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LGT Navigator: Zwischen Konjunkturoptimismus und Zinssorgen

LGT Navigator: Nach wie vor sehen sich die Anleger im Spannungsfeld zwischen Optimismus hinsichtlich einer sich abzeichnenden Konjunkturerholung sowie Inflationssorgen und damit verbunden höheren Zinsen.

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LGT Navigator


Für Aufsehen sorgten vor allem auch die Aussagen von US-Finanzministerin Yellen zur Zinsentwicklung. Die ehemalige Fed-Vorsitzende relativierte jedoch später ihre Kommentare, was zu einer Beruhigung beitrug. Zudem stiessen Tech-Werte nach der Verkaufswelle vom Vortag wieder auf Nachfrage, während Pharmawerte unter Druck gerieten, nachdem die US-Regierung angekündigt hatte, eine Aussetzung der geistigen Eigentumsrechte für Covid-19-Impfstoffe unterstützen zu wollen. Im Zentrum steht heute insbesondere auch der geldpolitische Richtungsentscheid der britischen Zentralbank.

An der Wall Street stabilisierte sich die Stimmung gestern nach der Verkaufswelle bei Technologiewerten am Vortag. An der Technologiebörse Nasdaq schlossen die Indizes zwar erneut im Minus, jedoch relativ moderat: Der Nasdaq Composite beendete den Handel am Mittwoch -0.37% tiefer bei 13’582.43 Zählern. Der marktbreite S&P 500 blieb gegenüber dem Vortag fast unverändert bei 4’167.59 Punkten (+0.07%), während der Dow Jones Industrial um +0.29% auf 34’230.34 zulegen konnte und unweit der jüngsten Rekordmarken notiert. Die Ankündigung der US-Regierung, eine Aussetzung der geistigen Eigentumsrechte für Corona-Impfstoffe zu unterstützen, sorgte bei Pharmawerten für einen kurzzeitigen Ausverkauf.

In Asien zeigte sich nach Feiertagen in Japan, Südkorea und China keine einheitliche Tendenz. In Tokio legte der Nikkei 225-Index aber kräftig um rund +1.6% zu. Für die europäischen Aktienmärkte signalisieren die Futures einen leicht positiven Handelsstart. Im Zentrum steht heute auch der Zinsentscheid der Bank of England um 13:00 Uhr.

Yellen will Aussagen nicht als Zinsprognose verstanden wissen

Die amerikanische Finanzministerin Janet Yellen sah sich gezwungen, ihre Äusserungen hinsichtlich der Inflationsentwicklung in den USA und in der Folge steigender Zinsen zu relativieren. Im Wall Street Journal sagte Yellen, sie habe keine Zinsprognose oder -empfehlung abgeben wollen. Zuvor hatte die Finanzministerin in einem Interview gemeint, dass zur Vermeidung einer Überhitzung der US-Wirtschaft die Zinsen «bescheiden» steigen könnten. An den Finanzmärkten sorgte die Aussage von Yellen zunächst für Aufregung und heizte Spekulationen über einen bevorstehenden Kurswechsel der Fed angesichts steigender Inflationserwartungen an. Die ehemalige Chefin der US-Notenbank machte auch klar, dass Zinsentscheidungen einzig Sache der Federal Reserve seien und nicht des Finanzministeriums.

ADP meldet starkes Stellenwachstum – positives Vorzeichen für Arbeitsmarktbericht

In der US-Privatwirtschaft hat das Beschäftigungswachstum im April gemäss der monatlichen Studie des Arbeitsmarktdienstleisters ADP (Automatic Data Processing) kräftig zugenommen. Mit 742’000 neu geschaffenen Stellen blieb der Zuwachs zwar unter der Konsensschätzung von 800’000 Jobs zurück, jedoch handelt es sich um das stärkste Jobwachstum seit September 2020. In den letzten zwei Monaten wurden insgesamt rund 1.3 Mio. neue Arbeitsplätze geschaffen.

