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LGT Navigator: Notenbanken bleiben im Krisenmodus

LGT Navigator: Die Kapitalmärkte standen gestern ganz im Zeichen verschiedener Zentralbankentscheide …

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Während die SNB ihren Leitzins unverändert beliess, weitete die Bank of England ihre Anleihenkäufe aus und Brasiliens Notenbank senkte angesichts der schnellen Pandemieausbreitung und der wirtschaftlichen Schäden ihren Schlüsselzins auf ein Rekordtief. Aktuelle US-Konjunkturdaten lassen weiterhin auf eine baldige, wenn auch zähe Erholung hoffen. An den Börsen tendieren die meisten Indizes zum Wochenschluss ohne klare Richtung. Für Zurückhaltung sorgen u.a. die Spannungen zwischen den USA und China sowie steigende Covid-19-Infektionszahlen in einigen Ländern.

Grossbritanniens Zentralbank beliess wie erwartet ihren Schlüsselzins unverändert bei +0.1%, kündigte aber gleichzeitig eine weitere Ausweitung ihres Wertpapierkaufprogramms um GBP 100 Mrd. auf GBP 745 Mrd. an. Im Notenbankgremium fiel der Entscheid zur Ausweitung der Anleihenkäufe mit 8:1. In der Corona-Krise ist die ohnehin durch die Brexit-Unsicherheit geschwächte Wirtschaft stark getroffen worden und während des «Lockdowns» gingen schätzungsweise eine halbe Million Arbeitsplätze verloren.

SNB hält an bewährtem Kurs fest

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bestätigte anlässlich ihrer quartalsweisen Lagebeurteilung ihre Geldpolitik mit einem negativen Leitzins von -0.75%. Nach dem Einbruch der Schweizer Wirtschaft in Folge der Corona-Krise scheint sich die Wirtschaftsaktivität wieder allmählich zu erholen, jedoch bleibe die Verunsicherung hoch. Auch die Inflations- und Wachstumsprognosen der Nationalbank unterliegen in der gegenwärtigen Situation einem hohen Grad an Unsicherheit. Im laufenden Jahr rechnet die SNB mit einer Inflationsrate von -0.7% und 2021 mit einer leichten Erholung auf -0.2%. 2022 sollte die Teuerungsrate dann mit +0.2% wieder leicht positiv sein. In ihrem Basisszenario für die Weltwirtschaft geht die SNB davon aus, dass es gelingen wird, eine zweite Pandemiewelle zu verhindern, jedoch dürfte die Konsum- und Investitionsnachfrage vorerst verhalten bleiben. Angesichts der Franken-Stärke stehe die SNB weiterhin bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren. Nationalbankpräsident Thomas Jordan betonte: «Solange die Kosten-Nutzen-Analyse stimmt, gibt es für Fremdwährungskäufe keine Grenze».

Norwegens Zentralbank hält Schlüsselzins auf Rekordtief, sieht aber Licht am Ende des Tunnels

Die Norges Bank beliess den Referenzeinlagensatz auf einem Rekordtief von null Prozent. Im Ausblick zeigte sich Gouverneur Oystein Olsen recht optimistisch angesichts der schneller als erwarteten Anzeichen einer Erholung der Wirtschaft. Die Zentralbank in Oslo geht nun davon aus, dass sie ab der zweiten Hälfte 2022 in der Lage sein wird, den Leitzins wieder zu erhöhen. Bisher war die Zinswende erst auf Ende 2023 in Aussicht gestellt worden.

EZB vergibt Rekordsumme an Geschäftsbanken

Europäische Geschäftsbanken besorgten sich bei Europäischen Zentralbank (EZB) Liquidität im Rekordvolumen. Im Rahmen des auf drei Jahre Laufzeit ausgelegten Refinanzierungsgeschäft TLTRO III vergab die EZB insgesamt EUR 1.31 Billionen. Insgesamt bezogen 742 Banken neue Kredite bei der Zentralbank. Die EZB will damit einerseits den Finanzsektor mit genügend Liquidität versorgen und anderseits den Kreditfluss an die Wirtschaft fördern, um damit Wachstum zu generieren.

Banco Central do Brasil senkt Leitzins auf Rekordtief

Brasiliens Zentralbank hat angesichts der schnellen Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie in den bevölkerungsstarken Metropolen den Leitzins, wie von Analysten erwartet, um 75 Basispunkte auf ein Rekordtief von +2.25% gelockert. Brasilien weist nach den USA weltweit die meisten Infektionen und Todesfälle auf. Jüngst wurden innert 24 Stunden mehr als 32 000 neue Infektionsfälle bestätigt und 1269 weitere Covid-19 Todesfälle bekannt gegeben, womit sich die Zahl der Todesopfer auf 46 510 erhöhte. Die Weltbank geht in der aktuellen Konjunkturprognose davon aus, dass die Wirtschaftsleistung der grössten Volkswirtschaft Südamerikas im laufenden Jahr um -8% einbrechen wird.

US-Wirtschaft auf Erholungspfad

Auch die gestern veröffentlichten Konjunkturdaten deuten auf eine langsame Erholung der Wirtschaft vom Corona-Schock hin. So stieg der Sammelindex der Frühindikatoren im Mai um +2.8% (Konsens +2.6%) und das Geschäftsklimabarometer der Fed von Philadelphia erholte sich im Juni deutlich stärker als erwartet von dem vorherigen Einbruch. Gegenüber dem Vormonat legte der Philly-Fed-Index um 70.6 auf plus 27.5 Punkte (Konsens -21.4) zu und erreichte damit wieder den höchsten Stand seit Februar. Ein Wert über null Zählern signalisiert einen Anstieg der Wirtschaftsaktivität. Zäher ist die Krise hingegen am Arbeitsmarkt und es stellt sich die Frage wie viele der verloren gegangenen Jobs nur temporär gestrichen wurden und in der Erholung effektiv wiederbesetzt werden. Die gestern publizierten Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe zeigen, dass in der letzten Woche weitere rund 1.5 Mio. Amerikaner ihre Arbeitsstelle verloren haben. Zum Höhepunkt der Pandemie Ende März stellten in einer Woche knapp 7 Mio. Personen einen erstmaligen Antrag auf Arbeitslosengeld. Der Trend scheint also zu stimmen, jedoch ist die Erholung langsamer als viele optimistisch gestimmten Investoren hoffen.

Wirtschaftskalender 19. Juni
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:00DEErzeugerpreise (J/J)-1.9%
Unternehmenskalender 19. Juni
LandUnternehmenPeriode
USAOracleQ4

 

Quelle: BondWorld.ch