Notenbanken nach Brexit in Alarmbereitschaft

Nach dem initialen Schock infolge der Brexit-Abstimmung haben die globalen Aktienmärkte etwas an Boden gut gemacht. Der Schweizer Markt, der aufgrund seiner defensiven Qualitäten vergleichsweise geringe….


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Kursverluste verzeichnete, notiert gar wieder fast auf dem Niveau von vor dem Referendum. Es ist jedoch weiterhin Vorsicht angebracht. Die Finanzmärkte bleiben schwankungsanfällig, denn nach dem Brexit ist die Ungewissheit weiter gross (siehe Fokus). Ein konkreter Fahrplan zur Umsetzung des EU-Austritts Grossbritanniens fehlt. Vor allem aber ist noch nicht absehbar, was der Brexit für die europäische und insbesondere die britische Konjunktur sowie für den politischen Zusammenhalt innerhalb der EU bedeutet. 

Einige in- und ausländische Konzerne haben bereits bekanntgegeben, einzelne Investitionsprojekte in Grossbritannien zu sistieren. Auch die britische Konsumlaune wird sich angesichts der Unsicherheiten nach dem Brexit wohl nicht immun zeigen. Die plötzliche Abwertung des Pfund verteuert zudem die Einfuhren. Die Wachstumsprognosen für Grossbritannien variieren nach dem Brexit jedoch stark. Einige Marktbeobachter erwarten eine Rezession, während andere nur eine leichte Konjunkturabkühlung prognostizieren. Horrorszenarien sind unseres Erachtens nicht gerechtfertigt. Je nachdem wie stark die Wachstumsdelle ausfällt, wird aber auch die Wirtschaft auf dem europäischen Festland in Mitleidenschaft gezogen werden, denn Grossbritannien ist für viele Eurozonenländer ein wichtiger Handelspartner. Laut EZB-Präsident Mario Draghi könnte der Brexit die europäische Wirtschaft in den kommenden drei Jahren rund 0.5% des BIP kosten. Erste Hinweise darüber, wie stark der Brexit auf die Stimmung in der britischen und europäischen Wirtschaft schlägt, werden erst in den kommenden Wochen folgen. Am Markt haben die Wachstumssorgen aber bereits spürbar zugenommen. Dies zeigt sich z.B. an den langfristigen Inflationserwartungen die auf ein neues Rekordtief gesunken sind und dies ohne eine entsprechend starke Bewegung beim Ölpreis, der kaum nachgegeben hat. Auch die Zinserwartungen waren rückläufig. Die Markterwartungen, dass die EZB die Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf nochmals lockert, haben zugenommen. 

Auch die anderen Notenbanken bleiben nach der BrexitAbstimmung in Alarmbereitschaft, darunter die Schweizerische Nationalbank. Die SNB hat Devisenkäufe bestätigt und weitere Interventionen in Aussicht gestellt, sollte der Aufwertungsdruck auf den Franken anhalten. Die Devisenkäufe dürften wohl substanziell gewesen sein, denn der Schweizer Franken hat im Vergleich zu den beiden anderen klassischen Fluchtwährungen, dem japanischen Yen und dem US-Dollar deutlich weniger stark aufgewertet. Einen Eindruck darüber, wie umfangreich die Interventionen waren, werden nächste Woche die monatlichen SNB-Daten zum Devisenbestand geben. 

Die Bank of Japan hingegen hat schon seit 2011 keine Devisenmarktinterventionen mehr getätigt. Der japanische Yen nimmt im internationalen Zahlungsverkehr eine wichtigere Rolle ein als der Franken – vor allem auch als Fluchtwährung in Asien. Infolge der Brexit-Abstimmung hat der Yen gegenüber dem US-Dollar sogar deutlich aufgewertet. USD/JPY notiert mittlerweile wieder praktisch auf dem gleichen Niveau wie 2013 also vor dem Beginn der ausserordentlich starken Geldmengenausweitung in Japan. Die Erwartungen an die Bank of Japan, an der Ratssitzung von Ende Juli nochmals nachzulegen, sind deshalb gross. 

Der Brexit hat auch die Erwartungen an die US-Geldpolitik stark beeinflusst. An den Terminmärkten sind die wenigen Zinserhöhungen, die für die nächsten 1-2 Jahre bis anhin erwartet wurden, nun wieder komplett ausgepreist. Die FedVorsitzende Janet Yellen hatte bereits im Vorfeld des Referendums durchblicken lassen, dass ein Brexit die nächste Zinserhöhung wohl weiter hinauszögern würde. Einzelne Notenbanker haben dies in den letzten Tagen nochmals bestätigt. Wir schliessen zwar nicht aus, dass die Zinserwartungen wieder nach oben drehen könnten, insbesondere wenn nächste Woche das Stellenwachstum am Arbeitsmarkt nach dem schwachen Vormonat wieder deutlich zulegt. Mit dem Brexit ist nun aber die Liste der alternierenden globalen Unsicherheitsfaktoren nochmals länger geworden. Wir rechnen daher nach wie vor auch im zweiten Halbjahr nicht mit höheren Leitzinsen in den USA.

Quelle: BONDWorld.ch