Raiffeisen: Gestiegene Abwärtsrisiken in Europa

Nach dem Brexit sind die Folgen für die europäische Konjunktur noch nicht absehbar. Die erhöhte Unsicherheit belastet aber die Märkte und könnte die EZB abermals auf den Plan rufen. In den USA ist hingegen eine Zinserhöhung in diesem Jahr wohl definitiv vom Tisch……


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Raiffeisen Anlagepolitik-  Juli 2016 – Konjunktur


13 07 16 RAF

Nach dem Brexit-Ja haben die Risiken für die Konjunktur zugenommen. Einige Konzerne haben bereits bekanntgegeben, Investitionsprojekte in Grossbritannien zu sistieren. Auch die britische Konsumlaune wird sich angesichts der Unsicherheiten wohl nicht immun zeigen. Je nachdem wie stark die Wachstumsdelle ausfällt, wird auch die Wirtschaft auf dem europäischen Festland in Mitleidenschaft gezogen werden. Horrorszenarien sind unserer Ansicht nach aber nicht gerechtfertigt. Grossbritannien ist für viele Eurozonenländer zwar einer der wichtigsten Handelspartner. Der Anteil an den Gesamtexporten ist mit der Ausnahme von Irland aber moderat (siehe Grafik). Wir lassen unsere diesjährige Wachstumsprognose für die Eurozone daher vorerst unverändert bei 1.8%, zumal die Brexitfolgen noch nicht mal in Konturen absehbar sind.

Schweizer Konjunktur weiterhin ohne Schwung

In der Schweiz machen die Ausfuhren nach Grossbritannien mit knapp 5% ebenfalls keinen sehr hohen Anteil an den Gesamtexporten aus. Zudem hat sich der Franken im Zuge der Brexit-Volatilität wegen Devisenmarktinterventionen der SNB kaum aufgewertet, was für die Konjunktur von entscheidender Bedeutung ist. Dennoch: auch bei einem EUR-CHF Niveau von knapp 1.10 bleibt der Gegenwind für die Wirtschaft bestehen. Das Umfeld spricht weiter gegen eine stärkere Beschleunigung der Konjunktur. Wir rechnen deshalb 2016 unverändert nur mit einem moderaten BIP-Wachstum von knapp 1%, ähnlich wie im Vorjahr.

Brexit lässt Zinserwartungen sinken

Auch für die US-Konjunktur drängt sich nach der BrexitAbstimmung keine unmittelbare Prognoseänderung auf. Der wichtigste Wachstumsmotor der amerikanischen Wirtschaft, der Privatkonsum, hat nach dem schwachen Jahresbeginn wieder leicht an Fahrt gewonnen und der Arbeitsmarkt zeigte sich zuletzt wieder in besserer Verfassung. Ein BIP-Wachstum von rund 2% bleibt damit in Reichweite.

Der Brexit hat aber die Beurteilung der US-Geldpolitik beeinflusst, genau wie in Europa und Japan. Die Markterwartungen, dass die EZB und die Bank of Japan die Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf nochmals lockern, haben zugenommen. In den USA wiederum sind die wenigen Zinserhöhungen, die an den Terminmärkten für die nächsten 1-2 Jahre bis anhin erwartet wurden wieder komplett ausgepreist. Mit dem Brexit ist die Liste der alternierenden globalen Unsicherheitsfaktoren nochmals länger geworden. Wir rechnen daher dieses Jahr nicht mit höheren Leitzinsen in den USA

Quelle: BONDWorld.ch