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LGT Navigator: Spannungen zwischen USA und China verunsichern Börsen

LGT Navigator: Der wegen der Corona-Krise wieder aufgebrochene Zwist zwischen den USA und China sowie weitere schlechte Nachrichten aus der US-Wirtschaft belasten die Börsenstimmung …

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So registrierte der US-Einzelhandel angesichts des pandemie-bedingten «Lockdowns» einen Rekordumsatzeinbruch. Zudem unterstrich Fed-Chef Powell, dass eine vollständige Erholung der US-Wirtschaft womöglich erst garantiert sei, wenn es einen Covid-19-Impfstoff gebe.

Nachdem US-Präsident Donald Trump China mehrfach vorgeworfen hat, für die Coronavirus-Pandemie verantwortlich zu sein und auch im Streit über den Einfluss des chinesischen Netzwerkausrüsters Huawei nachlegte, sind die Beziehungen zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften wieder auf einen Tiefpunkt gesunken. Am Freitag hatte das US-Handelsministerium angekündigt, dass Chiphersteller keine Halbleiter an den chinesischen Smartphonehersteller liefern dürfen, sofern diese auf Software und Technologie aus den USA beruhten.

Nach Ansicht von US-Notenbankchef Jerome Powell könnte es einen Impfstoff gegen das Coronavirus benötigen, bevor sich die US-Wirtschaft voll und ganz erholen kann. Allerdings könnte dies bis Ende 2021 dauern. Powell hatte bereits zuvor vor einer lang anhaltenden Wirtschaftskrise gewarnt.

US-Arbeitslosenrate könnte bereit deutlich höher liegen

Nach Einschätzung von Neel Kashkari, Präsident der Notenbank (Fed) in Minneapolis könnte die Arbeitslosenquote in den USA nicht wie offiziell genannt bei 14.7%, sondern bereits im Bereich von rund 25% liegen. Kashkari geht davon aus, dass sich wegen des «Lockdowns» viele Amerikaner gar nicht bei den Behörden als arbeitslos gemeldet haben und deshalb nicht in der offiziellen Statistik auftauchen. Selbst das Arbeitsministerium hatte eingeräumt, dass die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen um etwa 7.5 Mio. höher sein könnte. Aufgrund dieser Annahme sieht der ranghohe Notenbanker auch eine V-förmige Wirtschaftserholung als unrealistisch an. Auch Fed-Chef Jerome Powell hatte sich in der vergangenen Woche bereits wenig optimistisch geäussert und vor einer länger andauernden Phase mit niedrigem Wachstum und stagnierenden Einkommen gewarnt.

Japan in der Rezession

Die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt ist aufgrund der Corona-Krise erstmals seit viereinhalb Jahren in eine Rezession gerutscht. Das Bruttoinlandsprodukt ist im Q1 gegenüber dem Vorjahr mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von -3.4% geschrumpft. Hintergrund waren vor allem ein schwacher Privatkonsum und geringere Investitionen. Ökonomen hatten jedoch mit einem noch deutlicheren Einbruch von -4.6% gerechnet. Bereits im Schlussquartal 2019 war Japans Wirtschaft annualisiert um -7.3% eingebrochen.

Corona-Krise trifft Euro-Wirtschaft bereits im ersten Quartal heftig

Wie zu erwarten haben die Folgen der Pandemie der europäischen Wirtschaft einen heftigen Dämpfer versetzt. So ist die Wirtschaftsleistung der Eurostaaten im ersten Quartal -3.8% geschrumpft (gegenüber dem Vorquartal) – das ist der deutlichste Rückgang seit Beginn der Datenerhebung 1995. Den stärksten Einbruch verzeichnete Frankreich (-5.8%), etwas besser hat sich die deutsche Volkswirtschaft geschlagen (-2.2%). Die Talsohle dürfte damit aber noch nicht erreicht sein: Marktbeobachter gehen davon aus, dass sich die Konjunkturflaute im zweiten Quartal verschärfen wird. Das deckt sich mit der Einschätzung der deutschen Regierung, die für 2020 die schwerste Rezession der Nachkriegszeit prognostiziert.

US-Konsumenten ist Kauflaune vergangen

Miese Stimmung herrscht auch auf der anderen Seite des Atlantiks, wo den amerikanischen Konsumenten die Kauflaune vergangen ist. Im April haben sie ihre Ausgaben noch einmal gedrosselt und dem Einzelhandel einen Umsatzeinbruch von 16.4% gegenüber März beschert. Dabei handelt es sich ebenfalls um das grösste Minus seit Messbeginn. Der Konsumverzicht ist teilweise erzwungen, weil Restaurants und Detailhändler vorübergehend schliessen mussten. Aber zugleich haben Millionen Amerikaner ihren Job verloren und stehen damit vor einer unsicheren Zukunft. Die grosse Frage wird daher sein, ob und wie schnell die Konsumlust zurückkehrt, wenn die Geschäfte wieder öffnen. Die USA sind massgeblich auf eine kauffreudige Bevölkerung angewiesen, denn der private Konsum trägt rund zwei Drittel zur Wirtschaftsleistung bei. Immerhin hat sich aber zumindest den neusten Umfrageergebnissen der Universität Michigan die Konsumentenstimmung im Mai wieder etwas aufgehellt. Das Verbraucherstimmungsbarometer kletterte von 71.8 Punkten im Vormonat auf 73.7 Zähler. Analysten hatten hingegen angesichts der dramatischen Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage mit einem weiteren Einbruch auf 65 Punkte gerechnet. Für die wieder leicht optimistischere Einschätzung der Privathaushalte könnten die Aussicht auf baldige Lockerungen der Pandemiemassnahmen sowie die gesprochenen staatlichen Hilfen gesorgt haben.

New Yorker Industriebarometer erholt sich etwas

Im April war der Konjunkturindikator der New Yorker Fed, der sogenannte Empire State-Index, vor dem Hintergrund der Corona-Krise auf ein Rekordtief von minus 78.2 Punkten abgestürzt. Im Mai scheint sich die Stimmung unter den Industrieunternehmen im Grossraum New York wieder leicht aufgehellt zu haben und das Barometer kletterte auf minus 48.5 Zähler. Dennoch signalisiert der Indikator weiterhin einen starken Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität. Auf nationaler Ebene brach die Industrieproduktion in den USA im April aber um -11.2% gegenüber dem Vormonat ein – der grösste monatliche Rückgang in der rund 100-jährigen Datenserie.

Wirtschaftskalender 18. Mai
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Unternehmenskalender 18. Mai
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Quelle: BondWorld.ch