LGT

LGT Navigator: Ungewissheit dominiert zum Jahresende

LGT Navigator: US-Präsident Donald Trump verlangt Nachbesserungen am Corona-Hilfspaket, damit droht sich der Prozess erneut zu verzögern.

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


LGT Navigator


London und Brüssel ringen weiterhin um ein Handelsabkommen. Die EU-Kommission fordert die EU-Staaten derweil auf, auf pauschale Reiseverbote von und nach Grossbritannien zu verzichten.

Die Verabschiedung des mühsam ausgehandelten US-Konjunkturpakets stösst unerwartet auf Widerstand und zwar bei Donald Trump. Der amtierende Präsident muss das Paket noch absegnen, bevor es in Kraft treten kann, dabei handelte es sich vermeintlich um eine Formalie. Doch jetzt verlangt Trump Nachbesserungen am Massnahmenbündel, das am Dienstag mit grosser Mehrheit im US-Parlament beschlossen worden ist. Wegen der bevorstehenden Festtage droht sich der Prozess nun abermals zu verzögern. Dies, nachdem Ökonomen bereits kritisiert haben, dass das neue Hilfspaket zu spät kommt und nicht ausreichen wird.

Die asiatischen Börsen sind mit Gewinnen in den neuen Handelstag gestartet. In Tokio gewinnt der Nikkei +0.3%. Der Shanghai Composite und der Hang Seng Index legen jeweils +0.5% zu. Am Vortag zeigten die amerikanischen Börsen ein gemischtes Bild. Der S&P 500 (-0.2%) und der Dow Jones Industrial (-0.7%) mussten Federn lassen, während der Technologieindex Nasdaq Composite +0.5% fester schloss.

Grossbritannien ringt um Grenzöffnungen

Die EU-Kommission hat die EU-Staaten aufgerufen, keine pauschalen Reiseverbote von und nach Grossbritannien zu verhängen. Zwar sei es wichtig, Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen, um die Ausbreitung des mutierten Virus einzudämmen. Doch dürfe der Warenverkehr nicht unterbrochen werden und die Menschen müssten die Möglichkeit haben, nach Hause zurückzukehren. Zahlreiche Staaten haben diese Woche den Reise- und Frachtverkehr mit Grossbritannien eingestellt aus Furcht, die Virusmutation einzuschleppen, die deutlich ansteckender sein soll als die bisherige Form. Eine deutliche Rüge richtete die EU-Kommission an die französische Regierung, die die Grenzen nicht nur für Reisende geschlossen, sondern auch den Warenverkehr gestoppt hatte. Damit ist die wichtigste Verbindung zwischen dem Königreich und Kontinentaleuropa unterbrochen. London und Paris haben am Dienstag über die Aufhebung der Sperre verhandelt und sollen sich auf Lockerungen geeinigt haben.

Verfahren bleibt die Situation an der Brexit-Front. Die Fischereirechte wurden am Dienstag auf höchster Ebene diskutiert, nämlich zwischen dem britischen Premier Boris Johnson und der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, wie die Financial Times meldete. Ein Erfolg ist bisher ausgeblieben. Damit bleiben noch neun Tage, bis die Übergangsfrist endet und Grossbritannien aus der EU austreten wird – bislang ohne Handelsabkommen.

Finanzspritzen kurbeln US-Wirtschaftserholung an

Die Corona-Hilfspakete in den USA zeigen Wirkung: Die amerikanische Wirtschaft ist im dritten Quartal um 33.4% (annualisiert) gewachsen, teilte das Wirtschaftsministerium am Dienstag mit. Es hatte bislang mit einem Plus von 33.1% gerechnet. Die Erholung folgt auf einen Konjunktureinbruch von -31.4% im Sommer. Dabei handelte es sich um den schärfsten Rückgang seit 1947, dem Beginn der Datenerhebung. Als Reaktion auf die Pandemie haben die USA im Jahresverlauf Finanzhilfen im Volumen von mehr als USD 3 Bio. beschlossen. Ein Paket im Umfang von USD 900 Mrd. hat das Parlament diese Woche beschlossen, allerdings fehlt noch die Unterschrift von Trump. Dennoch erwarten Ökonomen, dass die Erholung im letzten Quartal an Schwung verlieren dürfte. So sind die Corona-Infektionszahlen jüngst wieder gestiegen und manche Bundesstaaten haben die Schutzmassnahmen verschärft, und die Erstanträge für Arbeitslosenhilfe sind zuletzt auf ein Dreimonatshoch geklettert. Die Unsicherheit dämpft die Konsumlaune der Amerikaner: Die Verbraucherstimmung ist im Dezember überraschend gesunken und so schlecht wie zuletzt im August.

Konjunktureinbruch in Grossbritannien erwartet

Die britische Wirtschaft hat sich im dritten Quartal stärker als erwartet vom Corona-Schock im Frühling erholt. Das Bruttoinlandprodukt ist von Juli bis September im Vergleich zum Vorquartal um 16% gestiegen, wie das Statistikamt in London mitteilte. Trotz der Aufholjagd liegt die Wirtschaftsleitung aber immer noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau. Im Schlussquartal dürfte sich die Situation erneut verschlechtern. Die Schutzmassnahmen, die im November verschärft wurden, beeinträchtigen insbesondere den Dienstleistungssektor, der in Grossbritannien rund 80% der Wirtschaftsleitung ausmacht. Zudem spitzt sich die Pandemie mit der Verbreitung der Virusmutation nun noch einmal zu. Für das Gesamtjahr erwarten die Ökonomen einen Konjunktureinbruch von 11%.

Konsumlaune in Deutschland trübt sich ein

Die Coronakrise dämpft die Kauflaune der deutschen Konsumenten. So meldet das Marktforschungsinstitute GfK, dass das Konsumklima für Januar so schlecht ausfällt wie zuletzt vor sechs Monaten und das Barometer um 0.5 Punkte auf -7.3 Punkte gefallen ist. Allerdings hatten Analysten mit einem noch stärkeren Rückgang auf -8.8 Zähler gerechnet. Zwar hätten sich die Konjunkturerwartungen der Befragten aufgehellt, meldet das GfK-Institut, doch befürchteten sie Einschnitte beim Einkommen. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, dass zahlreiche Geschäfte wegen des Lockdowns schliessen mussten und daher in den kommenden Wochen mit einer Zunahme der Kurzarbeit zu rechnen ist.

Wirtschaftskalender 23. Dezember

MEZ Land Indikator Letzte Periode
06:00 JP Kerninflation (J/J) -0.7%
14:30 USA Persönliche Ausgaben (November) +0.5%
16:00 USA Michigan Konsumklimaindex (Dezember) 81.4
16:00 USA Verkauf neuer Häuser (November, M/M) -0.3%

Unternehmenskalender 15. Januar 2021

Land Unternehmen Periode
USA JPMorgan Chase Q4
USA Citigroup  Q4
USA Goldman Sachs  Q4
USA Alcoa Q4

 

Quelle: BondWorld.ch