Raiffeisen: Schere zwischen Erwartungen und harten Daten schliesst sich

Stimmung top, Wirtschaftsdaten eher flau: In den USA – und zum Teil auch in der Europa – divergieren Konjunkturerwartungen und «harte» Fakten nach wie vor. Die Schere dürfte sich jedoch wieder schliessen. Derweil setzt sich die Erholung in den Schwellenländern fort…..


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Raiffeisen Anlagepolitik- September 2017 – Konjunktur


 

Zwei Arten von Messmethoden bieten sich zur Erfassung des Wirtschaftsgeschehens an. Zum einen geben «weiche» Faktoren Aufschluss über die Erwartungen von Konsumenten und Unternehmen. Eine bekannte Grösse unter diesen sogenannten Vorlaufindikatoren ist der Einkaufsmanagerindex (PMI), der sich aus den Einschätzungen von Einkaufsleitern zusammensetzt. Zum anderen gibt es die «harten Fakten», also tatsächlich publizierte Zahlen wie Unternehmensumsätze, die im Gegensatz zu Vorlaufindikatoren bei deren verzögerter Veröffentlichung aber bereits rückwärtsgerichtet sind. 

In den USA hatten Trumps Wahlkampfversprechen bezüglich Steuersenkungen, Infrastrukturprogrammen und Abbau von Regulierungen noch Ende letzten Jahres wahre Begeisterungsstürme bei den Einkaufsmanagern in Amerika ausgelöst. Allerdings wird immer deutlicher, dass der Präsident diese Versprechen nur zum Teil oder sogar gar nicht einlösen kann. Dadurch hat sich eine Kluft zwischen den Produktionserwartungen und der tatsächlichen Produktion im Verarbeitenden Gewerbe aufgetan, die sich nur sehr zögerlich schliesst. In der Eurozone ist diese Entkoppelung ebenfalls, allerdings in einem geringeren Ausmass, zu beobachten (siehe Grafik). 

„Harte“ US-Daten holen allmählich auf Der Graben in den USA scheint nun aber kleiner zu werden. Im zweiten Quartal hat das US-Wirtschaftswachstum eine Jahresrate von mittlerweile 3.0% erreicht, was einer deutlichen Verbesserung zum Vorquartal entspricht. Dies ist neben dem deutlich gestiegenen privaten Konsum auch dem schwächeren Dollar zu verdanken, der zu höheren Exporten führt. Die Eurozone konnte im zweiten Quartal ebenfalls solide wachsen – was die stetige Verbesserung seit Beginn 2016 unterstreicht – und liegt bei der Wachstumsrate praktisch auf US-Niveau. Auch in der Eurozone treibt vor allem der starke private Konsum das Wachstum an. 

In der Schweiz zeichnete der Einkaufsmanagerindex schon seit einiger Zeit eine Kluft zwischen Umfragewerten und „harten“ Produktionsdaten ähnlich wie in den USA und der Eurozone. Die kürzlich veröffentlichten Produktionsdaten im Verarbeitenden Gewerbe machten im Jahresvergleich einen deutlich Sprung nach oben, und schliessen damit mehr zum optimistischen Bild auf, das die Einkaufsmanager für das Verarbeitende Gewerbe zeichnen (siehe Grafik). Wir halten an der Prognose einer moderaten Wachstumsbeschleunigung von 1.3% in diesem Jahr auf 1.5% im nächsten Jahr fest. Ausserdem rechnen wir damit, dass das Deflationsgespenst, das in der Schweiz nach der Frankenaufwertung 2015 erneut sein Unwesen trieb, überwunden ist. Dazu trägt vor allem auch der schwächere Franken bei, der die ausgeprägte Deflation bei importierten Gütern auslaufen lässt. 

05 09 17 1KONG RAF

Quelle: BONDWorld.ch