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LGT Navigator: Wiederauflammende geopolitische Spannungen belasten Börsenstimmung

LGT Navigator: Die Furcht vor einer neuerlichen Verschlechterung der Beziehungen zwischen Washington und Peking – aufgrund von Schuldzuweisungen in Bezug auf die Coronavirus-Pandemie …

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– sowie anhaltend schlechte US-Konjunkturdaten und Gewinnmitnahmen nach Quartalszahlen, beispielsweise von Amazon, sorgen für eine getrübte Börsenstimmung und Zurückhaltung bei den Anlegern.

Neue Spannungen zwischen USA und China

Die Angst vor einem Wiederaufflammen des Konflikts zwischen den USA und China belastete zum Ende der vergangenen Woche die Anlegerstimmung an der Wall Street. Der Dow Jones Industrial büsste -2.56% ein und der marktbreite S&P 500 sowie die Technologiebörse Nasdaq 100 schlossen gar -2.81%, respektive -3.14% tiefer. US-Präsident Donald Trump hatte mit Aussagen für Furore gesorgt. Seinen Erkenntnissen zufolge habe sich der Verdacht erhärtet, dass die Coronavirus-Pandemie ihren Ursprung in einem chinesischen Forschungslabor genommen habe. Damit widerspricht Trump wieder einmal seinen eigenen Geheimdiensten. Zudem warf Trump Chinas Regierung vor, zu spät über die Ausbreitung des Coronavirus informiert zu haben. Ende dieser Woche steht in den USA der Arbeitsmarktbericht für den Monat April an. Die Statistik dürfte nun eindrücklich das wirtschaftliche Ausmass der Corona-Krise widerspiegeln. Ökonomen gehen davon aus, dass die US-Arbeitslosenrate in der Folge der Krise in den Bereich zwischen 10% und 20% steigt und den höchsten Stand seit der «Grossen Depression» in den 1930er Jahren erreichen könnte.

In Asien folgten die Börsen den negativen Vorgaben aus den USA vom Freitag. In Tokio verliert der Nikkei 225-Index zum Wochenauftakt -2.84%, und der Hang Seng-Index in Hongkong notiert gar -3.84% im Minus. Die Futures-Märkte signalisieren dementsprechend einen negativen Wochenstart an Europas Aktienmärkten.

US-Wirtschaft im Griff der Corona-Krise

Der vom Branchenverband ISM (Institute for Supply Management) jeweils zu Monatsbeginn publizierte Einkaufsmanagerindex für den amerikanischen Industriebereich ist im April vor dem Hintergrund der Corona-Krise auf den tiefsten Stand seit April 2009 gefallen. Der ISM-Einkaufsmanagerindex schwächte sich von 49.1 auf 41.5 Punkte ab. Ökonomen waren jedoch von einem noch stärkeren Einbruch auf 36.0 Zähler ausgegangen. Besonders zu leiden haben die Industrieunternehmen nach wie vor durch unterbrochene Lieferketten. Der Indikator für die Lieferzeiten stieg auf den höchsten Stand seit 1974.

Neuste Arbeitsmarktdaten aus den USA verdeutlichen weiterhin das Ausmass der wirtschaftlichen Schäden durch den Pandemiebedingten «Lockdown». So verloren auch in der letzten Woche nochmals 3.8 Mio. Amerikaner ihren Job, womit sich die Zahl der gestellten Erstanträge auf Arbeitslosenversicherung in den letzten sechs Wochen auf rund 30 Mio. summiert. Wie empfindlich die US-Wirtschaft durch die Corona-Krise getroffen wird zeigen auch neuste Daten zu den Konsumausgaben. Demnach brachen die Ausgaben der amerikanischen Verbraucher bereits im März um -7.5% zum Vormonat ein. Im Schnitt hatten Volkswirte einen Rückgang um -5% vorausgesagt.

