Reaktion von State Street auf die Entscheidung Grossbritanniens, aus der Europäischen Union auszutreten

Im lang erwarteten Referendum haben die Wähler in Grossbritannien entschieden: Ihr Land soll die Europäische Union verlassen. Im Folgenden kommentieren Rick Lacaille, Global Chief Investment Officer, State Street Global Advisors, und Michael Metcalfe, Head of Global Macro Strategy, State Street Global Markets, das Ergebnis des Referendums…

 


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Rick Lacaille, Global Chief Investment Officer, State Street Global Advisors: „Die Entscheidung für den Ausstieg aus der EU wird nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Märkte haben. Auch auf längere Sicht wird man ein wachsames Auge auf die Folgen für andere nationalistische und protektionistische Bewegungen haben, sowohl in Europa als auch anderenorts. In Europa werden nationalistische Parteien bei den anstehenden Wahlen in Deutschland und Frankreich im nächsten Jahr sicherlich eine grössere Rolle spielen.

Negative Folgen hinsichtlich marktrelevanter Themen wie Handel, Arbeitskräftemobilität oder Auslandsinvestitionen sind möglich. Dabei wird es besonders darauf ankommen, inwieweit es der EU gelingt, einerseits Grossbritannien den raschen Austritt zu ermöglichen und andererseits vergleichbaren Bewegungen in anderen Ländern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

In den letzten Wochen vor der Abstimmung haben zahlreiche internationale Finanzinstitutionen und Handelsorganisationen wie der Internationale Währungsfonds, die Weltbank, Bank of England und die WTO ihre Besorgnis zu einem möglichen Austritt Grossbritanniens aus der EU geäussert. Dabei ging es primär um die Risiken in Bezug auf das globale Wachstum, den Handel, Auslandsinvestitionen und die Stabilität der Finanzmärkte. Mit der Austrittsentscheidung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich solche Vorhersagen bewahrheiten.“

Michael Metcalfe, Head of Global Macro Strategy, State Street Global Markets: „In den letzten drei Monaten vor dem Referendum haben internationale Investoren trotz des ungewissen Ausgangs des Referendums ihre Bestände an britischen Aktien und Staatspapieren weiterhin aufgestockt. Das Anlegerverhalten hat sich lediglich am Devisenmarkt verändert, wo Investoren ihr Währungsrisiko abgesichert haben. Diese Absicherung hat sich angesichts der nach dem Ausgang zu erwartenden Abwertung des britischen Pfunds als vorausschauend erwiesen. Jetzt stellt sich die entscheidende Frage, ob internationale Anleger versuchen werden, ihre Bestände an britischen Vermögenswerten abzubauen. Sollte die Ungewissheit nach dem Austrittsvotum anhalten, besteht bei britischen Aktien und Staatspapieren ein erhöhtes Risiko von Abflüssen, unter anderem auch weil Anleger vor der Entscheidung vermehrt britische Vermögenswerte gekauft statt verkauft haben. 

Aufmerksam beobachten wir auch den Einfluss auf die europäischen Werte, insbesondere den Euro. Auch wenn die EZB ihre Bilanz offensiv verlängert, setzen die Anleger scheinbar weniger auf eine weitere Abschwächung des Euros. Sollte sich durch die Entscheidung für einen Austritt die Aufmerksamkeit des Marktes erneut auf die drohende politische Spaltung Europas richten, scheint derzeit kaum ein politischer Risikozuschlag in der Einheitswährung eingepreist zu sein. Bei einer Geldpolitik, die gleichzeitig den Euro schwächt, gehen wir davon aus, dass sich der Abwärtstrend des Euros gegenüber des US-Dollars fortsetzt.”

 

Quelle: BondWorld.ch