Eerdmans Peter Ninety One

Ninety One lanciert den Net Zero Sovereign Index

Ninety One: Der Wettlauf zu Netto-Null-Emissionen ist kein Wettlauf zwischen Ländern. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit.

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Peter Eerdmans, Head of Fixed Income bei Ninety One


Wenn die Welt die Netto-Null-Ziele in dem Tempo erreichen soll, wie vom Pariser Abkommen vorgesehen, müssen sich die derzeitigen Ansätze der Investoren bei der Kapitalallokation ändern. Das neueste Whitepaper von Ninety One, «No one left behind: Building an inclusive transition for emerging markets» untersucht Interpretationsfehler von Vermögensverwaltern bei Netto-Null-Ansätzen. Diese Fehler haben die Unternehmen dazu verleitet, Kohlenstoffziele auf Portfolioebene festzulegen, die die globalen Netto-Null-Ambitionen zunichtemachen werden. Als Reaktion hat Ninety One den Net Zero Sovereign Index ins Leben gerufen, der Anlegerinnen und Anlegern von Staatsanleihen eine hochkarätige und unabhängig geprüfte Bewertung nach Pariser Ausrichtung bietet.

Ein erfolgreicher Übergang zu Netto-Null-Emissionen erfordert rasches Handeln sowie Anpassungen in vielen Bereichen. Dazu zählen Regulierung, Konsumverhalten, Technologie und – für Investoren besonders wichtig – Kapitalallokation. Momentan besteht das akute Risiko, dass Schwellenländern die Finanzmittel vorenthalten werden, die sie für die Umstellung auf Netto-Null-Emissionen benötigen. Das erschwert wiederum den Übergang zu einer «dekarbonisierten» Weltwirtschaft. Die derzeitigen Netto-Null-Ansätze können erhebliche negative wirtschaftliche und soziale Auswirkungen auf die benachteiligten Gemeinschaften der Welt haben. Genau diese Gemeinschaften sind oft am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Keine Netto-Null-Normen in einigen Teilen der Welt bedeuten überhaupt keine Netto-Null-Normen.

Peter Eerdmans, Head of Fixed Income bei Ninety One, sagt: «Angesichts der Tatsache, dass die Vereinten Nationen ihren jüngsten Klimabericht als ‘Alarmstufe Rot für die Menschheit’ deklariert haben, kann es keinen Zweifel mehr daran geben, dass wir den Klimawandel sehr schnell angehen müssen. In einem ersten Schritt müssen Anlegerinnen und Anleger besser beurteilen können, ob ein Portfolio auf einen glaubwürdigen Netto-Null-Pfad ausgerichtet ist, der für alle 7,9 Milliarden Menschen auf der Welt funktioniert. Als Unternehmen, das tiefe Wurzeln in einem Schwellenland hat, verstehen wir dies besser als die meisten Mitbewerber.»

Schwellenländer sind dem Klimawandel allgemein stärker ausgesetzt als die entwickelte Welt. Ein durchdachter und vorausschauender Ansatz für Netto-Null-Emissionen ist somit dringend notwendig. Der Ansatz muss den Kontext, in dem jedes Land agiert, sein Potenzial, zum Netto-Null-Emissionsziel der Welt beizutragen und seinen spezifischen Übergangspfad angemessen berücksichtigen.

Net Zero Sovereign Index

Der Net Zero Sovereign Index enthält 115 Länder in Schwellen- und Industriemärkten. Es handelt sich um den ersten Index, der die gesamte Bandbreite der Schwellenländer abdeckt. Der Net Zero Sovereign Index baut auf dem Climate & Nature Sovereign Index, der 2020 eingeführt wurde, auf. Er zielt darauf ab, das Engagement von Anlegern gegenüber Regierungen zu unterstützen, damit sie öffentliche Amtsträger zur Verantwortung ziehen und positive Veränderungen fördern können.

Eerdmans fügt hinzu: «Investoren brauchen bessere Massstäbe, damit sie faire netto-null-orientierte Portfolios aufbauen können. Wir haben den Net Zero Sovereign Index entwickelt, um dem wachsenden Bedürfnis der Vermögensverwalter zu entsprechen. Mit diesem Mittel können sie nachweisen, dass sich ihre Portfolios mit Staatsanleihen am Pariser Abkommen orientieren und sich auf einem glaubwürdigen Weg zum Netto-Null-Emissionsziel befinden. Wir glauben, dass der Index einen fairen Übergang in Schwellenländern unterstützt und dass er Investoren, die in Staatsanleihen investiert sind, helfen wird, Regierungen für ihre Klimapolitik und -massnahmen zur Rechenschaft zu ziehen.»

