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LGT Navigator: USA im Würgegriff der Corona-Krise

LGT Navigator: Die schnelle Ausbreitung der Coronavirus-Pandemie und der teilweise «Lockdown» in den USA zeigt erste gravierende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt…………..

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Obwohl sich die Krise in der aktuellen März-Statistik noch nicht vollumfänglich niedergeschlagen haben dürfte, war der Stellenverlust doch massiver als befürchtet. An der Wall Street schlossen die Indizes daraufhin mit Verlusten. In Asien eröffneten die Börsen die neue Handelswoche jedoch zumeist mit moderaten Tagesgewinnen und die Futures-Märkte signalisieren eine freundliche Eröffnung in Europa.

USA im Würgegriff der Corona-Krise

Während sich die Corona-Pandemie vor allem in den USA weiter ausbreitet und immer schwerwiegendere Folgen für die Wirtschaft und das öffentliche Leben hat, sind in Europa auch Italien, Spanien oder Grossbritannien noch weit entfernt von einer Entspannung. Zumindest scheint es aber Anzeichen für eine Abflachung der Infektionskurve zu geben. Weltweit sind derzeit rund 1.25 Mio. Menschen mit COVID-19 infiziert und 69’483 Personen sind an der Lungenkrankheit gestorben.

Dramatischer Einbruch am US-Arbeitsmarkt

Besonders hart trifft es im Augenblick die USA. Dort schlägt die Corona-Krise und der teilweise «Lockdown» der weltgrössten Volkswirtschaft bereits in dramatischem Ausmass auf den Arbeitsmarkt durch. Wie der am Freitag publizierte US-Arbeitsmarktbericht zeigte, sind im letzten Monat 701 000 Arbeitsplätze der Corona-Krise zum Opfer gefallen ­ der erste monatliche Stellenverlust seit 2010. Analysten hatten im Schnitt mit dem Wegfall von «lediglich» 100 000 Jobs gerechnet. Die aktuellen Zahlen dürften jedoch bei weitem nicht das wirkliche Ausmass des dramatischen Einbruchs am amerikanischen Arbeitsmarkt vermitteln, da sich die Corona-Krise in den USA nach dem Stichtag 12. März nochmals deutlich zugespitzt hat. Einen eindeutigen Hinweis darauf gaben in den letzten zwei Wochen die Zahlen zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenunterstützung (Initial Jobless Claims), wonach rund 10 Mio. entlassene Arbeiter einen Antrag auf Arbeitslosengeld stellten. Die jeweils in einer separaten Umfrage ermittelte Arbeitslosenrate kletterte im März von 3.5% auf 4.4%.

Die düsteren Perspektiven am US-Arbeitsmarkt sorgten am Freitag an der New Yorker Börse für einen negativen Wochenschluss. Der Dow Jones Industrial schloss -1.7% tiefer und verlor aus Wochensicht -2.7%. In Asien notieren die meisten Indizes leicht im Plus, obwohl in Tokio heute wegen eines Feiertages nicht gehandelt wurde, und die Futures-Märkte deuten auf einen relativ freundlichen Wochenstart an Europas Börsen hin. Für verhaltenen Optimismus sorgte die Hoffnung auf eine leichte Verlangsamung der Coronavirus-Infektionskurve.

US-Dienstleistungsbarometer widerspiegelt Krise noch nicht in vollem Ausmass

Der Einkaufsmanager-Index des Branchenverbandes ISM (Institute for Supply Management) schwächte sich im März auf 52.5 von 57.3 Punkten ab und blieb damit vor dem Hintergrund der Corona-Krise und im Vergleich zu den europäischen Einkaufsmanagerumfragen erstaunlich stabil. Trotzdem ist das erreichte Niveau der schwächste Wert seit August 2016. Ökonomen waren von einem Einbruch auf 44.0 Zähler ausgegangen. Der «Lockdown» in wichtigen Metropolen wie New York dürfte aber im nächsten Monat sicherlich noch deutlichere Spuren hinterlassen.

Unternehmensstimmung in Europa am Boden

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Privatwirtschaft (Industrie- und Dienstleistungssektor zusammengefasst) in der Eurozone brach angesichts der Corona-Krise um knapp 22 Zähler auf ein Rekordtief von 29.7 Punkten ein und notiert damit sogar deutlich unter den während der globalen Finanzkrise beobachteten Tiefstwerten. Am stärksten von der Pandemie und den getroffenen Gegenmassnahmen betroffen ist gemäss dem Londoner Marktforschungsinstitut IHS Markit die Dienstleistungsbranche. Der entsprechende PMI brach um 26.2 auf das Rekordtief von 26.4 Zählern ein. Etwas stabiler präsentiert sich der Industriesektor, wo der Indikator mit 44.5 Punkten den tiefsten Stand seit siebeneinhalb Jahren aufwies. Die neusten Umfragewerte deuten laut IHS Markit-Chefökonom Chris Williamson auf einen Einbruch der Wirtschaftsleistung in der Eurozone von annähernd -10% hin.

Auch in Grossbritannien trifft die Corona-Krise die Wirtschaft mit voller Wucht. Am stärksten in Mitleidenschaft gezogen wird auch hier der Dienstleistungssektor. Der Einkaufsmanagerindex von IHS Markit fiel um 18.7 auf 34.5 Zähler und notiert damit auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Erhebung 1996.

Italien kann auf EU-Hilfe hoffen, jedoch unter unliebsamen ESM-Auflagen

Das durch die Corona-Krise auch finanziell an seine Grenzen stossende Italien scheint zwar mit dem Ruf nach «Corona-Bonds», also die gemeinsame Ausgabe von Euro-Anleihen, nicht gehört zu werden, kann aber zumindest auf milliardenschwere Hilfe aus dem europäischen Rettungsfonds ESM hoffen. Vor allem Deutschland drängt auf die Abstützung auf den während der Finanzkrise 2008/09 geschaffenen Stabilitätsmechanismus. Die EU brauche eine ambitionierte, koordinierte und effektive Antwort auf die Krise und der ESM-Rettungsschirm sei die richtige Antwort, meinte der deutsche Finanzminister Olaf Scholz. Der grosse Unterschied zu Corona-Bonds besteht darin, dass Italien damit an von der EU vorgegebene und konkrete Auflagen und Massnahmen gebunden ist. Morgen Dienstag wollen die Euro-Finanzminister per Video-Konferenz auch über dieses Thema sprechen.

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Quelle: BondWorld.ch