US-Privatwirtschaft auf solidem Wachstumspfad

In der Dienstleistungsbranche in den USA hat sich die Stimmung im April weiter verbessert und die Geschäftsaktivität beschleunigt. Darauf deutete der Einkaufsmanagerindex von IHS Markit hin, der von 60.4 Punkten im März auf 64.7 Zähler kräftig zulegte. Analysten hatten mit 63.3 gerechnet. Für die gesamte US-Privatwirtschaft signalisiert der PMI des Londoner Marktforschungsinstituts ebenfalls eine deutliche Verstärkung des Wachstumstrends. Der zusammengefasste Indikator (PMI Composite) kletterte im April auf 63.5 von 59.7 Punkten im Monat zuvor. Nach Einschätzung von IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson sorgen die anhaltend akkommodierende Geldpolitik der Fed, die massiven Konjunkturpakete, eine Aufhellung auf dem Arbeitsmarkt sowie die erfolgreiche Impfkampagne für ein verbessertes Geschäftsklima.

Einkaufsmanagerumfragen bekräftigen Hoffnung auf weitere Konjunkturerholung im Euroraum

Die von IHS Markit befragten Dienstleistungs- und Industrieunternehmen in der Eurozone zeigten sich im April zuversichtlicher für die weitere Geschäftsentwicklung. Der für die Privatwirtschaft zusammengefasste Einkaufsmanagerindex (PMI Composite) verbesserte sich von 53.2 auf 53.8 Punkte. Ab 50 Zählern signalisiert der Indikator bekanntlich einen Wachstumstrend. Laut IHS Markit Chefkonom Chris Williamson hat sich dabei sowohl in der Industrie als auch unter Dienstleistern die Stimmung aufgehellt, jedoch sei dies regional sehr unterschiedlich.

Erzeugerpreise in der Eurozone deutlich gestiegen

In den Euroländern sind die Preise auf Unternehmensebene im März kräftig gestiegen. Auf Jahressicht erhöhten sich die Produzentenpreise um +4.3%, womit die höchste Steigerungsrate seit Ende 2018 beobachtet wurde. Im Vormonat hatte die Erzeugerpreisteuerung noch +1.5% betragen. Neben Lieferkettenproblemen waren vor allem die Energiepreise für den Preisauftrieb verantwortlich. Die Energiepreise stiegen im März gegenüber dem Vorjahr um rund +10% vor allem auch aufgrund des statistischen Effekts des Einbruchs der Ölpreise in der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr 2020. Preistreibend waren aber auch die Vorleistungsgüter, die sich im Schnitt um +4.4% verteuert hatten. Der Anstieg der Erzeugerpreise dürfte zeitverzögert auch in die Verbraucherpreise einfliessen.

Wirtschaftskalender 6. Mai

MEZ Land Indikator Letzte Periode
08:00 DE Auftragseingang Industrie (März, J/J) +1.2%
10:00 EZ EZB-Monatsbericht  
10:30 GB IHS Markit Einkaufsmanagerindex Composite (April) 60.0
11:00 EZ Einzelhandelsumsätze (März, J/J) -2.9%
13:00 GB Bank of England Zinsentscheid +0.1%
14:30 USA Erstanträge Arbeitslosengeld (wöchentlich) 553’000
14:30 USA Produktivität (ex-Agrar) Q1 (Q/Q) -4.2%

 

Unternehmenskalender 6. Mai

Land Unternehmen Periode
DE Fresenius Q1
DE Volkswagen Q1
DE Henkel Q1 Umsatz
DE Continental Q1
DE Linde Q1
FR Société Générale Q1
FR Air France Q1
IT UniCredit Q1
IT Enel Q1
LUX ArcelorMittal Q1
GB Next Q1
USA Moderna Q1
USA Kellogg Q1

 

Quelle: BondWorld.ch