LGT

LGT Navigator: US-Notenbank schaltet wegen Coronavirus in Krisenmodus

LGT Navigator: Die amerikanische Zentralbank (Fed) senkte gestern in einem überraschenden Schritt ihren Leitzins um 50 Basispunkte auf 1.00-1.25%, um damit vorsorglich die Wirtschaft vor den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie,………

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


LGT Navigator


respektive einer potenziellen Rezession, zu schützen. Der Zinsschritt kam für die Finanzmärkte, zumindest was das Timing anbelangt, völlig überraschend, und die Reaktion an der New Yorker Börse legt den Schluss nahe, dass die Anleger den Entscheid der Fed mit einer äusserst pessimistischen Einschätzung der Notenbank in Verbindung bringen. Gleichzeitig setzten sich bei der Vorwahl der Demokraten in den USA am «Super Tuesday» Joe Biden und Bernie Sanders an die Spitze.

US-Notenbank im Krisenmodus

Fed-Chef Jerome Powell begründete den überraschenden und anscheinend nicht mit anderen Zentralbanken koordinierten Zinsschritt mit der potenziellen Gefahr der Coronavirus-Pandemie für die Weltwirtschaft angesichts unterbrochener Lieferketten und einem befürchteten Einbruch des Konsums. Eigentlich hatten die Kapitalmärkte bereits fest mit einer Zinslockerung der Fed gerechnet, jedoch erst am regulären Treffen am 18. März. Dass der Zinsschritt nun vorgezogen wurde, wirkt wie ein Alarmsignal. Ist die Fed in Panik geraten oder beurteilt sie die Situation rund um die Pandemie derart pessimistisch? Jedenfalls ist es Notenbankchef Powell gestern sichtlich nicht gelungen, die Gemüter zu beruhigen, und so hat die Fed eher noch zur Verunsicherung an den Finanzmärkten beigetragen. Erstaunt hat auch, dass die Aktion der amerikanischen Zentralbank nicht in Koordination mit den anderen grossen Notenbanken der G7 erfolgte, was wiederum die Europäische Zentralbank (EZB) oder auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) unter Zugzwang setzt. Ein weiterer heikler Punkt der gestrigen Zinslockerung ist die Tatsache, dass sie prompt auf eine neuerliche Aufforderung von US-Präsident Donald Trump folgte und somit die Gefahr birgt, die Unabhängigkeit der Fed in Frage zu stellen.

Die Reaktion an der Wall Street war gekennzeichnet von anfänglicher Richtungslosigkeit und mit einem erstaunlichen Einbruch zum Schluss des Börsentages. Der Dow Jones Industrial, der breit gefasste S&P 500 sowie die Technologiebörse Nasdaq schlossen allesamt knapp -3% tiefer – dies nach einer eindrücklichen Erholung am Vortag von rund 5%. Die zehnjährige US-Treasuries-Rendite, die nach der Fed-Lockerung erstmals unter 1% abgerutscht war, stand am Morgen weiter unter moderatem Druck. Gold legte nach seinem Preissprung vom Vortag zuletzt eine Atempause ein, während die Asienbörsen kein einheitliches Bild abgaben.

«Super Tuesday» – Joe Biden vs. Bernie Sanders

Am sogenannten «Super-Dienstag» bei den Vorwahlen der US-Demokraten scheint Joe Biden ein eindrückliches Comeback gelungen zu sein. So hat der ehemalige Vizepräsident letzten Hochrechnungen zufolge in acht von 14 Bundesstaaten die meisten Stimmen geholt. Gefolgt von Bernie Sanders, der aber mit Kalifornien einen entscheidenden Staat geholt hat. Insgesamt werden am «Super Tuesday» bei den Demokraten mehr als 1 300 Delegierte gewählt – ein Drittel aller Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im Juli. Die meisten kommen dabei aus Kalifornien (415), gefolgt von Texas (228). Um sich die Nominierung zu sichern, benötigt der Sieger schlussendlich mindestens 1 991 Delegiertenstimmen.

Ifo sieht angesichts des Coronavirus eine deutlich erhöhte Rezessionsgefahr

Das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo hält eine Rezession in Deutschland wegen der Coronavirus-Pandemie für möglich. Es gebe angesichts unterbrochener Lieferketten und sinkender Nachfrage etwa in der Reisebranche ein deutlich erhöhtes Rezessionsrisiko. Nach Einschätzung von Ifo-Chef Clemens Fuest wären aber Steuersenkungen oder ein Investitionsprogramm der Regierung nicht die geeignete Antwort. Vielmehr sollte die Regierung gesunde Unternehmen mit Kurzarbeit und gegebenenfalls mit Notkrediten unterstützen.

Geringerer Inflationsdruck im Euroraum

Die Teuerung der Verbraucherpreise in der Eurozone hat sich gemäss einer ersten Schätzung der europäischen Statistikbehörde Eurostat von +1.4% im Januar auf +1.2% im Februar abgeschwächt. Die Inflationsrate entfernt sich damit weiter von der von der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp 2%. Währenddessen verharrt die Arbeitslosigkeit im Euroraum mit 7.4% auf dem niedrigsten Niveau seit Mai 2008. Die niedrigste Erwerbslosenquote notierte in der EU Tschechien mit 2%. Die höchste Arbeitslosigkeit gibt es in Griechenland (16.5%) und Spanien (13.7%).

Wirtschaftskalender 4. März
MEZLandIndikatorLetzte Periode
0915SPMarkit Einkaufsmanagerindex Composite51.5
09:45ITMarkit Einkaufsmanagerindex Composite50.4
09:50FRMarkit Einkaufsmanagerindex Composite51.9
09:55DEMarkit Einkaufsmanagerindex Composite51.1
10:00EZMarkit Einkaufsmanagerindex Composite51.6
10:00ITBIP Q4 (Q/Q)-0.3%
10:30GBMarkit Einkaufsmanagerindex Composite53.3
11:00EZDetailhandelsumsätze (J/J)+1.3%
14:15USADP-Beschäftigungswachstum+291’000
15:45USMarkit Einkaufsmanagerindex Composite49.6
16:00USISM Einkaufsmanagerindex Dienstleister55.5
Unternehmenskalender 4. März
LandUnternehmenPeriode
CHKaba HoldingH1
CHHelvetia HoldingJ19
CHBucher IndustriesJ19

Quelle: BondWorld.ch