Fed weitet ihre Kredithilfen noch weiter aus

Um die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie einzudämmen, hat die US-Notenbank (Fed) ihre Kredithilfe im Rahmen des «Main Street Lending Program» für kleine und mittelständische Unternehmen ausgeweitet. Hierzu hat die Zentralbank den Mindestbetrag für Kredite von USD 1 Mio. auf USD 500 000 reduziert und die Bedingungen zum Erhalt der Kredite erleichtert.

EZB bereit weitere Massnahmen zu ergreifen

Die Europäische Zentralbank (EZB) beliess zwar wie erwartet ihre Leitzinsen unverändert auf einem Rekordtief, signalisierte aber Bereitschaft, ihre konjunkturstützenden Massnahmen noch weiter auszuweiten. Demzufolge könnte die EZB ihre Anleihenkäufen notfalls noch ausbauen, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise einzudämmen. Zudem kündigte die Zentralbank neue Liquiditätsspritzen für Banken an, um Liquiditätsengpässe in der Finanzbranche zu verhindern. EZB-Chefin Christine Lagarde meinte, dass die Wirtschaft in der Eurozone mit einem beispiellosen Einbruch in Bezug auf Umfang und Geschwindigkeit konfrontiert sei. Nach Einschätzung der EZB dürfte die Wirtschaft im Euroraum im laufenden Jahr voraussichtlich zwischen -5% und -12% schrumpfen.

Europas Wirtschaft stürzt in tiefroten Bereich

Die Wirtschaftsleistung in der Eurozone ist im ersten Quartal vor dem Hintergrund der Coronavirus-Pandemie und des wirtschaftlichen «Lockdowns» um -3.8% zum Vorquartal eingebrochen. Im Schlussquartal 2019 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch um +0.1% gestiegen. Auf Jahressicht schrumpfte das Euro-BIP im Q1 um -3.3% (Q4 +1.0%). Die BIP-Daten für Deutschland sind zwar in der ersten Schätzung von Eurostat enthalten, jedoch veröffentlicht das deutsche Statistikamt eine erste Schätzung erst am 15. Mai. Die französische Wirtschaft ist im Q1 so stark eingebrochen wie noch nie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das BIP schrumpfte im Zeitraum von Januar bis März um -5.8% gegenüber dem Vorquartal (Konsens -4.2%). Die Konsumausgaben gingen um rund -6% zurück und die Investitionen der Unternehmen sanken um -11.4%. Spaniens Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten des Jahres um -5.2% geschrumpft (Konsens -4.4%) – der stärkste Rückgang seit dem Start der Statistik 1995. Die Wirtschaft Italiens erlitt im Q1 einen rekordhohen Einbruch. Das drittgrösste BIP der Eurozone fiel im Vergleich zum Vorquartal um -4.7% (Konsens -5.0%). Das ist ebenfalls der stärkste Rückgang seit dem Beginn der Statistikserie im Jahr 1995.

Die Kerninflation im Euroraum sank im April unter die 1%-Marke. Die Kernteuerungsrate, ohne Berücksichtigung der vielfach volatilen Energie- und Lebensmittelpreise, ging von +1.0% im Vormonat auf +0.9% zurück. Der Rückgang war damit aber geringer als von Analysten mit +0.6% erwartet. Die jährliche Gesamtinflationsrate sank im April vor dem Hintergrund der Pandemie auf +0.4% von +0.7% im März.

Wirtschaftskalender 4. Mai
MEZLandIndikatorLetzte Periode
09:15SPMarkit Einkaufsmanagerindex Industrie45.7
09:45ITMarkti Einkaufsmanagerindex Industrie40.3
10:30EZSentix Konjunktureinschätzung Investoren-42.9
16:00USAAuftragseingang Industrie (M/M)0.0%
Unternehmenskalender 4. Mai
LandUnternehmenPeriode
CHAdeccoQ1
CHOC OerlikonQ1
DEBeiersdorfQ1
DEHugo BossQ1
FRBNP ParibasQ1
USAWalt DisneyQ2
USADuPontQ1

Quelle: BondWorld.ch