Raiffeisen Economic Research Weitblick 3Q16 – Schweizer Arbeitsmarkt hat das Schlimmste hinter sich

Fokus: Schweizer Arbeitsmarkt hat das Schlimmste hinter sich…..


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Raiffeisen Economic Research : Weitblick 3Q16


Der Wechselkursschock lässt verzögert die Arbeitslosigkeit weiter steigen. In der Industrie bleibt der Ausblick speziell in der Uhrenbranche schlecht. Insgesamt scheint der Tiefpunkt des Arbeitsmarktabschwungs aber überschritten.

Die Schweizer Wirtschaft ist nach der Aufgabe der Wechselkursuntergrenze durch die SNB nicht in eine Rezession gefallen. Die Auswirkungen auf die Konjunktur sind jedoch verzögert auch nach mehr als eineinhalb Jahren spürbar – nicht zuletzt am Arbeitsmarkt. Die Zahl der Beschäftigten hat zwar Mitte 2016 gegenüber Vorjahr weiter um 0.6% zugenommen. Die Jahresveränderungsrate bei den Vollzeitäquivalenten ist jedoch das erste Mal seit der Grossen Rezession leicht ins Negative gerutscht. Da gleichzeitig das robuste Bevölkerungswachstum das Arbeitskräftepotential erhöht, nimmt die Arbeitslosigkeit moderat aber kontinuierlich zu. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote ist seit Ende 2014 von 3.0% auf 3.4% angestiegen.

Der Einfluss des Wechselkurses spiegelt sich klar in der Struktur der Beschäftigungsentwicklung wider. Am stärksten vom Stellenabbau betroffen ist das Verarbeitende Gewerbe. Dort sind seit Ende 2014 mehr als 15 Tausend Stellen verloren gegangen – ein Minus von knapp 1.5%. Unter den wichtigen Branchen wurden nur im wenig preissensitiven Pharmasektor weiter spürbar Stellen aufgebaut. Zum grössten Aderlass kam es hingegen bei den Uhrenherstellern, die zusätzlich zur Frankenstärke generell vom Ende des Nachfrage-Booms in China hart getroffen wurden. Darüber hinaus war in der Industrie im letzten Jahr eine starke Korrektur im Baugewerbe zu beobachten. Ungeachtet des anhaltenden Wohnimmobilienbooms hat das Ende des Bauschubs aufgrund der Zweitwohnungsinitiative in den betroffenen Tourismusgemeinden zu einer Anpassung der Baubeschäftigung geführt.

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Ausserhalb der Exportindustrie fordert der starke Franken seinen Tribut auch in einigen Dienstleistungsbereichen. Der massive Anstieg des Einkaufstourismus belastet den Detailhandel. Und rückläufige Übernachtungszahlen ausländischer Gäste lassen die Belegschaft in der Hotellerie stark sinken, vor allem in den ländlichen Tourismusgemeinden. Kompensiert wurden die Stellenverluste durch die anhaltend positive Entwicklung der Beschäftigung bei wirtschaftlichen Dienstleistungen, im Bildungsbereich sowie speziell im Gesundheitswesen.

Für die kommenden Monate signalisieren die Beschäftigungspläne der Unternehmen einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Dabei bleibt der Ausblick im Verarbeitenden Gewerbe gedämpfter als in der Restwirtschaft (siehe Grafik). Allerdings scheint der Tiefpunkt des Arbeitsmarktabschwungs mittlerweile überschritten. Der Beschäftigungsabbau in der Industrie hat in den meisten Sektoren zuletzt an Fahrt verloren, mit Ausnahme der Uhrenherstellung. Dort bleibt der Ausblick in den Unternehmensumfragen unverändert pessimistisch, was regional insbesondere die Nordwestschweiz betrifft. Im Handel scheinen ebenfalls die negativen Effekte des anhaltend hohen, aber nicht mehr zunehmenden, Einkaufstourismus nachzulassen. In der Hotellerie blieb der Beschäftigungsabbau zuletzt hingegen noch hoch. Die Bedrohung durch den Terrorismus hat zwar den Anstieg der Übernachtungen Schweizer Touristen begünstigt. Die Besucherzahlen aus allen Ländern, deren Währung stark gegenüber dem Franken abgewertet hat, bleiben aber nach unten gerichtet. Dies sollte in der kommenden Wintersaison aufgrund des schwachen Pfunds auch vermehrt für britische Touristen gelten.

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Für die gefragten Dienstleistungsbranchen der letzten Jahre ist unverändert ein robuster Stellenzuwachs angezeigt, mit Ausnahme des Bildungssektors, wo sich offenbar staatliche Sparmassnahmen auswirken. Insgesamt rechnen wir vorerst mit einem weiteren leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Der Rückgang bei der Beschäftigung gerechnet in Vollzeitäquivalenten sollte sich jedoch nicht ausweiten. Das Beschäftigungswachstum dürfte sich bei anhaltendem Gegenwind vom Franken auf einem moderat positiven Niveau stabilisieren.

Quelle: BONDWorld.ch