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LGT Navigator: US-Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet

LGT Navigator: Die amerikanische Wirtschaft ist im ersten Quartal stärker geschrumpft als erwartet. Europas Börsen setzen ihren Aufwärtstrend vorerst fort, wobei der SMI erstmals seit Ende April die Marke von 9900 Punkten überwindet …

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Dem Schweizer Tourismus steht ein miserabler Sommer bevor.

US-Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet

Die europäischen Aktienmärkte haben ihren Aufwärtstrend in der zweiten Wochenhälfte vorerst fortgesetzt. In der Schweiz hat der SMI am Donnerstag +2.2% gewonnen und erstmals seit Ende April wieder über 9900 Punkten geschlossen. In Deutschland stieg der Dax +1.1% und näherte sich der Marke von 12’000 Punkten. Der EuroStoxx 50 avancierte +1.4%. Für gute Stimmung sorgte die Aussicht auf ein weiteres Hilfspaket. So will der französische Finanzminister Bruno Le Maire die Verhandlungen um den geplanten europäischen Wiederaufbaufonds (Recovery Fund) schnell vorantreiben. Er hoffe, es gebe bereits kommende Woche eine Einigung auf die Details, erklärte Le Maire. Das Fondsvolumen soll sich auf EUR 750 Mrd. belaufen, wobei zwei Drittel der Gelder, die verteilt werden sollen, nicht zurückbezahlt werden müssten. Alle EU-Mitglieder müssen dem Plan zustimmen, vier Staaten haben allerdings bereits Widerstand angekündigt.

Den Aktienmärkten in den USA und Asien ist hingegen die Luft ausgegangen. Die amerikanischen Börsen haben anfängliche Gewinne im Handelsverlauf am Donnerstag wieder preisgegeben, der S&P 500 schloss -0.2% schwächer. Auch in Tokio gibt der Leitindex Nikkei heute nach (-0.2%), ebenso wie der Hang Seng Index in Hong Kong (-0.6%).

Seit dem Jahrestief im März haben die Börsen weltweit kräftig aufgeholt, beflügelt von den massiven Geldspritzen von Regierungen und Zentralbanken. Doch trotz der jüngsten Erholung erwarten Marktstrategen, dass die Aktienmärkte auf das schlechteste Börsenjahr seit rund zehn Jahren zusteuern, wie eine Reuters-Umfrage ergeben hat. Die meisten Leitindizes dürften sich demnach so schlecht entwickeln wie zuletzt während der Finanzkrise 2008. Allerdings sind 70% der Experten der Meinung, dass das Tief vom März nicht mehr unterschritten wird.

US-Wirtschaft bricht ein

An der Konjunkturfront ist derweil keine Besserung in Sicht. Die US-Wirtschaftsleistung ist im ersten Quartal annualisiert um -5% geschrumpft, teilte das Wirtschaftsdepartement mit und revidierte damit eine erste Schätzung (-4.8%). Es handelt sich um den stärksten Rückgang seit der Rezession nach der Finanzkrise. Das Schlimmste dürfte damit noch nicht ausgestanden sein: Ökonomen erwarten, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal rund 30% einbrechen wird, gefolgt von -15% im dritten Quartal (jeweils annualisiert), wie eine Erhebung des Datendienstleisters FactSet verdeutlicht.

Binnen Wochenfrist haben zudem mehr als zwei Millionen Menschen neu Arbeitslosenhilfe beantragt. Seit dem 21. März summieren sich die Erstanträge auf rund 40 Millionen. Die Zahlen sind in den vergangenen Wochen zwar stetig gesunken, doch die Lage am US-Arbeitsmarkt bleibt dramatisch: Allein im April sind mehr als 20 Millionen Stellen verloren gegangen und haben dem amerikanischen Job-Boom ein jähes Ende gesetzt. Die Arbeitsmarktdaten für den Mai werden am 5. Juni veröffentlicht.

Flaute im Schweizer Tourismus

Auch die Schweizer Tourismusbranche muss sich auf einen miserablen Sommer einstellen, nachdem die Hotelbetten bereits in den vergangenen zwei Monaten leer geblieben sind. So prognostiziert die Konjunkturstelle der ETH Zürich (Kof) -37% weniger Logiernächte als im letzten Sommer. Zwar dürfte die Bevölkerung wegen der Reisebeschränkungen vermehrt Ferien innerhalb der Landesgrenzen machen, doch das könne das Ausbleiben ausländischer Gäste nicht kompensieren, hält die Kof fest. Insbesondere Städte sowie Hotels, die sich auf asiatische Reisende spezialisiert haben, müssen mit einem massiven Einbruch rechnen. Etwas besser dürften die Alpenregionen und das Tessin wegkommen. Eine schnelle Erholung zeichnet sich nicht ab: Die Kof erwartet, dass die Zahl der Übernachtungen erst 2022 wieder auf das Vorkrisenniveau steigen wird – eine Entlassungs- und Konkurswelle dürfte die Folge sein.

Das Wirtschaftsvertrauen im Euroraum hat sich im Mai etwas verbessert, allerdings verharrt der Index weit unter dem langjährigen Durchschnitt und hat sich nur geringfügig vom Absturz der Vormonate erholt. Im Ländervergleich zeigt sich ein gemischtes Bild: Während sich die Stimmung in Deutschland und den Niederlanden insgesamt verbessert hat, hat das Barometer in Frankreich ein neues Allzeittief erreicht. Marktbeobachter erwarten denn auch, dass die Wirtschaftsleistung im Euroraum im zweiten Quartal nochmal deutlich sinken wird, nachdem sie im ersten Quartal bereits -3.8% geschrumpft ist.

Wirtschaftskalender 29. Mai
MEZLandIndikatorLetzte Periode
08:00DEEinzelhandelsumsatz-5.6%
08:45FRBruttoinlandprodukt Q1 (Q/Q)-5.8%
09:00CHKof-Frühindikator63.5
11:00EZVerbraucherpreisindex (J/J)0.9%
14:30USPCE-Kernrate Preisindex (J/J)1.7%
14:30USPersönliche Ausgaben (M/M)-7.5%
15:45USChicago Einkaufsmanagerindex35.4
16:00USUni-Michigan Verbrauchervertrauen73.7

Quelle: BondWorld.ch