„Neu fokussieren, bitte!“

Fotografen wissen: Der Fokus ist der schärfste Punkt in einem Foto, während andere Dinge daneben leicht verschwimmen….


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Von Stefan Rondorf Senior Investment Strategist


Klar im Fokus der Kapitalmärkte stand zuletzt die französische Präsidentschaftswahl. Obwohl das Amt noch nicht neu besetzt ist, erwarten wir, dass der Fokus der Märkte nun schnell auf neue Themen schwenken wird: Kann US-Präsident Donald Trump seine Versprechen einlösen? Wie vorsichtig gehen die Notenbanken bei der Normalisierung der Geldpolitik vor? Wie lange hält der Konjunkturaufschwung an? Nicht einfach, den Fokus zu behalten.

Am 7. Mai wird sich Frankreich erwartungsgemäß zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen entscheiden. Der Sozialliberale und Pro-Europäer Macron gilt gemäß Umfragen nun als klarer Favorit. Entsprechend erleichtert reagierten die Kapitalmärkte. Insbesondere europäische Aktienindizes machten einen großen Satz in Richtung der zyklischen Hochs aus dem Frühjahr 2015, der Performanceindex DAX erreichte sogar ein neues Allzeithoch. Die Renditeaufschläge französischer gegenüber deutschen Staatsanleihen reduzierten sich deutlich. Die Hoffnung, dass das zweitgrößte Land der Eurozone bis auf Weiteres nicht die Mitgliedschaft in der Währungsunion in Frage stellt, beflügelte die Gemeinschaftswährung. Insgesamt legen die starken Kursbewegungen nahe, dass internationale Investoren das Frankreich-Risiko weitestgehend „abgehakt“ haben. Aber: Selbst wenn im zweiten Wahlgang eine unangenehme Überraschung ausbleibt – abschließend wird die Richtung der französischen Politik und die Reformfähigkeit des Landes unter einem möglichen Präsident Macron erst nach der Parlamentswahl im Juni feststehen.

Im Mai sollte sich der Fokus der Märkte wieder verbreitern:  

(1) Politische Unsicherheit bleibt ein stetiger Begleiter: In den USA kämpft Präsident Trump mit der Uneinigkeit in seiner Partei. Obwohl wir annehmen, dass sich Donald Trump den drohenden „Government Shutdown“ zum 100-tägigen Amtsjubiläum an die-sem Wochenende ersparen will – ohne die Bewilligung von Haus-haltsmitteln müsste der Regierungsapparat seine Tätigkeiten größtenteils einstellen – bleibt der mittelfristige Fahrplan der US-Regierung unklar. Die Einlassungen zur Finanzpolitik in dieser Woche beschreiben nur eine kurze Etappe auf einem langen Marsch.

(2) Geldpolitik dürfte wieder eine größere Rolle spielen: Während die Europäische Zentralbank in der abgelaufenen Woche nur äußerst vorsichtig auf eine Normalisierung hindeutete und die Bank of Japan weiter mit ihrem Inflationsziel hadert, wird man das Statement nach der US-Notenbanksitzung in der neuen Woche wie üblich genau auf Hinweise in Richtung weiterer Zinsschritte sezieren. Wir trauen der Federal Reserve weiterhin mehr Zinsschritte zu als derzeit am Geldmarkt vorausgesehen werden. Das lässt Raum für Überraschungen mit tendenziell steigenden Renditen bei US-Staatsanleihen.

(3) Fundamentaldaten bleiben global unterstützend: Trotz der erwarteten Wachstumsdelle im ersten Quartal in den USA hoffen Volkswirte am Mittwoch auf ein starkes erstes Quartal beim Bruttoinlandsprodukt für die Eurozone. Global werden die Einkaufsmanagerindizes anzeigen, ob das positive Sentiment in den Unternehmen weiter anhält. Ein Nachlassen könnte Gegenwind für die stark gestiegene Aktienmärkte bedeuten.

Verstehen. Handeln.

Insgesamt sehr positive Impulse sollten von den Unternehmen kommen.

In den USA sind die Gewinne in der bisherigen Q1-Berichtssaison um mehr als 10% gegenüber dem Vorjahr angestiegen, eine erfreuliche Steigerung nach der Gewinnrezession im letzten Jahr.

Neben den von den Managern prinzipiell gestaltbaren ausgewiesenen Gewinnzahlen klettern endlich auch die Umsätze wieder nach oben. Im Gegensatz zu den Vorjahren geben die bisherigen Berichte keinen Anlass dazu, die meist optimistischen Schätzungen in größerem Ausmaß in Frage zu stellen – eine wichtige Stütze für die Aktienmärkte trotz global weiter erhöhten Bewertungsniveaus.

Kurzfristig könnten die Aktienmärkte den Ausbruch aus Seitwärtsbändern also noch verteidigen, es lauern aber einige Gründe für ansteigende Volatilität am Horizont.

Verlieren Sie nicht Ihren Fokus, meint Ihr

 

Quelle: BondWorld.ch