LGT

LGT Navigator: US-Techgiganten können fragile Börsenstimmung nicht stabilisieren

LGT Navigator: Nach den heftigen Einbrüchen in dieser Woche bleibt die Stimmung an den Börsen fragil. In Europa drückte die Besorgnis vor den wirtschaftlichen Folgen der sich verschärfenden Corona-Krise den EuroStoxx 50 zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Ende Mai

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


LGT Navigator


Während sich in New York die Kurse stabilisierten, setzte sich die Talfahrt an den asiatischen Aktienmärkten zum Wochenschluss fort, nachdem die mit Spannung erwarteten Quartalsergebnisse der grossen US-Technologiefirmen wie Apple, Amazon & Co die Anleger scheinbar nicht vollends überzeugen konnten.

In Asien notieren die Aktienindizes am Freitag mehrheitlich Verluste. Auf die Stimmung drückten einerseits die nicht vollends überzeugenden Ergebnisse der US-Tech-Giganten wie Apple, Alphabet, Amazon, Facebook oder Twitter und andererseits die immer schneller steigenden Covid-19-Fallzahlen in Europa und den USA sowie der ungewisse Wahlausgang in den USA. In Tokio verzeichnet der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ein Minus von rund -2% und auch in Hongkong rutscht der Hang Seng-Index im gleichen Ausmass ab. Tags zuvor hatte sich an der Wall Street dank des starken Wachstums der US-Wirtschaft im Q3 noch eine Stabilisierung abgezeichnet. Der Dow Jones Industrial schloss +0.52% höher bei 26 659.11 Punkten und der S&P 500 erholte sich um +1.19% auf 3 310.11 Zähler. Der Nasdaq 100 legte im Vorfeld der Quartalszahlen von Apple & Co um +1.87% auf 11 350.74 Punkte zu. Die beiden grossen Unsicherheitsfaktoren Pandemie und Wahlen bestimmen aber weiterhin das Geschehen. Am Donnerstag registrierten die USA mit 91 000 Neuansteckungen so viele neue Corona-Infektionen pro Tag wie noch nie.

Die Futures-Märkte deuten für die Börseneröffnung in Europa einen anhaltenden Abwärtstrend an. Im Zentrum stehen u.a. die Zahlen zur Wirtschaftsentwicklung im dritten Quartal der grossen Euroländer. Für den Euroraum rechnen Ökonomen nach dem Einbruch von -11.8% im Q2 mit einem BIP-Anstieg im Q3 von +9.6% zum Vorquartal.

Erholung der US-Wirtschaft im Q3 nur ein trügerischer Blick in den Rückspiegel

Die US-Wirtschaft ist nach dem Konjunktureinbruch im Frühling im dritten Quartal wieder kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs einer ersten Schätzung zufolge mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von +33.1% (nach europäischer Sichtweise um +7.4% gegenüber dem Vorquartal). Die erwartete Erholung der amerikanischen Wirtschaft im dritten Quartal war aber angesichts der negativen Entwicklung der Pandemie nur ein trügerischer Blick in den Rückspiegel. Gleichzeitig wurde gemeldet, dass die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenversicherung in der Woche zum 24. Oktober deutlich zurückgegangen ist. Im Vergleich zur Vorwoche wurden 40 000 weniger Anträge gemeldet, nämlich 751 000. Analysten hatten mit einem Rückgang auf 778 000 gerechnet. Der gleitende Vierwochendurchschnitt sank gegenüber der Vorwoche um 24 500 auf 787 750. In der Woche zum 17. Oktober erhielten damit insgesamt 7.756 Mio. Amerikaner Arbeitslosenunterstützung – ein Rückgang gegenüber der Vorwoche um 709 000.

