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LGT Navigator: Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück

LGT Navigator: Anleger scheinen die von Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Weltwirtschaft vom Corona-Schock getriebene Rally an den Börsen zu Wochenbeginn für Gewinnmitnahmen genutzt zu haben …

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An der Wall Street gab der Dow Jones Industrial um -1.6% nach und in Asien präsentieren sich die meisten Aktienindizes uneinheitlich. Am Anleihenmarkt sorgte die deutsch-französische Initiative für einen EU-Hilfsfond zunächst für sinkende Renditen bei europäischen Staatsanleihen. Unterdessen gab Fed-Chef Powell seiner Forderung nach verstärkten Fiskalimpulsen nochmals Nachdruck.

Nachdem die Aktienmärkte mit kräftigen Gewinnen in die Woche gestartet waren, dominierten gestern Gewinnmitnahmen und eine wieder realistischere Konjunktureinschätzung die Anlegerstimmung. Im Fokus stand einmal mehr US-Notenbankchef Jerome Powell, der zusammen mit dem amerikanischen Finanzminister Steven Mnuchin dem Bankenausschuss des Senats Rede und Antwort stand. Die Befragung, die normalerweise im Kapitol in Washington stattfindet, wurde diesmal per Videokonferenz durchgeführt. Die Fed ist nach Worten ihres Vorsitzenden bereit, alle ihre Instrumente zur Bekämpfung der Corona-Krise einzusetzen. Zugleich unterstrich Powell, dass die Geldpolitik der Fed aber nur einen Teil der breiten staatlichen Unterstützung darstelle, womit der Notenbankchef quasi erneut eine verstärkte Fiskalpolitik forderte.

Finanzminister Steven Mnuchin zeigte sich vor dem Senatsausschuss zuversichtlich, dass sich die Wirtschaftslage dank der Lockerung des «Lockdowns» im dritten und vierten Quartal verbessern werde. Im laufenden zweiten Quartal müsse aber mit anhaltend hohen Arbeitslosenzahlen gerechnet werden. Gemäss Larry Kudlow, oberster Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, soll die US-Regierung erwägen, wegen der Corona-Krise die Lohnsteuer drastisch zu senken. Im Gespräch sei eine Reduktion der Lohnsteuer um -7.6%.

Inzwischen bekommt auch der US-Immobilienmarkt die Corona-Krise voll zu spüren. So brach die Zahl der Neubaubeginne im April um rund -30% auf den niedrigsten Wert seit Anfang 2015 ein. Gleichzeitig sank auch die Zahl der Baugenehmigungen um mehr als -20%

Rückendeckung aus Deutschland und Frankreich

Die europäischen Anleihenmärkte haben sich entspannt, nachdem Deutschland und Frankreich vorgeschlagen haben, einen Fonds über EUR 500 Mrd. zu lancieren, um die Folgen der Corona-Pandemie zu bekämpfen. Mit dem Geld sollen EU-Mitgliedstaaten unterstützt werden, die besonders stark unter den Auswirkungen der Krise leiden. Die Massnahme dürfte insbesondere hochverschuldeten Euroländern wie Italien und Griechenland helfen. Die Renditen ihrer Staatsanleihen sind in den vergangenen Wochen gestiegen, denn der drohende Konjunktureinbruch hat einmal mehr Zweifel an der Stabilität der Eurozone ausgelöst. Die finanzielle Rückendeckung der Euro-Schwergewichte Deutschland und Frankreich hat den Aufwärtstrend der Bondrenditen der Peripheriestaaten nun vorerst gestoppt. Der geplante Fond soll das bereits beschlossene EU-Hilfspaket ergänzen, das sich auf EUR 540 Mrd. beläuft.

Stimmung unter deutschen Börsenprofis hellt sich auf

In Deutschland blicken Börsenprofis wieder zuversichtlicher in die Zukunft. Das verdeutlicht der ZEW-Index, der die Konjunkturerwartungen von Finanzexperten misst. Die Stimmung hat sich im Mai zum zweiten Mal in Folge verbessert, nachdem das Barometer im März deutlich eingebrochen war. So erwarten die Befragten, dass die Konjunktur bereits im Sommer wieder anziehen wird. Allerdings rechnen sie mit einem langwierigen Erholungsprozess: Erst 2022 soll die Wirtschaftsleistung wieder das Vorkrisenniveau erreichen.

Rekordhohe Arbeitslosigkeit in Grossbritannien

In Grossbritannien ist indes die Zahl der Arbeitslosen dramatisch gestiegen. 2.1 Millionen Menschen waren im April als arbeitslos registriert, das sind knapp 70% mehr als im Vormonat. Es handelt sich um die grösste je gemessene Zunahme, zudem sind die Arbeitslosenanträge auf den höchsten Stand seit 1996 gestiegen. Die Zahlen unterschätzen das Ausmass der Problematik, denn die Regierung unterstützt vorerst die Beschäftigten, die von ihren Arbeitgebern in Zwangsurlaub geschickt worden sind.

Wirtschaftskalender 20. Mai
MEZLandIndikatorLetzte Periode
10:00EZLeistungsbilanzsaldoEUR 40.2 Mrd.
11:00EZVerbraucherpreisindex (J/J)0.7%
11:00EZVerbrauchervertrauen-22
10:30GBRVerbraucherpreisindex (J/J)1.5%
20:00USASitzungsprotokoll US-Notenbank (Minutes)
Unternehmenskalender 20. Mai
LandUnternehmenPeriode
USATargetQ1

Quelle: BondWorld.ch