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ODDO BHF AM : Mario Draghi soll Italien aus der Krise führen

ODDO BHF AM: „Auf Draghi warten grosse Herausforderungen. Zunächst geht es für seine Regierung darum, die Covid-19-Infektionen in den Griff zu bekommen und die Impfungen voranzutreiben.

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Bei den Neuinfektionen hat sich die Lage gegenüber den Monaten November bis Januar deutlich verbessert, bleibt jedoch unbefriedigend; der sogenannte R-Wert ist in den letzten Wochen wieder leicht über 1 geklettert, was vor allem regional wieder stärkere Einschränkungen mit sich bringt.

Die zweite grosse Aufgabe betrifft den Wiederaufbauplan. Die EU stellt im Rahmen des NextGeneration EU-Projekts den einzelnen Mitgliedsländern umfangreiche Mittel zur Verfügung; für Italien sind rund 200 Mrd. € vorgesehen. Um in den Genuss der Mittel zu kommen, muss Italien allerdings bis April einen nationalen Wiederaufbauplan entwickeln, der den Anforderungen der EU insbesondere im Hinblick auf die Verwendung der Gelder für zukunftsgerichtete Investitionsprojekte – mindestens 37% sollen beispielsweise in den Klimaschutz fliessen, mindestens 20% in Digitalisierungsprojekte.

Draghis drittes grosses Projekt ist vermutlich die Reform von Verwaltung und Justiz. Nach wie vor leidet gerade die Wirtschaft unter einer Vielzahl bürokratischer Hemmnisse, und das Justizsystem ist für sein gemächliches Tempo berüchtigt. Reformen in diesen Bereichen dürften eine wesentliche Voraussetzung dafür sein, das Aufbauprogramm erfolgreich umzusetzen und die Stagnation der vergangenen Dekade zu beenden.

Die Märkte haben den Wechsel zu Draghi positiv aufgenommen. Nachdem sich Mario Draghi Ende Januar als Kandidat für die Nachfolge Contes herauskristallisiert hatte, hat der italienische Aktienmarkt die vorangegangene relative Schwäche infolge der Regierungskrise nicht nur wettmachen können, sondern lag in den ersten beiden Februarwochen in der Jahresperformance rund 1,5% vor dem EuroStoxx als europäischem Vergleichsmassstab. Am aktuellen Rand hat sich der Unterschied allerdings deutlich eingeengt. Offenbar zeigen die Anleger Vertrauen in die neue Regierung, sehen die Bäume am Aktienmarkt aber noch nicht in den Himmel wachsen.

Nachhaltiger scheint die Einengung des Renditeunterschieds zwischen italienischen Staatsanleihen (10 Jahre Restlaufzeit) und den deutschen Pendants zu sein. Die Risikoprämie rutschte um rund 20 Basispunkte (0,2 Prozentpunkte) bis deutlich unter 1 Prozentpunkt. Aktuell rentieren zehnjährige Titel des italienischen Schatzamtes mit knapp 0,6%. Die Anleger trauen Mario Draghi als ehemaligem EZB-Chef durchaus zu, die finanzielle Unterstützung der EU für Italien sicherzustellen, das Wohlwollen der EZB (in Form von niedrigen Zinssätzen und Anleihekäufen) zu bewahren und das hochverschuldete italienische Staatsschiff so über Wasser zu halten.“

Quelle: BondWorld.ch