Pfund-Schwäche belastet Aktienmärkte

Chinesisches BIP-Wachstum leicht schwächer erwartet….


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Die Hoffnung auf weitere Notenbankmassnahmen hat den Aktienmärkten nach dem initialen Schock über den Brexit Grossbritanniens etwas Rückenwind verliehen. Wie von uns erwartet hat sich der Rebound aber nicht als nachhaltig erwiesen. Die Ungewissheit und die Sorgen über die Folgen des Brexit-Votums hatten diese Woche die Finanzmärkte wieder fest im Griff. Zunehmende Rezessionsängste haben das britische Pfund nochmals deutlich geschwächt sowie insbesondere auch die Meldung, einige Immobilienfonds würden aufgrund des grossen Verkaufsfandrangs bis auf weiteres die Rücknahme von Fondsanteilen aussetzen.

Die starke Abwärtsbewegung beim Pfund hat auch die globalen Aktienmärkte belastet und eine erneute Fluchtbewegung in sichere Anlagen ausgelöst, u.a. in Gold und den japanischen Yen. Die Staatsanleihen-Renditen sind als Folge davon noch weiter gesunken. In der Schweiz beispielsweise ist erstmals auch die Rendite der einzigen 50-jährigen Bundesobligation unter null gesunken. Damit rentieren nun alle Anleihen der Eidgenossenschaft negativ. In Deutschland und Japan wiederum sind die Zinsen noch tiefer in den negativen Bereich gefallen. Dieser Abwärtssog und die gestiegene Risikoaversion drücken auch die US-Zinsen nach unten. Die Rendite der zehnjährigen Treasury-Anleihen ist unter das bisherige Rekordtief von 2013 gesunken und beträgt nur noch knapp 1.4%.

Der Schweizer Franken hingegen hat sich auch in dieser turbulenten Woche gegenüber dem Euro kaum aufgewertet. EUR/CHF notiert nach wie vor nahe bei 1.08, was wohl auf anhaltende Devisenmarktinterventionen durch die SNB zurückzuführen ist. Bereits in der Woche vor und nach der Brexit-Abstimmung hat die Nationalbank substanziell am Markt interveniert. Die Sichtguthaben der Geschäftsbanken sind in diesem Zeitraum um CHF 11.1 Mrd. angestiegen.

Wir rechnen weiterhin mit schwankungsanfälligen Märkten, denn die Folgen des Brexit-Ja sind noch nicht mal in Konturen absehbar. Zudem gibt es seit längerem eine Reihe von latenten Risikoherden, die jederzeit zu höherer Finanzmarktvolatilität führen können. Ein Beispiel ist die Wachstumsverlangsa

mung in China, die am Markt zuletzt etwas in den Hintergrund geraten ist. Nächste Woche steht im Reich der Mitte bereits das BIP-Wachstum für das zweite Quartal an und es wird erneut nur ein leicht niedrigerer Wert erwartet. Grund für Optimismus ist dies jedoch nicht, denn es war eine spürbare Ausweitung der Staatsausgaben notwendig, um das hohe Wachstumstempo mehr oder weniger halten zu können. Im Privatsektor ist die Stimmung hingegen weiter gedämpft und die Investitionsneigung der nichtstaatlichen Unternehmen nimmt aufgrund dem ungewissen Wachstumsausblick stetig ab. Der Einkaufsmanagerindex von Caixin verharrt entsprechend unter der Marke von 50. Auch die Entwicklung der chinesischen Währung stellt einen potentiellen Risikoherd dar. Der Yuan hat sich zuletzt gegenüber dem US-Dollar als auch handelsgewichtet klar abgewertet. Zurzeit gibt es aber keine Hinweise für verstärkte Kapitalabflüsse.

Generell erwarten wir von der globalen Konjunktur keine oder kaum positive Impulse für die Aktienmärkte. Konjunkturelle Horrorszenarien für Europa sind unserer Ansicht nach zwar nicht gerechtfertigt. Die Abwärtsrisiken haben nach dem Brexit aber zugenommen. Zudem belasteten diese Woche auch die jüngsten Industriedaten aus Deutschland die Marktstimmung. Nach dem starken ersten Quartal haben sich im Mai die deutschen Auftragseingänge und die Produktion mehr abgeschwächt als erwartet. Lediglich die US-Konjunkturdaten übertrafen zuletzt die Markterwartungen. Die Einkaufsmanagerindizes von ISM für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor legten beide zu. Zusammen mit der Erholung beim Privatkonsum zeichnet sich damit nach dem mageren Jahresstart ein stärkeres BIP-Wachstum im Q2 ab. Aufgrund des anhaltend schwierigen Umfelds für die Exporteure und die Industrie erwarten wir für das Gesamtjahr aber unverändert ein leicht geringeres Wachstum.

Diesem schwachen globalen Umfeld kann sich auch die Schweizer Konjunktur nicht entziehen. Bei einem EUR/CHF Niveau von knapp 1.10 bleibt der Gegenwind für die Wirtschaft bestehen. Entsprechend hat sich der klare Anstieg der letzte Monate bei der Unternehmensstimmung im Juni wieder umgekehrt. Wir rechnen deshalb 2016 unverändert nur mit einem moderaten BIP-Wachstum von knapp 1%, ähnlich wie im Vorjahr.

 

Quelle: BONDWorld.ch