EZB bleibt in höchster Alarmbereitschaft und bereitet weitere Lockerungen vor

Die Europäische Zentralbank (EZB) beliess wie erwartet ihren Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von null Prozent, bleibt aber angesichts der angespannten Pandemielage in Europa in höchster Alarmbereitschaft, d.h. die EZB hält sich weitere Notfallmassnahmen offen. EZB-Chefin Christine Lagarde stellte für die geldpolitische Sitzung im Dezember weitere Massnahmen in Aussicht. Die Notenbank arbeite bereits jetzt an einer Neuausrichtung der Geldpolitik. Überprüft werde das komplette Instrumentarium der EZB, so Lagarde. Bis dahin würden die neuen Wirtschaftsprognosen eine genauere Einschätzung der Konjunkturlage und der Aussichten ermöglichen. An den Kapitalmärkten wird mit einer Ausweitung des Corona-Kaufprogramms PEPP um rund eine EUR 500 Mrd. und eine Verlängerung der Laufzeit von Mitte 2021 bis Ende 2021 gerechnet. Aktuell beläuft sich das Volumen auf EUR 1.35 Billionen.

Unterdessen signalisiert der von der EU-Kommission erstellte Sammelindex zur Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung, dass die Erholung vom Corona-Schock im Frühling angesichts der zweiten Pandemiewelle signifikant an Dynamik verloren hat. Der Indikator blieb im Oktober mit 90.0 Punkten unverändert. Während sich die Stimmung der Konsumenten und Dienstleistungsunternehmen durch die Corona-Massnahmen eintrübt, hält die Erholung in der Industrie, im Detailhandel und im Baugewerbe noch an.

Japans Notenbank hält an ihrem Kurs fest

Die Bank of Japan beliess ihre extrem lockere Geldpolitik ebenfalls unverändert, um die drittgrösste Volkswirtschaft durch die Corona-Krise zu führen. Nach Einschätzung der Zentralbank wird die Wirtschaftsleistung Japans im laufenden Fiskaljahr (bis März 2021) angesichts der Pandemie etwas stärker zurückgehen als bisher erwartet. Prognostiziert wird ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um -5.5%, anstatt der bisher veranschlagten -4.7%.

Brasilianische Notenbank hält Leitzins auf Rekordtief

Die Banco do Brasil beschloss einstimmig ihren Schlüsselzins auf rekordtiefen 2% zu belassen. Der Spielraum für weitere geldpolitische Lockerungen in der Corona-Krise sei nun extrem begrenzt. Brasilien wird von der Pandemie hart getroffen und weist nach den USA und Indien weltweit die meisten Covid-19-Infektionen und Todesfälle aus.

Wirtschaftskalender 30. Oktober
MEZLandIndikatorLetzte Periode
07:30FRBIP Q3 (Q/Q) -13.8%
08:00DEBIP Q3 (Q/Q)-9.7%
08:00DEGfK-Konsumklima (November)-1.6
08:45FRVerbraucherpreise (Oktober, J/J)0.0%
09:00CHKOF-Konjunkturbarometer (Oktober)113.8
09:00SPBIP Q3 (Q/Q)-17.8%
11:00EZBIP Q3 (Q/Q)-11.8%
11:00EZVerbraucherpreise (Oktober, J/J)-0.3%
11:00EZKern-Verbraucherpreise (Oktober, J/J)+0.2%
11:00EZArbeitslosenrate (September)8.1%
11:00ITVerbraucherpreise (Oktober, J/J)-1.0%
12:00ITBIP Q3 (Q/Q)-12.8%
13:30USAPersönliche Einkommen (September, M/M)-2.7%
13:30USAKonsumausgaben (September, M/M)+1.0%
13:30USAKern-PCE-(Inflations)-Index (September, J/J)+1.6%
15:00USAUni Michigan Konsumentenstimmung (Oktober)81.2

 

Unternehmenskalender 30. Oktober
LandUnternehmenPeriode
CHSwiss ReQ3
FRTotalQ3
NONovo NordiskQ3

 

Quelle: BondWorld.ch