktiziert – zu steuern. Gleichzeitig bekräftigte die Fed, ihren Leitzins auf dem aktuellen Niveau nahe der Nulllinie zu halten, bis sich die Wirtschaft von der Krise erholte habe.

Zahl der Arbeitslosen in den USA steigt weiter

Trotz der in vielen US-Bundesstaaten begonnenen Lockerung des wirtschaftlichen «Lockdowns» haben in der Woche bis zum 16. Mai erneut 2.4 Mio. Arbeitnehmer ihren Job verloren. Seit die Coronavirus-Pandemie die USA erreicht hat, wurden bereits mehr als 38 Mio. Menschen entlassen. Die sich nur aus den Daten der wöchentlich registrierten Erstanträge auf Arbeitslosenversicherung ergebende Arbeitslosenrate würde nun 17.2% betragen. Die offizielle Arbeitslosenstatistik notierte im April eine Arbeitslosenquote von 14.7%. Die Mai-Statistik wird Anfang Juni veröffentlicht.

US-Frühindikatoren nicht ganz so schlecht wie befürchtet

Der Sammelindex der wirtschaftlichen Frühindikatoren ist im April gemäss dem Wirtschaftsforschungsinstitut The Conference Board um -4.4% zum Vormonat gefallen, damit aber weniger stark als erwartet. Analysten hatten im Schnitt mit einem Einbruch um -5.4% gerechnet, nachdem der Leading Indicator im März um revidierte -7.4% zurückgegangen war. Der Sammelindex setzt sich aus zehn Indikatoren zusammen, wie z.B. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Neuaufträge in der Industrie, das Verbrauchervertrauen sowie die Baugenehmigungen.

PMI für US-Privatwirtschaft überwindet Corona-Tiefpunkt

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) von IHS Markit für die Privatwirtschaft – Industrie und Dienstleister zusammen – verbesserte sich im April leicht von 27.0 Punkten im Vormonat auf 36.4 Zähler. Der PMI für den Industriesektor erhöhte sich von 36.1 auf 39.8 Punkte und der PMI für den Dienstleistungsbereich legte von 26.7 auf 36.9 Zähler zu. Bekanntlich signalisiert ein Wert von unter 50 Punkten eine schrumpfende Wirtschaft. Laut IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson zeigten die Umfragewerte, dass der wirtschaftliche Einbruch im April seinen Höhepunkt erreicht habe und, sollte eine zweite Infektionswelle ausbleiben, so sollte sich die Kontraktion in den kommenden Monaten weiter abschwächen.

Philly-Fed macht Hoffnung auf Stabilisierung im US-Industriesektor

Die Lockerungen der Massnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie scheinen im amerikanischen Industriesektor zumindest für eine Stabilisierung zu sorgen. So erholte sich der Konjunkturindex der Fed von Philadelphia, der sogenannte Philly Fed-Index, im Mai von minus 56.6 Punkten auf minus 43.1 Zähler. Der Indikator notiert nun bereits seit drei Monaten im negativen Bereich und hatte im April den tiefsten Wert seit Juli 1980 erreicht.

Auch in Europa gibt es Zeichen einer Stabilisierung

Der Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft der Eurozone des Londoner Marktforschungsinstituts IHS Markit deutete im Mai mit einem Anstieg auf 30.5 Punkte eine Stabilisierung nach dem Corona-bedingten Einbruch an. Analysten hatten im Schnitt mit einer Verbesserung auf lediglich 27.0 Zähler gerechnet. Im April hatte der PMI mit 13.6 Punkten noch den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 1998 erreicht. Positiv zu werten ist, dass sich sowohl in Deutschland als auch in Frankreich die Umfragewerte im Dienstleistungssektor merklich verbesserten. Markit-Chefökonom Chris Williamson kommentierte, dass die Umfrageergebnisse ermutigende Hinweise dafür liefern, dass der Tiefpunkt wohl hinter uns liegt.

Inflation (derzeit) kein Thema

Vor dem Hintergrund der Corona-Krise hat sich der Inflationsdruck bei den Verbraucherpreisen im Euroraum wie auch in Grossbritannien im April nochmals deutlich verringert. In der Eurozone sank die Jahresteuerungsrate von +0.7% im März auf noch +0.3% im letzten Monat. Der Preisauftrieb war damit so gering wie seit August 2016 nicht mehr. Die Energiepreise gingen im April um knapp -10% zum Vorjahr zurück. Andererseits verteuerten sich in der Corona-Phase aber die Nahrungsmittelpreise in den Euroländern um +3.6% im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die EU-Kommission geht derzeit davon aus, dass die Inflationsrate in der Eurozone im laufenden Jahr im Schnitt auf +0.5% betragen und 2021 wieder auf +1.2% steigen wird. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Grossbritannien. Auf der britischen Insel fiel die Inflationsrate auf Jahressicht von +1.5% im März auf +0.8% im April zurück, was ebenfalls dem tiefsten Stand seit August 2016 entsprach. Nach Einschätzung von Bank of England-Vizepräsident Ben Broadbend könnte die Teuerung bis Ende 2020 sogar unter null sinken.

Wirtschaftskalender 26. Mai
MEZLandIndikatorLetzte Periode
14:30USAChicago Fed Nationaler Aktivitätsindex-2.48
15:00USAFHFA US-Häuserpreisindex+0.33
Unternehmenskalender 22. Mai
LandUnternehmenPeriode
USADeereQ2

Quelle: BondWorld.ch