„Schöpferische Disruption“

„Schöpferische Disruption“, ein Ausdruck, der an die Schumpeter‘sche „Schöpferische  Zerstörung“ anknüpft, war die unausgesprochene Überschrift des jüngsten Investment Forums von Allianz Global Investors…..

Hans-Jörg Naumer Global Head of Global Capital Markets & Thematic Research


Es ging um gleich dreierlei Arten von Disruption: Die technologische, die politische und die Disruption der Kapitalanlage.

Die technologische Disruption fängt mit der Erkenntnis an, dass sich das Produktivitätswachstum der Industrie – wie auch der aufstrebenden Staaten – seit geraumer Zeit abschwächt. Trotz des technologischen Wandels. Zwar scheint das Vorhandensein von Fehlmessungen, die die tatsächliche Produktivitätsentwicklung unterzeichnen, für die Wissenschaft klar zu sein, aber dennoch ist ein abwärts gerichteter Trend gegeben.

Disruption besteht auch in der Politik. Man denke nur an die Anstöße zur De-Globalisierung und die immer multipolarer werdende Weltordnung. Politische Disruption folgt auf technologische Disruption. Der technologische Wandel transformiert den Arbeitsmarkt und macht sich bereits in der Lohnentwicklung und bei den Arbeitsplätzen bemerkbar. Nach einer Schätzung der Universität von Oxford sind knapp 50 % aller Arbeitsplätze von der Automatisierung betroffen. Die Studie ist angreifbar, u. a. weil sie sich über neue Beschäftigungschancen ausschweigt. Sie zeigt aber, wie stark die schöpferische Disruption wirken kann. 

Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte der Verteilungskonflikte. Ihre Zukunft auch. Disruption ist dabei nicht zuletzt ein Phänomen der Kapitalanlage. In einer Welt voller Veränderung werden Anlagelösungen, die sich rein an der Vergangenheit orientieren, obsolet. Beispiel: Die Verweildauer von Aktien im S&P 500 liegt mittlerweile nur noch bei 12 Jahren. Anfang der 1960er Jahre waren es 60 Jahre!

Verstehen. Handeln.

Das Produktivitätswachstum wird sich voraussichtlich nur langsam verbessern – je stärker die neuen Technologien von den PionierUnternehmen in die Breite durchdringen. 

Der inflationäre Druck bleibt begrenzt, von Deflation kann aber kaum die Rede sein. Zumal die Regierung Trump mit ihrer keynesianisch anmutenden Fiskalpolitik in der Spätphase des USWachstumszyklusses zusätzlich Gas gibt. Die Zentralbanken haben in diesem Umfeld allen Grund, den Fuß vom Gas zu nehmen. Bei der Federal Reserve (Fed) und wohl auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfte sich dieser Kurswechsel zunehmend bemerkbar machen, wenn auch im Falle der EZB eher quälend langsam. Geo-Politische wie geldpolitische Disruption sollten für Volatilität an den Kapitalmärkten sorgen, während das Segment für Staatsanleihen unverändert keine, wenn nicht sogar eine negative Rendite erwarten lässt. Eine positive reale Rendite kann also nur durch das Eingehen kontrollierter Risiken erreicht werden. Aktives Management ist ein Muss!

Taktische Allokation Aktien & Anleihen

Trotz des für 2018 zu erwartenden Gipfels der Zentralbankliquidität, bleibt die Geldpolitik in den G4-Staaten insgesamt locker. Die Fed dürfte dabei 2018 die Zinsen kräftiger anheben als von den Märkten erwartet.

Die Bewertungen an den Aktienmärkten zeigen sich uneinheitlich. Während Aktien in den USA bereits hoch bewertet sind, können sie in Europa im Schnitt als fair bewertet und in den Emerging Markets als attraktiv angesehen werden.

Am die Aktien begünstigenden „Reflationierungstrade“ – das heißt auf die Inflation zu setzen, welche die Aktien begünstigt – kann weiter festgehalten werden. Allerdings ist die zu beobachtende Sorglosigkeit der Investoren ein Risikofaktor, der schnell zu einer erhöhten Volatilität führen kann. 

Source: BondWorld