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LGT Navigator: Wirtschaftliche Hiobsbotschaften und enttäuschte kurzfristige Hoffnungen

LGT Navigator: Weitere Hiobsbotschaften vom US-Arbeitsmarkt, rekordtiefe Frühindikatoren in der Eurozone, gedämpfte Hoffnungen in Bezug auf eine schnelle Entwicklung eines Mittels………

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gegen COVID-19 sowie anhaltende Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Pandemie und der Situation am Rohölmarkt sorgen an den Aktienmärkten für Zurückhaltung. Am EU-Gipfel ringen derweil die Spitzen der Union um ein umfassendes Konjunkturpaket. Mit Spannung wird heute die Unternehmensumfrage des Ifo erwartet.

Wirtschaftliche Hiobsbotschaften und enttäuschte kurzfristige Hoffnungen

Die neusten Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt zeigten, dass auch in der vergangenen Woche erneut 4.43 Mio. Jobs der Corona-Krise zum Opfer gefallen sind. Damit beläuft sich der Stellenverlust, gemessen an den wöchentlich registrierten Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe innerhalb der letzten fünf Wochen auf rund 26 Mio. Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Situation auf dem US-Arbeitsmarkt auch in nächster Zeit noch verschlechtern wird. Die Entlassungswelle in Folge des Pandemie-bedingten «Lockdowns» dürfte die Arbeitslosenrate bald in die Bandbreite von 10-20% treiben.

Die «Financial Times» berichtete, dass das als Hoffnungsträger im Kampf gegen COVID-19 gepriesene Mittel «Remdesivir» des US-Biotechkonzerns Gilead Sciences neusten Erkenntnissen zufolge nicht die erhofften Ergebnisse, resp. keine spürbaren Verbesserungen lieferte. Die Entwicklung eines Impfstoffes oder eines Medikaments dürfte deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen, aber die Finanzmärkte werden angesichts der anhaltenden Unsicherheit wohl jede Nachricht sofort auf die Goldwaage legen.

Der Dow Jones Industrial gab in der Folge anfängliche Gewinne bis Handelsschluss praktisch wieder vollständig ab und schloss mit einem leichten Tagesplus von +0.17% bei 23 515.26 Punkten. Die Börse in Tokio zeigte sich am Freitag schwächer und notiert kurz vor Handelsschluss -0.9% tiefer bei 19 262 Punkten. Die Futures-Märkte deuten auch für die europäischen Handelsplätze eine negative Eröffnung an.

EU-Gipfel noch ohne konkrete Lösungen

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union verhandeln über ein umfassendes Konjunkturprogramm, um Europas Wirtschaft nach dem Ende der Corona-Pandemie schnell aus der Rezession zu führen. Bisher konnte jedoch noch keine Lösung gefunden werden und so wurde die gestrige Videokonferenz ohne gemeinsame Schlussfolgerungen beendet. Vorerst beauftragten die politischen Spitzen der Euroländer EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen möglichst rasch einen Vorschlag für ein gemeinsames Konjunkturprogramm vorzulegen. Grundsätzlich soll das Konjunkturprogramm aus Geldern des EU-Budgets bestehen sowie einem Wiederaufbau-Fonds. Laut von der Leyen sei der mehrjährige Finanzrahmen (MFR) der EU das einzige Instrument, das der Aufgabe des Wiederaufbaus gewachsen sei. Die  vor allem von Italien und Spanien geforderten, aber höchst umstrittenen Eurobonds scheinen vorerst vom Tisch zu sein.

Frühindikatoren zeigen Ausmass des wirtschaftlichen Schadens der Corona-Krise

Die Corona-Krise, respektive der damit einhergehende Stillstand hat dramatische Auswirkungen auf die Wirtschaft im Euroraum. Der zusammengefasste Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungs- und Industriesektor brach im April von 29.7 auf noch 13.5 Punkte ein und notiert damit auf dem tiefsten je gemessenen Niveau, resp. seit Beginn der Datenreihe im Juli 1998. Der PMI für den vom Lockdown besonders hart getroffenen Dienstleistungssektor fiel von 26.4 Punkten im März auf das Rekordtief von 11.7 Zählern. Der Industrie-PMI gab von 44.5 auf 33.6 Punkte nach – der tiefste Wert seit rund elf Jahren. Insgesamt präsentierte sich damit die Einschätzung der rund 4000 von der Londoner Marktforschungsfirma befragten Unternehmen noch deutlich schlechter als befürchtet. Die Eurozone habe im April einen beispiellosen wirtschaftlichen Absturz wegen der Corona-Ausgangssperren, dem globalen Nachfragerückgang sowie Engpässen bei Personal und Produktionsmaterialien verzeichnet, kommentierte Markit-Chefökonom Chris Willamson.

Mit Spannung erwarten Anleger heute die neusten Umfragewerte des Münchener Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo. Das auf der monatlichen Umfrage von rund 8000 Unternehmen basierende Ifo-Geschäftsklimabarometer verzeichnete im März den stärksten Rückgang in der Indexhistorie und fiel auf 86.1 Punkte, den tiefsten Stand seit Mitte 2009.

Deutsche Konsumenten im historischen Stimmungstief

Das Konsumklima in Deutschland befinde sich derzeit im freien Fall, kommentierte die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung GfK. Das für Mai erstellte Verbraucherstimmungsbarometer fiel auf ein Rekordtief von minus 23.4 Zählern. Im Schnitt hatten Analysten einen Rückgang umlediglich minus 1.8 Punkte vorausgesagt. Die Umfrage wurde in den ersten beiden Aprilwochen durchgeführt. Laut GfK zeigt der Indikator für die Einkommenserwartungen der deutschen Konsumenten einen beispiellosen Absturz: Der Index fiel im April auf minus 19.3 Punkte, den niedrigsten je gemessenen Wert seit Beginn der monatlichen Erhebung zur Verbraucherstimmung im Jahre 1980.

In der Schweiz wird die schwerste Rezession seit 45 Jahren erwartet

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geht in der Schweiz wegen der Corona-Krise von der stärksten Rezession seit Mitte der Siebziger Jahre aus. Den neusten Prognosen zufolge werde das Bruttoinlandsprodukt aufgrund der einschneidenden Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie im laufenden Jahr um -6.7% einbrechen. Sollte der «Lockdown» zum Erfolg führen und die Pandemiewelle abebben sowie wirtschaftlichen Zweitrundeneffekte in Form von Entlassungen, Kreditausfällen und Firmenkonkursen begrenzt bleiben, sollte aber 2021 eine Erholung einsetzen und das BIP wieder um +5.2% zulegen. Die Prognoseunsicherheit sei derzeit aber ausserordentlich hoch, warnte das Seco, da für März und April noch wenig verlässliche Daten zur Verfügung stehen.

Wirtschaftskalender 24. April
MEZLandIndikatorLetzte Periode
10:00DEIfo-Geschäftsklimaindex86.1
10:30GBDetailhandelsumsätze (M/M)-0.3%
10:30GBDetailhandelsumsätze (J/J)0.0%
14:30USAuftragseingang dauerhafte Güter (M/M)+1.2%
16:00USUni Michigan Konsumentenvertrauen71.0
Unternehmenskalender 24. April
LandUnternehmenPeriode
FRSanofiQ1
ITENIQ1
USAAmerican ExpressQ1
USAVerizonQ1

 

Quelle: BondWorld.ch