„Prosit Neujahr!“

Ich hoffe, Sie konnten alle die ruhigen Tage zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel genießen…..

Hans-Jörg Naumer Global Head of Global Capital Markets & Thematic Research


Erwartungsgemäß verhielten sich die Märkte ruhig, geradezu wie in einer Kurz-Schlafphase. Auch unser Chef-Techniker, der nicht von seinen Charts lassen wollte, konnte wenig vermelden. Kein Ausbruch nach oben, impulslose Märkte waren die Regel, wobei der europäische Aktienmarkt eine latente technische Schwäche mit in das neue Jahr hinüber genommen hat und in der Gesamtperformance den USA hinterherhinkt. Der Euro dürfte an dieser Entwicklung nicht unschuldig sein, ebenso wie die USSteuerreform, die den US-Firmengewinnen Rückenwind gibt. Die Steuersenkungen werden die Bundeseinnahmen in den nächsten 10 Jahren um mehr als $1,2 Billionen verringern. Der Wachstumsimpuls sollte allerdings mit geschätzten 0,25% niedrig bleiben, da der Multiplikator von Unternehmenssteuersenkungen dazu tendiert eher gering zu sein.

Auffällig waren die Zugewinne beim FTSE, und dies trotz eines stärkeren Pfunds. Dahinter dürften u.a. die Rohstoffpreise stecken. Besonders Kupfer konnte  zulegen.

Auffällig auch die Entwicklungen bei Bitcoin. Kaum, dass die Kryptowährung die 20.000 US-Dollar-Marke touchiert hatte und erstmalig Future auf sie handelbar wurden, stürzte sie um mehrere Tausend USDollar ab. Ein erstes Anzeichen dafür, dass die Blase platzt? Auffällig ist auf jeden Fall, dass alle neun von Charles Kindleberger ausgemachten Kriterien einer Blase erfüllt sind, inklusive der Phantasie des Neuen, der Einführung neuer Finanzinstrumente, und des übermäßigen Hochschießen eines Preises, der in diesem Fall an keinem intrinsischen Wert festgemacht werden kann.

Jetzt heißt es neues Jahr neues Glück? Die Frage steht ihm Raum, ob sich die bereits neun Jahre währende Aufwärtsbewegung im zehnten Jahr fortsetzt. Die Chancen stehen nicht schlecht. In der zweiten Januarhälfte kommen die Firmengewinne rein. Diese lassen in Anbetracht der moderarten Analysenschätzungen positives Überraschungspotential erwarten. Skepsis ist allerdings angebracht, dass es ein einfacher Performanceritt wird. Die Volatilität ist unverändert geradezu historisch niedrig und die Fondsmanager-Surveys, sowie auch unsere eigenen Befragungen, zeigen, dass die Profis durchweg mit einer bullishen Grundhaltung ins neue Jahr gehen.

Das spricht generell für Rückschlagsgefahr. Aktives Management bleibt also das Gebot der Stunde. Last not least sicher auch, weil sich die Geo-Politik immer wieder zurückmelden dürfte. In Deutschland wird sich in den nächsten Tagen/Wochen entscheiden ob es zu einer großen Koalition oder Neuwahlen kommt. In Italien ist mit der Auflösung des Parlaments jetzt der Weg frei für den Urnengang Ende diesen Quartals.

Die Woche voraus

Von der Datenlage verspricht der Jahresauftakt genauso verschlafen weiterzugehen, wie der Jahresausklang schon war. Es stehen überwiegend gleichlaufende Konjunkturindikatoren an, welche aber das vorherrschende Konjunkturbild in der Summe nicht durcheinander bringen sollten. Sie sollten insgesamt bestätigen, dass der solide Aufschwung in die Reifephase übergeht.  Den Auftakt machen die Auftragseingänge für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland, sowie Wirtschaftsstimmung und Geschäftsklima in der Eurozone am Montag. Am Dienstag folgen das Verbrauchervertrauen für Japan und die Industrieproduktion für Deutschland. Am Mittwoch  heißt es dann noch einmal Industrieproduktion und zwar für das Vereinigte Königreich. Am Donnerstag folgen der Index der Frühindikatoren für Japan und die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe für die USA. Am Freitag sollten noch die Verbraucherpreise für die USA Beachtung finden. Nicht vergessen: Wir feiern einen ganz besonderen Geburtstag: Knapp 9% pro Jahr hat er über die letzten 30 Jahre gemacht, der deutsche Aktienindex DAX. Aufgelegt im Sommer 1988, rückgerechnet auf einen Indexstand von 1.000 zum Januar 1988 hatte er sich in der Zwischenzeit mit einem Rekordhoch über 13.500 Indexpunkten mehr als verdreizehnfacht. Aktuell gibt die Konjunktur dem deutschen Aktienmarkt Rückenwind. Der ifo-Konjunkturklimaindex bewegt sich auf einem Allzeithoch. Das Bruttoinlandsprodukt legte zu wie schon länger nicht mehr. Gemessen am Leistungsbilanzsaldo (in Mrd. US-Dollar) hat Deutschland den zwischenzeitlichen Exportweltmeister China wieder auf Platz 2 verwiesen. Die Exportquote liegt bei über 50%. Auf die nächsten 30 Jahre also – und auf ein gutes 2018.

Die Woche voraus

Das ökonomische Fundament sollte die Aktienmärkte in der neuen Woche stützen. Die sich vermeintlich fortsetzende relative Ruhe sollte jedoch nicht unterschätzt werden. In einem Marktumfeld, das von Sorglosigkeit dominiert wird, ist Wachsamkeit angesagt. Auf ein gutes Jahr 2018 also, wenn es auch ein bewegtes werden dürfte. 

Source: BondWorld