„Sommerflaute?“

Die Enttäuschung über das Scheitern der US-Gesundheitsreform lastete zu Beginn der abgelaufenen Kalenderwoche auf den internationalen Kapitalmärkten……

Von Stefan Scheurer Director , Global Capital Markets &  Thematic Research


Diese, zusammen mit zuletzt etwas schwächeren USKonjunkturdaten, u.a. nachgebende Verbraucherpreise, ließen den USDollar schwächer tendieren und führten zu einer verstärkten Nachfrage nach globalen Staatsanleihen. Hingegen scheinen die Aktienmärkte im Gegenzug weiterhin gut unterstützt zu sein durch u.a. sich verbessernde Unternehmensgewinne und steigende Rohstoffpreise.

In den Schwellenländern scheint vor allem Chinas Wirtschaft die treibende Wachstumskraft zu sein, wenngleich die Sorgen einer zunehmenden Verschärfung der Regulierung das Wirtschaftswachstum nachhaltig beeinflussen könnten. Dennoch: Chinas Wirtschaftswachstum fiel im zweiten Quartal mit 6,9% j/j stärker als erwartet aus und lag damit deutlich über dem Wachstumsziel für das Gesamtjahr von 6,5%. Zwar beschleunigte sich die private Nachfrage, gemessen an Einzelhandelsumsätzen, Industrieproduktion und Investitionen, doch Chinas Wachstumsdynamik sollte sich im zweiten Halbjahr 2017 abflachen. So ist es unwahrscheinlich, dass die starke Investitionsdynamik im Immobiliensektor anhalten kann, während die Regierung ihren Fokus wieder vermehrt auf die Eindämmung der mit der hohen Verschuldung einhergehenden Risiken legen wird. Die Weltwirtschaft dürfte dennoch auf einem soliden Wachstumskurs mit Zuwächsen moderat über Potenzial bleiben. Gestützt durch Industrie- und Schwellenländer verbesserten sich die globalen Makrodaten im Juni erneut, allerdings mit verstärkten Divergenzen auf Länderebene. Insbesondere standen einer weiterhin positiven Konjunkturdynamik in der Eurozone schwächere Wirtschaftsdaten aus den USA und UK gegenüber.

Seitens der Geldpolitik untermauert die Entwicklung monetärer Indikatoren, darunter die fortgesetzte Erholung der Kredite an den Privatsektor, die Zuversicht der Europäische Zentralbank (EZB) in die Wirksamkeit ihrer Geldpolitik. Das dürfte auch den Weg für eine Kursanpassung bereiten, wonach ein „echtes“ Tapering für Anfang 2018 auf der Agenda bleibt. Hingegen bleibt die Bank of Japan (BoJ) ihrem Stil treu, indem sie auf eine weiter akkommodierende Geldpolitik setzt und ihre Bilanz unverändert ausweitet, während – im Gegensatz zur US-Notenbank (Fed) – die People’s Bank of China (PBoC) keinen Druck zu haben scheint ihre Bilanz zu reduzieren – einzig relativ zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) fällt sie. Und für die Bank of England (BoE) bedeuten die schwächeren Inflationsdaten, dass Befürchtungen einer Zinserhöhung erst einmal verflogen sind. So könnten taubenhafte Kommentare aus den Reigen der internationalen Zentralbanken, wie es zuletzt die Präsidentin des Federal Reserve Board Janet Yellen äußerte, den Märkten in den kommenden Wochen neue Impulse verleihen. So stünde die US-Zentralbank bereit ihre aktuelle Geldpolitik anzupassen sollte der Rückgang der Inflation von Dauer sein. Ähnliches Potential könnte auch die Berichtssaison für das zweite Quartal 2017 mit sich bringen. Zwar sind die Erwartungen an die Unternehmensgewinne in den letzten Wochen etwas reduziert worden – Marktteilnehmer erwarten ein Q2-Gewinnwachstum von etwa 10% j/j in Europa gegenüber 7% Gewinnwachstum in den USA – doch könnte die relative Gewinnentwicklung eine entscheidende Rolle bei der relativen Wertentwicklung von Aktien aus der Eurozone ggü. US-Aktien spielen. 

Die Woche voraus

In den USA stehen in der kommenden Kalenderwoche folgende realökonomischen Daten im Vordergrund:

– Mit Argusaugen dürfte die kommende Leitzinsentscheidung der USNotenbank (Di) verfolgt werden. Während die Protokolle der letzten Fed-Sitzung aufzeigten, dass die anhaltend niedrige Inflation die USGeldpolitik in Form von Zinserhöhungen ins Schwanken bringen könnte, dürfte aus unserer Sicht die Fed vermutlich noch Ende 2017 damit beginnen ihre Bestände an US-Treasuries und Mortgage Backed Securities zu reduzieren, indem sie in einem vorab angekündigten Verfahren auslaufende Anleihen nicht in vollem Umfang reinvestiert. Wir erwarten in etwa eine Halbierung der Fed-Bilanzsumme in den kommenden Jahren.

– Am Donnerstag stehen die Auftragseingänge für langlebige Kapitalgüter an, gefolgt u.a. von dem nationalen Aktivitätsindex der Chicago Fed (Do).

– Bedeutend im Kontext der Fed-Entscheidung dürfte auch die erste Schätzung des BIPs für das zweite Quartal (Fr) sein. Schätzungen gehen von einem annualisierten BIP von 2,6% q/q aus.  

Für den Euroraum  dürften die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes (Mo) bzw. erste Verbraucherpreisdaten aus Deutschland und Frankreich von Interesse sein (Fr). Insbesondere nach den optimistischen Reformplänen der Macron-Regierung könnte nicht nur das Q2-Wirtschaftswachstum (Fr), sondern auch das Verbrauchervertrauen im Fokus stehen. Für Deutschland hingegen liegt das Augenmerk auf dem ifoGeschäftsklimaindex (Di), während für das Vereinigte Königreich mit Spannung die erste Schätzung zum Wirtschaftswachstum für das zweite Quartal (Mi) erwartet wird.

Mit Blick nach Asien dürfte das Interesse der Investoren vor allem auf den Verbraucherpreisdaten aus Japan liegen (Fr). Japans angespannter Arbeitsmarkt führte zuletzt zu einem leichten Lohnanstieg, wobei das Tempo äußerst graduell vonstattengeht, besonders mit Blick auf die verhaltenen Ergebnisse der Lohnverhandlungen (Shunto). Dennoch scheint es derzeit keinerlei Anzeichen zu geben, dass die Inflation einen Aufwärtstrend einschlagen würde. Wir behalten daher unseren gedämpften Inflationsausblick für Japan bei, trotz solider Unternehmensaktivität und anhaltend robuster Arbeitsmarktbedingungen.

Handeln

Während die weltweite Risikoaversion der Marktteilnehmer auf Vorkrisenniveau fiel, hat sich zuletzt auch der Anteil der Unentschlossenen im Markt gemäß der American Association of Individual Investors deutlich erhöht (siehe Grafik der Woche). Vor der anstehenden Sommerzeit wurden Gewinne mitgenommen und auch am Optionsmarkt ist derzeit keine eindeutige Positionierung erkennbar. Doch der Risiko-Appetit der Anleger könnte schnell wieder zurückkehren und eine mögliche Sommerflaute vergessen machen, sollte die laufende Berichtssaison besser als erwartet ausfallen oder es zu verstärkt taubenhafteren Kommentaren seitens der Notenbanken kommen.

Quelle: BondWorld