M&G: Pfennigfuchserei: Aus welchem Grund spricht die Fed über die Anzahl der Zinserhöhungen und nicht über die Höhe an sich? Und ist das überhaupt wichtig?

Das Auslösen von Artikel 50 vergangenen Mittwoch war für die Finanzmärkte ein unbedeutendes Ereignis und hatte eher Symbolcharakter als alles andere…..

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Eric Lonergan


Unterdessen sprachen in den USA zwei Zentralbankbeamte über ihre Einschätzungen zu den Zinsentwicklungen.

Der Präsident der Federal Reserve Bank of Boston sagte, dass dieses Jahr vier Zinserhöhungen angemessen wären, der Vizepräsident der Fed sagte, für ihn würden zwei mehr richtig erscheinen.

Interessant an diesen Geschichten und anderen dieser Art ist die Formulierung der Diskussion. Staatsbedienstete und Marktteilnehmer sprechen im Zusammenhang mit Zinserhöhungen immer mehr über die Anzahl der Zinsschritte, anstatt über die Höhe an sich. Es wird beinahe vorausgesetzt, dass die Erhöhungen in Stufen von 0,25% stattfinden.

Das ist insofern verständlich, als dass seit 1971 die überwiegende Mehrheit der Zinssteigerungen 0,25% betrug.

Außerdem entspricht dieser Wert den jüngsten Erfahrungen. Von den 33 Zinsschritten (nach oben oder nach unten), die größer waren als 0,75%, fanden nur drei innerhalb der letzten dreißig Jahre statt (allesamt Zinssenkungen während der Finanzkrise).

Eric legte bereits dar, dass es sich bei den 1960er und 1970er Jahren um eine anormale Phase handelte, in der die Geldpolitik wohl eine wichtigere Rolle spielte und Konzepte wie die NAIRU zur Grundlage für politische Entscheidungen wurden. Diese Woche machte James Montier, der sich intensiv im Bereich der „Verhaltensökonomie“ bewegt, eine ähnliche Beobachtung.

Und gestern lenkte Andrew Zatlin auf Bloomberg TV den Fokus einmal mehr auf diese Grafik, die eine geringere Volatilität in der US-Wirtschaft in den letzten dreißig Jahren zeigt und impliziert, dass solche großen Zinsschritte, wie man sie vor 40 oder 50 Jahren gesehen hat, womöglich nicht mehr notwendig sind.

Manche Marktteilnehmer würden argumentieren, dass dieses weniger zyklische Verhalten genau auf eben diesen Erfolg der Geldpolitik bei der Feineinstellung der Wirtschaft zurückzuführen ist. Ebenso wie Zatlin denken wir jedoch, dass dies mehr mit der abnehmenden Bedeutung des Lagerzyklus aufgrund des Wandels hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft, dem Einfluss von Technologien im Bestandsmanagement und der höheren Effizienz im globalen System zusammenhängt. Faktisch könnten Zentralbanken der Illusion von Kontrolle zum Opfer gefallen sein, indem sie Anerkennung für Entwicklungen erhalten haben, die jedoch weniger mit der Geldpolitik als mit dem strukturellen Wandel in der Weltwirtschaft zu tun haben.

Letztendlich handelt es sich bei der Geldpolitik im Hinblick auf den Einfluss auf die Realwirtschaft um ein wenig effektives Instrument (vor allem, wenn sie isoliert genutzt wird). Viele Unternehmen und Einzelpersonen nehmen keine Kredite zum Leitzins der Fed und auch nicht zu einem bestimmten Aufschlag auf den Leitzins auf. Der Transmissionsmechanismus ist so komplex, dass einzelne Zinsschritte in Höhe von 0,25% für die meisten Menschen kaum mehr sind als irreführende Faktoren.

Es reicht ein einfacher Blick auf die Entwicklung der Rendite von 10-jährigen US-Staatsanleihen, um zu sehen, dass in den letzten zehn Jahren etwa ein Drittel der monatlichen Bewegungen höher als 0,25% lag.

Mit Blick auf die Realwirtschaft sollten wir also der Fähigkeit von Zentralbankern, gezielt auf die Entwicklungen einwirken zu können, sehr skeptisch gegenüberstehen. Die Zinsschritte sind womöglich genauso symbolisch zu werten wie Artikel 50.

Der Grund, weshalb solch geringen politischen Schritten so viel Aufmerksamkeit zukommt (abgesehen davon, dass sich leicht darüber berichten lässt, weil es eine einfache Story ist), hat weniger mit der Wirtschaft zu tun als mit den möglichen Auswirkungen auf die Preise von Vermögenswerten. Auch symbolische Gesten können die Preise bewegen und die Fed Funds Rate ist ohne Zweifel ein wichtiges Element des Abzinsungssatzes für Finanzvermögen. Nachdem im Laufe der Jahre die Politik der Federal Reserve und die potenziellen Risiken in Verbindung mit Zinserhöhungen allerdings so aufgebauscht wurden, können Anleger, die nicht über einen Bewertungspuffer verfügen, der groß genug ist, um kleinen Zinserhöhungen gegenüber zu bestehen, nicht behaupten, man hätte sie nicht gewarnt.

Quelle: BONDWorld.ch