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LGT Navigator: OECD rechnet mit rekordhoher Staatsverschuldung wegen Corona-Pandemie

LGT Navigator: Die chinesische Regierung wehrt sich gegen Vorwürfe aus den USA. In der EU bahnt sich derweil ein neuer Streit über die Finanzierung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie an: …

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Vier kleinere EU-Staaten stellen sich gegen die Pläne von Deutschland und Frankreich. Die OECD warnt vor rekordhoher Staatsverschuldung.

Die asiatischen Börsen zeigen sich zum Wochenstart uneinheitlich. In Tokio legt der Nikkei 1.5% zu. Die Regierung erwägt ein neues Konjunkturpaket im Umfang von USD 1 Bio. und plant, den Ausnahmezustand für die japanische Hauptstadt aufzuheben. In Hong Kong verliert der Hang Seng Index 0.8%. Die amerikanischen Börsen bleiben am heutigen Montag wegen eines Feiertags (Memorial Day) geschlossen.

Die Staatsschulden der reichsten Nationen dürften wegen der Corona-Pandemie einen neuen Rekordwert erreichen. So schätzt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dass die OECD-Länder bis Jahresende USD 17 Bio. an zusätzlichen Schulden anhäufen werden. Gemessen am Bruttoinlandprodukt entspricht das einer durchschnittlichen Verschuldung von 137%, aktuell liegt die Schuldenquote bei 109%. Nicht nur die umfangreichen Konjunkturmassnahmen reissen ein Loch in die Staatskassen. Noch schwerer dürften die Steuerausfälle wiegen: In einer schweren Rezession würden die Steuereinnahmen meist stärker einbrechen als die Wirtschaftsaktivität, hält die OECD fest.

China weist Vorwürfe zurück

Der Umgangston zwischen den USA und China ist in den vergangenen Tagen rauer geworden. So warnte der chinesische Aussenminister Wang Yi am Sonntag vor einem «neuen Kalten Krieg» mit den USA. Die Liste der «Lügen und Verschwörungstheorien» in den USA gegen China würde immer länger, erklärte er an einer Pressekonferenz im Rahmen des Volkskongresses in Peking. Wang Li wies Vorwürfe zurück, China habe den Krankheitsausbruch vertuscht und damit die weltweite Verbreitung des Virus begünstigt. Vor dem Wochenende hatte sich bereits der chinesische Premierminister Li Keqiang zu den Beziehungen mit den USA geäussert und betont, China sei bestrebt, den Phase-1-Deal voranzutreiben. Washington und Peking haben sich im Januar auf das Handelsabkommen geeinigt, mit dem Ziel, ihren Handelsstreit zu entschärfen. Im Zuge der Coronakrise hat Trump allerdings verlauten lassen, der Deal habe für ihn keine Priorität mehr.

Auch im eigenen Land hat Chinas Zentralregierung mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Sie hat daher darauf verzichtet, ein Wachstumsziel für 2020 zu beschliessen – es ist das erste Mal seit dreissig Jahren, dass die Regierung von dieser Praxis abweicht. Peking begründete den Entscheid mit der grossen wirtschaftlichen Unsicherheit. Im ersten Quartal ist Chinas Wirtschaftsleistung erstmals seit vier Jahrzehnten gesunken und gegenüber der Vorjahresperiode 6,8% geschrumpft. Durch neue Schulden sollen die Folgen der Coronakrise nun eingedämmt werden. So will die Regierung unter anderem Staatsanleihen emittieren und die Ausgaben für Infrastrukturprogramme erhöhen.

In der EU bahnt sich neuer Streit an

Gegen den Wiederaufbauplan (Recovery Fund), den die deutsche und französische Regierung vorgeschlagen haben, formiert sich Widerstand. Vier kleinere EU-Mitglieder – Österreich, Schweden, Dänemark und die Niederlande – haben sich dagegen ausgesprochen, Staaten in der Corona-Krise mit Zuschüssen zu unterstützen. Zwar wollen auch sie finanzielle Hilfe zur Verfügung stellen, allerdings soll das über günstige Kredite geschehen, die wieder zurückgezahlt werden müssen. Die «sparsamen Vier», wie sie sich selbst nennen, haben zudem erklärt, dass sie einer Vergemeinschaftung von Schulden und einer Erhöhung des EU-Budgets nicht zustimmen werden.

Damit sind die Erfolgsaussichten für das Konzept der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron geschrumpft. Sie wollen einen Hilfsfonds im Umfang von EUR 500 Mrd. lancieren, um Staaten und Branchen, die besonders unter den Folgen der Pandemie leiden, unter die Arme zu greifen. Dem Plan müssen aber alle 27 EU-Staaten zustimmen. Italien hat den Gegenvorschlag der sparsamen Vier bereits als unangemessen zurückgewiesen.

Bank of Japan unterstützt Unternehmen

Die Bank of Japan (BoJ) hat die Finanzhilfe für die Wirtschaft aufgestockt. Damit kleine und mittlere Unternehmen mit zinsfreien Krediten versorgen können, will die Zentralbank den Geschäftsbanken das dafür erforderliche Geld ebenfalls zinslos leihen. Das Programm zur Unterstützung von Unternehmen wächst damit auf Yen 75 Bio. (rund USD 700 Mrd.). Die BoJ hat zudem die Zukäufe von Anleihen grosser Unternehmen erhöht und plant, die Investitionen in Aktienfonds zu verdoppeln, um den Aktienmarkt zu stützen.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) könnte die Notmassnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie bald ausweiten. Das geht aus dem Sitzungsprotokoll zum letzten Zinsentscheid hervor. Abhängig von den Wirtschaftsdaten könnte die Zentralbank das Anleihenkaufprogramm (Pandemic Emergency Purchase Programme, PEPP), das sich derzeit auf EUR 750 Mrd. beläuft, bereits am 4. Juni ausdehnen. Dann treffen sich die europäischen Währungshüter, um über die weitere Geldpolitik zu beraten.

Wirtschaftskalender 26. Mai
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:00DEGfK Konsumklima Deutschland-23.4
08:30CHBFS: Beschäftigungsgrad (Q1)5.13 Mio.
15:00USAS&P/ Case-Shiller-Hauspreisindex3.5%
16:00USAVerbrauchervertrauen86.9
16:00USAVerkauf neuer Häuser627’000
Unternehmenskalender 26. Mai
LandUnternehmenPeriode
CHAryzta Trading UpdateQ1

Quelle: BondWorld.ch