Marktkommentar von State Street zur Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank

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Timothy Graf


Timothy Graf: „Obwohl die politischen Risiken nachlassen und die Wirtschaftsdaten positiv sind, ist die EZB derzeit nicht bereit, nennenswert von ihrem bisherigen Kurs abzuweichen. Die niedrige Kerninflation bereitet der EZB immer noch Sorge, was darauf schliessen lässt, dass die geldpolitischen Entscheidungsträger zumindest in den kommenden Sitzungen weiterhin vorsichtig agieren werden. Sollte die positive Entwicklung der Wirtschaftsdaten anhalten und sich in einer höheren Kerninflation niederschlagen, könnte die zweite Jahreshälfte interessanter werden. Gegenwärtig gilt jedoch, dass sich am Volumen der Vermögenswertkäufe und an den Leitzinsen in den nächsten Sitzungen nichts ändern wird. Nach der ersten Wahlrunde in Frankreich haben sich die Renditen deutscher Staatsanleihen nach oben korrigiert. Investoren, die auf einen Bärenmarkt bei Bonds setzen, d.h. auf fallende Kurse, dürften jetzt über die fehlende Bereitschaft der EZB, eine straffere Geldpolitik in Erwägung zu ziehen, enttäuscht sein.“

Brendan Lardner: „Wie von den Marktteilnehmern erwartet, liess die EZB die Leitzinsen und das Ankaufprogramm auf ihrer geldpolitischen Sitzung im April unverändert. Die EZB stand in den vergangenen Monaten unter besonderer Beobachtung, da sie sich mit einer Reihe von gegensätzlichen Kräften auseinandersetzen musste: stabiles Wirtschaftswachstum, ansteigende Verbraucherpreisinflation und populistische Bewegungen, die die diesjährigen europäischen Wahlen beeinflussten. Die vorsichtige Haltung, die schon das letzte Jahr vorherrschte, war daher auch bei der heutigen EZB-Ratssitzung spürbar. So signalisierte die EZB, dass die laufenden geldpolitischen Massnahmen noch mindestens bis zum Jahresende aufrechterhalten werden, da sich die Kerninflation noch auf einem niedrigen Niveau befindet. Die geldpolitische Entscheidung der April-Sitzung wird auch dadurch untermauert, dass das Risiko populistischer Extreme in Frankreich noch nicht gebannt ist. Mario Draghi und der EZB-Rat dürften ihre abwartende geldpolitische Haltung beibehalten, bis das Rennen um die französische Präsidentschaft zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen entschieden ist. Angenommen Macron geht aus den französischen Wahlen als Sieger hervor, könnten in der zweiten Jahreshälfte zunehmend Erwartungen einer beschleunigten Normalisierung der EZB-Politik an den Märkten eingepreist werden, und zwar insbesondere dann, wenn die europäischen Wirtschaftsdaten ihren positiven Trend fortsetzen. Sollte das anziehende Wirtschaftswachstum nicht durch eine angehobene Inflationserwartungen und eine steigende Kerninflation begleitet werden, könnte die EZB die Marktteilnehmer durch eine weiter abwartende Haltung enttäuschen.“

Quelle: BONDWorld.ch