ODDO BHF Asset Management

ODDO BHF AM: Unternehmensanleihen in ruhigem fahrwasser

ODDO BHF AM: Die Entwicklung der Staatsanleihen steht derzeit im Fokus der Marktkommentare.

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Verdächtig ruhig ist es hingegen um Unternehmensanleihen („Corporates“) geworden.

Die Renditen von Unternehmensschuldscheinen sind kontinuierlich gefallen, und auch die bereits zuvor geringe Renditedifferenz („Spread“) zu Staatsanleihen, die als Risikoprämie interpretiert werden kann, ist kleiner geworden. Hochzinsanleihen („High Yield“) und Nachranganleihen blicken auf eine starke Halbjahresperformance zurück. Unserer Meinung nach ein Zeichen des gesunden Risikoappetits der Anleger.

Hohe Bewertungsniveaus an den Rentenmärkten

Bondinvestoren hatten viele Gründe, in die spekulativeren Bereiche des Rentenmarktes zu dringen. Der Konjunkturausblick hat sich aufgehellt und die Notenbanken halten weiterhin ihre schützende Hand über den Anleihemarkt. Angesichts der mageren Renditen bei Emittenten besserer Bonität, führt die Suche nach Rendite die Rating-Skala herab. Der Renditeaufschlag des ICE Bank of America Euro Corporates, ein Index für in Euro denominierte Investment Grade-Unternehmensanleihen, liegt mit 84 Basispunkten nur 10 Basispunkte über dem 10-Jahrestief (siehe Abbildung).25-06-21 ODDO BHF

Aufhellung der Fundamentaldaten wirkt unterstützend

Das fundamentale Umfeld ist freundlich: Fortschritte in der Impfkampagne und die Lockerung der Kontaktbeschränkungen dürften das volkswirtschaftliche Wachstum weiter unterstützen. Sentimentindikatoren wie die Markit Einkaufsmanagerindizes oder der ifo-Geschäftsklima-Index überraschten zuletzt positiv. Die EZB hat in ihrer Juni-Sitzung ihre Wachstumsprognosen für den Euroraum angehoben. Ein freundliches Makroumfeld ist ein positiver Faktor für die Spreadentwicklung von Unternehmensanleihen.

Die Unternehmensbilanzen der Anleiheemittenten erscheinen wieder robuster, nachdem die Gewinne während der Pandemie eingebrochen und die Verschuldung angestiegen sind. Der durchschnittliche Verschuldungsgrad kann als Quotient aus der Nettoverschuldung und dem operativen Gewinn vor Zinszahlungen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ermitteln werden. Bloomberg-Daten zeigen, dass der durchschnittliche Nettoverschuldungsgrad von EUR-Emittenten mit Investment Grade-Rating wieder rückläufig ist. Viele Unternehmen sitzen auf hohen Kassenbeständen, die im vergangenen Jahr unter anderem durch Anleiheemissionen aufgebaut wurden. Vereinzelt wurden Anleihen zurückgekauft, was aus der Sicht von Bondinvestoren positiv einzuschätzen ist, da die Kasse zum Schuldenabbau genutzt wird. Aus Gläubigersicht kritischer zu beobachten sind dagegen Aktienrückkaufprogramme und Unternehmenszukäufe. Letztere haben vor allem in den USA wieder zugenommen. Die insgesamt wieder positiver werdenden Fundamentaldaten unterstützen Corporates.

Totgesagte leben länger

Als „Zombies“ werden Unternehmen bezeichnet, die über einen langen Zeitraum unrentabel wirtschaften, aber den Markt nicht verlassen. Durch den beispiellosen Einsatz von Geld- und Fiskalpolitik, aber auch von Maßnahmen wie der Lockerung des Insolvenzrechts, konnten im vergangenen Jahr viele Unternehmen vor der Pleite gerettet werden. In der langen Frist kann die Produktivität ganzer Volkswirtschaften leiden, wenn unrentable Unternehmen nicht vom Markt verschwinden, wie das Beispiel Japan in den 1990er Jahren zeigt. Ein wesentlicher Indikator, um den Grad der „Zombifizierung“ zu analysieren, ist die Zinsdeckung (=EBITDA/Zinsausgaben). Eine Zinsdeckung kleiner als 1 bedeutet, dass die operativen Einnahmen nicht ausreichen, um die Zinskosten zu decken. Lediglich sechs Unternehmen des Stoxx Europe 600 weisen derzeit eine Zinsdeckung kleiner als 1 auf.

Für Corporates dürfte es ein ruhiger Sommer werden

Rentenpapiere sind derzeit teuer bewertet. Die Gefahr anhaltend steigender Risikoprämien erachten wir aktuell aber als gering. In Phasen erhöhter Zins- oder Aktienmarktvolatilität sind temporäre Spreadausschläge nicht unwahrscheinlich. Die konjunkturelle Aufhellung, die erwartete Entwicklung der Unternehmensgewinne sowie die geldpolitische Unterstützung der EZB, die wohl über den Sommer hinaus anhalten dürfte, sprechen aber für weiterhin niedrige Risikoprämien. Zudem suchen Anleger weiterhin nach positiven Renditen und kaufen daher Corporates anstatt Staatsanleihen. Trotz gestiegener Renditen am Markt für Staatsanleihen, handeln derzeit noch 44% der auf Euro lautenden Renten (gemessen am Bloomberg Barclays Euro Aggregate-Index) mit negativer Rendite. Wir erwarten daher, dass die Nachfrage nach Unternehmensanleihen hoch und die Risikoprämien vermutlich niedrig bleiben werden.

Quelle: BondWorld.ch