Schweizer BIP nur auf den ersten Blick stark

EZB sieht keinen zusätzlichen Handlungsbedarf…..


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Die Schweizer Wirtschaft ist im zweiten Quartal gemäss der ersten vorläufigen Schätzung des SECO deutlich stärker gewachsen als erwartet, um +0.6% qoq. Damit den Wechselkursschock als überwunden zu erklären, erscheint uns jedoch nicht angebracht. Denn die Details der BIP-Rechnung sind weitaus weniger erfreulich: Der private Konsum hat stagniert, die Investitionen waren rückläufig, genauso wie die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe. Das Exportplus basiert vor allem auf dem Erfolg der Pharmabranche, während die Ausfuhren in der Uhrenbranche und der Elektroindustrie sowie auch im Maschinenbau rückläufig waren. Positive Impulse kamen vornehmlich aus den staatsnahen Sektoren. Und ohne den starken Wachstumsbeitrag der undurchsichtigen Lagerkomponente wäre das Quartalswachstum im Frühling sogar leicht negativ gewesen. Da auch die drei Vorquartale nach oben revidiert wurden, passen wir unsere BIP-Jahresprognose für 2016 auf Basis der vorliegenden Zahlen von 0.9% auf 1.4% an. Dies ändert allerdings nichts an unserer Einschätzung, dass der Gegenwind für die Schweizer Wirtschaft vom starken Franken weiter bläst und nur eine graduelle Erholung zulässt. Dies untermauern die jüngsten Konjunkturdaten. Die Unternehmensumfragen sind im dritten Quartal wieder unter ihre langfristigen Durchschnittswerte gefallen. Speziell im Uhrensektor bleibt die Stimmung stark negativ. Dabei setzt sich der moderate Anstieg der Arbeitslosenzahlen insgesamt fort. Neben der Industrie werden Stellen im Handel und Gastgewerbe abgebaut. Der starke Franken wird den Einkaufstourismus weiter begünstigen und die Touristenzahlen aus dem Ausland dämpfen. Auch die bis zuletzt steigenden Übernachtungszahlen von britischen Touristen sollten nach der drastischen Pfundabwertung künftig nach unten zeigen. Entsprechend gehen wir für das dritte Quartal wieder von einem deutlich schwächeren BIP-Wachstum aus und lassen unsere Prognose für 2017 unverändert bei 1.3%.

In der Eurozone hält die Konjunktur Kurs. Die letzte Runde der Einkaufsmanagerindizes zeigt auf ein stetiges Wachstumstempo hin, auch wenn die Industriedaten während der Hauptferiensaison schwächer ausfielen. Stabilisierend wirkt derzeit sicher auch die starke Erholung der Unternehmensstimmung in

Grossbritannien nach dem initialen „Brexit“-Schock. Es gibt damit keinen Anlass für die Bank of England die Zinsen nächste Woche erneut zu senken. Die jüngsten Entwicklungen gaben auch der EZB keinen Anlass ihre Prognosen bei ihrer Sitzung diese Woche nennenswert zu verändern. Entsprechend wurden keine zusätzlichen Massnahmen diskutiert. Arbeitsgruppen wurden jedoch beauftragt die Optionen zu bewerten, welche eine reibungslose Durchführung des laufenden Anleihekaufprogramms sichern. Dies bestärkt die Erwartungen, dass in den kommenden Sitzungen (technische) Anpassungen an den Kaufbedingungen vorgenommen werden, um möglichen Engpässen vorzubeugen. Darüber hinaus bleibt die EZB unverändert geneigt, die Geldpolitik bei Bedarf mit allen ihr zur Verfügung stehenden Instrumenten weiter zu lockern.

Mit der Aussicht auf weitere Schritte der EZB und den nur oberflächlich starken Schweizer Wachstumszahlen erwarten wir kommende Woche bei der vierteljährlichen Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank keine Anpassungen. Der Negativzins von -0.75% wird beibehalten werden, um den Zinsabstand zur Eurozone zu wahren. Die SNB wird auch weiterhin bei Bedarf selektiv am Devisenmarkt intervenieren. Die Devisenreserven sind im August in CHF-gerechnet auf einen neuen Rekordstand von 626.6 Mrd. angestiegen. Der Wechselkurs bleibt die Navigationsnadel der SNB, während Deflation kein Thema ist. Die Jahresinflationsrate ist im August weiter leicht angestiegen und liegt mit -0.1% nur noch knapp unter der Nullmarke. Das Auslaufen der währungs- und ölpreisbedingten importierten Deflation wird sich nächste Woche auch in den Zahlen zu den Produzenten- und Importpreisen widerspiegeln.

Der Inflationsdruck bleibt jedoch weltweit anhaltend niedrig. Dies gilt auch für die USA, wo nächste Woche Konsumentenpreisdaten anstehen. Nach dem schwächer als erwarteten Arbeitsmarktbericht und der starken Korrektur der Einkaufsmanagerindizes (ISMs) haben sich die Erwartungen für eine mögliche Zinserhöhung bei der nächsten Fed-Sitzung am 21. September wieder deutlich verringert. Vor dem Fed-Entscheid stehen kommende Woche in den USA noch Datenveröffentlichungen zu den Detailhandelsumsätzen und der Industrieproduktion an. Auch für China werden diese Indikatoren publiziert. Zuletzt zeigten die chinesischen Unternehmensumfragen ein recht stabiles Bild, und die Importe haben stärker als erwartet zugelegt.

Quelle: BONDWorld.ch