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LGT Navigator: Nervenflattern hält an

LGT Navigator: Angesichts des immer wahrscheinlicheren Risikos einer globalen Rezession bleiben Staaten und Notenbanken aufs Äusserste gefordert………..

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An den Finanzmärkten scheint angesichts der schwer abschätzbaren wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie die Nervosität von Tag zu Tag zuzunehmen, was sich im dramatischen Verlauf der wichtigsten Börsenindizes spiegelt. Nachdem sich gestern die Kurse an der Wall Street dank der Aussicht auf immense Konjunkturpakete erholten, weisen US-Aktienfutures und asiatische Börsenindizes bereits wieder Richtung Süden.

Nervenflattern hält an

Die Volatilität an den Kapitalmärkten bleibt angesichts der anhaltenden Unsicherheit hoch. Nach dem historischen Börsenabsturz zum Wochenstart konnten sich die US-Aktienmärkte gestern wieder etwas erholen. Der Dow Jones Industrial Index legte um +5.2% zu und konnte die Marke von 21 000 Punkten zurückerobern. Dies nachdem der Dow am Vortag mit einem Minus von knapp -13% den grössten Tagesverlust seit 1987 verbucht hatte. Der marktbreite S&P 500 beendete den gestrigen Handelstag mit +6% und der technologielastige Nasdaq 100 legte am Dienstag um +6.46% zu. Grund zu Optimismus lieferten die von verschiedenen Staaten und Notenbanken in Aussicht gestellten Geldspritzen in bisher unbekanntem Ausmass. Der US-Präsident will ein Hilfsprogram im Volumen von USD 1 Bio. auf den Weg bringen. Auch in Europa versprechen Regierungen Milliarden Hilfen, um die schwerwiegenden Folgen der Massnahmen gegen die Coronavirus-Pandemie zu lindern.

Erneut eine nur kurzzeitige Erholung?

In Asien trübten die Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie erneut die Anlegerstimmung und so notiert der 225 Werte umfassende Nikkei-Index nach einem anfänglichen Plus von +1.1% zum Tagesschluss hin -1.7% im Minus. In Hongkong verliert der Hang Seng-Index -2.3%. Auch die US-Aktienfutures drehten erneut in den roten Bereich und auch für Europa signalisieren die Terminkontrakte einen erneuten Abwärtstrend. Dies nachdem US-Finanzminister Steven Mnuchin warnte, dass die Coronavirus-Pandemie dafür sorgen könnte, dass die Arbeitslosenrate in den USA auf bis zu 20% steigt, sollte die Regierung nicht mit aller Kraft dagegenhalten.

Selbst die zwei drastischen Zinsschritte der US-Notenbank (Fed) oder die Zusage praktisch unlimitierter Finanzmittel durch Zentralbanken und Staaten kann die Nerven an den Kapitalmärkten derzeit nicht beruhigen. Mit den erfolgten und angekündigten Massnahmen wurde aber auch bereits viel Pulver verschossen. So schloss Fed-Chef Jerome Powell bereits die Möglichkeit von Negativzinsen aus und auch die EZB ist nach dem angekündigten umfassenden Massnahmenpaket in einer ungünstigen Situation. Zudem vermochte die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde die Märkte mit Ihrem Entscheid, die Leitzinsen unverändert zu belassen und ihrer Aussage, wonach die EZB nicht für einen Ausgleich der Zinsunterschiede zwischen den Ländern verantwortlich sei, nicht vollends zu überzeugen.

Paris, Madrid und London versprechen Milliardenhilfen

Frankreichs Regierung will im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie die Wirtschaft mit EUR 45 Mrd. unterstützen. Falls Unternehmen durch den Notstand und die verhängte Ausgangssperre in Schwierigkeiten geraten, verspricht Staatschef Emmanuel Macron beispielsweise auch die Aussetzung von Mieten oder Gas- und Stromkosten. Spaniens Regierung stellt gar ein Hilfspaket für die Wirtschaft über EUR 200 Mrd. in Aussicht. Auch Grossbritanniens Regierung will die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie mit einem milliardenschweren Hilfsprogramm abfedern. Der britische Finanzminister Rishi Sunak spricht von Kreditgarantien für Unternehmen im Umfang von GBP 330 Mrd. (EUR 363 Mrd.). Sollte die Nachfrage grösser sein, werde die Regierung so viel Kapazität zur Verfügung stellen wie erforderlich.

Fed leitet weitere Schritte ein

Auch die US-Notenbank (Fed) kündigte weitere Schritte zur Minderung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie an. Die Fed werde kurzlaufende Unternehmensanleihen direkt von US-Firmen erwerben, um den kurzfristigen Finanzierungsbedarf der Unternehmen zu decken und damit eine Pleitewelle zu verhindern. Die Fed praktizierte dies auch in der Finanzkrise 2008/09 und schoss damals knapp USD 740 Mrd. ein.

Der Internationale Währungsfonds habe insgesamt eine Billion Dollar für Kredite zur Verfügung, um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie abzufedern. Aussagen von IWF-Chefin Kristalina Georgiewa zufolge, werde wohl eine ähnliche finanzpolitische Initiative wie in der weltweiten Finanzkrise von 2008/09 nötig werden.

Dramatischer Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen

Die Konjunkturerwartungen für Deutschland und die Eurozone verzeichneten angesichts der Coronavirus-Pandemie den stärksten Einbruch seit Beginn der Umfrageserie im Jahr 1991. Mit minus 49.5 Punkten (Vormonat 58.2) erreichte der Indikator im März den niedrigsten Wert seit Ende 2011 während der Eurokrise. Die monatlich vom Mannheimer ZEW befragten Investoren gingen aktuell von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Gesamtjahr 2020 von rund -1% aus. ZEW-Präsident Achim Wambach fasste zusammen: «Die Signale stehen auf Rot».

Volkswagen und Daimler stoppen Produktion grösstenteils

Europas grösster Autohersteller stellt wegen der Coronavirus -Krise seine Produktion in den meisten Werken in Deutschland und Europa ab Freitag ein. Eingestellt wurde die Produktion auch in den beiden Audi-Standorten Ingolstadt und Neckarsulm. In China sei die Fertigung in fast allen Werken aber wiederaufgenommen worden. Gleichzeitig stellt Volkswagen wegen der raschen Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie seine angepeilten Geschäftsziele (Umsatzrendite von 6.5-7.5%; 2019: 7.6%) in Frage. Die Krise stelle den Konzern vor «ungekannte operative und finanzielle Herausforderungen». Nach Volkswagen kündigte auch Daimler an, einen Grossteil der Produktion in Europa wegen der Corona-Pandemie auszusetzen.

Wirtschaftskalender 18. März
MEZLandIndikatorLetzte Periode
09:30CHSNB Zinsentscheid
10:00ITAuftragseingang Industrie (M/M)+1.4%
11:00EZVerbraucherpreise (J/J)+1.4%
11:00EZKern-Verbraucherpreise (J/J)+1.1%
13:30USNeubaubeginne (M/M)-3.6%
13:30USBaugenehmigungen (M/M)+9.2%
14:15USIndustrieproduktion (M/M)-0.8%

Quelle: BondWorld.ch