Raiffeisen: Kein Boom nach US-Wahl, Schwellenländer profitieren

Donald Trumps Regierung wird langsam von der Realität eingeholt. Die hochtrabenden Pläne für eine Steuerreform und ein Infrastrukturprogramm sind vorerst in den Mühlen der Tagespolitik stecken geblieben. Harzen solche US-Vorhaben, die auch protektionistische Ziele verfolgen, ist das gut für Schwellenländer…..


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Raiffeisen Anlagepolitik- April 2017 – Konjunktur


Die Hoffnungen, die neue US-Regierung könnte die angekündigten Steuerreformen schnell in die Wege leiten, haben sich vorerst zerschlagen. Auch zu einem späteren Zeitpunkt werden sie sich kaum im erwarteten Umfang realisieren lassen. Die Senkung des Unternehmenssteuersatzes ist zwar populär. Allerdings hängt diese Massnahme für das Haushaltsjahr 2018, das am kommenden 1. Oktober beginnt, massgeblich von der Verwirklichung einer sogenannten «Grenzsteuer» ab. Hierbei würden Steuern auf Importe erhoben, während Exporte unbesteuert blieben. Sollte dieses Puzzleteil fehlen, kann der Unternehmenssteuersatz nur für den Preis eines höheren Haushaltsdefizits gesenkt werden.

Dazu kommt, dass die ursprünglich ins Auge gefassten Programme zur Erneuerung der US-Infrastruktur (1‘000 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre) anscheinend im Sand verlaufen. Jedenfalls ist in dem jüngst veröffentlichten Budget-Entwurf keine Spur davon zu sehen. Im Gegenteil: Bei den diskretionären Staatsausgaben für die Ministerien Verkehr, Energie und Bildung sind sogar drastische Kürzungen vorgesehen (siehe Grafik) – wobei diese Behörden für den Bereich Infrastruktur eine hohe Relevanz besitzen.          

Vorerst weiter offene US-Märkte

Hauptprofiteure der vorerst immer noch offenen US-Märkte sind die aufstrebenden Volkswirtschaften. Für diese Ländergruppe haben auch andere externe Risiken abgenommen: Bei den Rohstoffpreisen rechnen wir mit einer Konsolidierung auf Niveaus, die deutlich über den Tiefständen von Anfang 2016 liegen. Deshalb dürfte sich die Konjunkturerholung in den Schwellenländern im laufenden Jahr fortsetzen. Länder wie Brasilien und Russland finden langsam den Weg aus der Rezession und sollten für eine leicht schwächere Dynamik in China mehr als kompensieren. Die hohe Verzahnung der Volkswirtschaften dieser Ländergruppe dürfte hierbei die Erholung insgesamt stabiler machen. Auch haben Schwellenländer ihre Verwundbarkeit in Form von Leistungsbilanzdefiziten reduzieren können. Dies ist für den Fall eines externen Schocks (z.B. fallende Liquidität auf den globalen Finanzmärkten) wichtig.

Das Hauptrisiko bleibt China. Die jüngste Straffung der Geldpolitik über eine Anhebung des Interbankenzinssatzes birgt das Risiko eines Dämpfers für die Konjunktur. Allerdings hat dieser Schritt auch viel Positives. Schliesslich wirken die Behörden so dem starken Anstieg der Unternehmensverschuldung und der Immobilienpreise entgegen. Auch könnten höhere Zinsen die immer noch grassierende Kapitalflucht eindämmen. Somit gibt China derzeit etwas von seinem kurzfristigen Wachstumspotential zugunsten einer längerfristig stabileren Entwicklung auf.         

05 04 17 RafKong

Quelle: BONDWorld.ch