Erste Erkenntnisse

Industrieländer und Schwellenländer liefern im Index sehr unterschiedliche Ergebnisse ab. Am schlechtesten schneiden die Vereinigten Staaten ab, die sehr hohe Emissions- und Energieverbrauchswerte aufweisen. Der schlechte Ausgangpunkt und die geringen Fortschritte, die bisher erzielt wurden, sind verantwortlich für diese schwache Bewertung. Das Vereinigte Königreich und Dänemark sind die beiden am besten abschneidenden Industrieländer im Index. Die asiatischen Industrieländer belegen die letzten Plätze. Japan liegt noch im Mittelfeld, doch Korea und Singapur werden durch einen geringen Anteil an erneuerbaren Energien und einen hohen Energieverbrauch belastet.

Die Schwellenländer rangieren mit acht der zehn besten Länder in im Index höher, als wohl viele erwartet haben. Das zeigt, dass viele dieser Länder die Energiewende vorantreiben und in der Lage sind, Kapital für die Dekarbonisierung zu mobilisieren. Diese Investitionen müssen aber weiter fliessen und müssen sogar erhöht werden, damit die Bemühungen nachhaltig sind. Der Index weist auch auf einige Nachzügler unter den Schwellenländern hin, die noch weit von der für die Dekarbonisierung erforderlichen Dynamik entfernt sind. Diese Länder benötigen Zeit, Ermutigung und Anreize. Was allerdings schädlich ist, ist ein sofortiger Kapitalabzug. Wenn diese Länder den richtigen Ansatz wählen, können mit Finanzmittel gute Ergebnisse erzielt werden.

Finanzierung eines integrierten Übergangs

Eerdmans erklärt weiter: «Investoren müssen Kapital für die Finanzierung des Übergangs zu Netto-Null-Emissionen bereitstellen – sowohl gezielte Allokationen als auch Finanzmittel für die Messung und Überwachung der Fortschritte bei der Erreichung der Klimaziele in ihren Kernportfolios. Darüber hinaus müssen Vermögensverwalter geeignete Instrumente entwickeln, die sicherstellen, dass es sich bei diesem Engagement nicht um Greenwashing handelt.»

Die Schaffung von Finanzinstrumenten, die den Kapitalgebern dabei helfen, ihre Portfolios auf eine reale integrative Dekarbonisierung auszurichten – sprich. Instrumente, die Kapital in Unternehmen und Projekte lenken, die die Weltwirtschaft näher an die Kohlenstoffneutralität heranführen und den ärmeren Ländern die Möglichkeit geben, an der Netto-Null-Umstellung teilzuhaben – ist unerlässlich.

Worauf der Fokus liegen sollte: Elektrizität

Viele Schwellenländer, darunter Indien, Südafrika und Indonesien, sind bei der Stromerzeugung immer noch stark auf Kohle angewiesen. Für 25-40% der gesamten Kohlenstoffemissionen dieser Länder sind fossile Brennstoffe verantwortlich. Weitere 9-18% fallen auf den Verkehr. Da Elektrofahrzeuge ein sauberes Energienetz benötigen, um ihren Nutzen zu entfalten, können 40-50% der Gesamtemissionen in vielen Schwellenländern durch eine Senkung der Emissionen aus der Stromerzeugung verringert werden.

Um die Stromerzeugung in den Entwicklungsländern zu sanieren, müssen vier wichtige Finanzierungsströme erschlossen werden:

  1. Verfügbares Kapital für den Ausbau der erneuerbaren Energien
  2. Investitionen in den Ausbau der Infrastruktur für den Übergang zu Netto-Null-Emissionen
  3. Anreize für staatliche Versorgungsunternehmen für die Beschleuni-gung der Schliessung von Anlagen mit hohen Emissionen
  4. Finanzierung eines fairen Übergangs für Arbeitnehmer und Gemeinden, die durch die Abkehr von fossilen Brennstoffen gefährdet sind

«Die Zeit ist knapp. Investoren und Vermögensverwalter dürfen nicht zögern. Aber wir müssen auch sicher sein, dass unsere ersten Schritte in die richtige Richtung gehen. Der Wettlauf zu Netto-Null-Emissionen ist kein Wettlauf zwischen Ländern. Es ist ein Rennen gegen die Zeit», meint Eerdmans abschliessend.

Quelle : BondWorld.ch