„POTUS, QE-EXIT und die Unsicherheit“

Donald Trump hat die Präsidentschaftswahlen in den USA gewonnen – und mit ihm die Unsicherheit….


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Hans-Jörg Naumer Global Head of Global Capital Markets & Thematic Research


Die Vorhersagbarkeit der geopolitischen Gemengelage dürfte mit dem 45. POTUS („President of the United States“) nicht leichter werden. Verlierer ist voraussichtlich die Globalisierung – der freie Handel von Waren und Dienstleistung. Die mittelfristigen Implikationen sind klar: Weniger Globalisierung heißt weniger Wachstum, weniger Wohlstand, steigende Preise. Mehr Unsicherheit impliziert mehr Volatilität und steigende Risikoprämien (für die weiteren Implikationen siehe auch das beigefügte Statement von Allianz Global Investors). Verlierer sollte auch die Budgetdisziplin sein, in Anbetracht der Ausgabenprogramme und der Steuersenkungspläne, die jetzt auf dem Tisch liegen . Auch wenn Trump die Fed-Chefin Yellen zu „taubenhaft“ ist, spricht das dennoch eher für unser Szenario der Finanziellen Repression.

In der kommenden Woche wird es kaum weniger spannend. Jetzt, da die Würfel gefallen sind, können sich die Märkte auf die nun zu erwartenden politischen Szenarien einstellen. Da rückt durchaus auch wieder die Sitzung der US-Notenbank Mitte Dezember in den Blick. Auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) rücken die Stunden der Wahrheit immer näher. „Sprich, wie haben Sie es mit dem QEEXIT, lieber Herr Draghi?“, so heißt die Frage, die mit näher rückendem Ende des aktuellen QEProgramms der EZB immer dringender gestellt werden muss . Anlässe böten sich dafür. Am Mittwoch tagt der EZB-Rat, allerdings gem. der Routine ohne geldpolitische Beschlüsse. Am Donnerstag stehen die Protokolle der letzten geldpolitischen Sitzung an. Tags zuvor hat die Bundesbank ihren Finanzstabilitätsbericht vorgelegt. Keine schlechte Gelegenheit auf die negativen Auswirkungen des billigen Geldes hinzuweisen. Am Freitag dann spricht EZB-Chef Mario Draghi auf dem European Banking Congress.

Aber auch die Gesprächsanlässe rund um die Fed werden nicht knapp. Am Montag äußert sich der Fed-Chef von San-Francisco. Am Dienstag erklärt sich der Chef der Boston-Fed, am Mittwoch sein Kollege aus St. Louis. Am Donnerstag schließt sich der Präsident der New-York-Fed an (die beiden

letztgenannten Präsidenten sind im Offenmarktausschuss der Fed stimmberechtigt). Das „Fed-Watching“ wird dabei umso wichtiger, als der neue POTUS schon im Vorfeld seiner Wahl mit Fed-Chefin Janet Yellen auf Konfrontationskurs gegangen ist.

Wer Orientierung in der langsam an Fahrt aufnehmenden Debatte um die Inflationsaussichten – ein gerade an den Anleihemärkten lange vernachlässigtes Thema – sucht, sollte fündig werden:

• In den USA werden die Außenhandelspreise (Dienstag), die Erzeugerpreise (Mittwoch) sowie die Verbraucherpreise (Donnerstag) veröffentlicht.

• Die Eurozone liefert die harmonisierten Verbraucherpreise für Spanien, Italien und Portugal. Am Freitag kommen die deutschen Erzeugerpreise.

• Bei den für Großbritannien am Dienstag anstehenden Verbraucherpreisen wird es interessant sein zu sehen, inwieweit sich der Verfall des Pfundkurses über die Exportpreise bereits bemerkbar macht.

Auch die Konjunkturindikatoren kommen nicht zu kurz. Die Woche eröffnet mit dem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes für das 3. Quartal in Deutschland, Spanien, Italien und Portugal. Am Dienstag kommen dann noch die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland und der US-Empire State Manufacturing Index. Am Mittwoch stehen die US-Industrieproduktion und die dortige Kapazitätsauslastung zur Veröffentlichung an. Der Donnerstag wird mit den Realeinkommen, den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, den Baubeginnen und dem Philadelphia-Fed-Index durch die US-Wirtschaft dominiert. Den Abschluss bilden die US-Frühindikatoren am Freitag, bevor dann Bundeskanzlerin Merkel mit ihrem Treffen mit den Staats- und Regierungschefs der USA, Frankreich, Italien und Großbritannien das Wochenende einläuten kann.

Insgesamt sollte zumindest kurzfristig die Flucht in die sicheren Häfen anhalten. Davon dürften besonders die Staatsanleihen der Industriestaaten profitieren, während die Volatilität im Kontext gestiegener Unsicherheit steigen sollte. Aktives Management heißt das Gebot der Stunde, denn mit dem Vorherrschen negativer Anleiherenditen in weiten Teilen des Staatsanleihensegments hoher Bonität gibt es keine „sichere“ Vermögensklasse mehr, zumindest nicht, wenn man unter Sicherheit Kaufkrafterhalt versteht Kaufkrafterhalt versteht.

Quelle: BondWorld.ch