St.Galler Kantonalbank: Der Aktienzyklus geht in die Verlängerung

Drei Viertel des Jahres 2017 sind vorbei und die Anleger können sich über eine gute Performance erfreuen. Die meisten Aktienindizes haben mehr als 10% zugelegt……

 

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Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank


Auf den sicheren Obligationen hat man nicht viel verloren, da sich der Zinsanstieg in Grenzen hielt. Wer bereit war, bei den Anleihen hohe Kreditrisiken einzugehen, hat sogar eine deutlich positive Rendite erzielt. Die in Franken rechnenden Investoren konnten zudem einen Gewinn auf ihren Fremdwährungspositionen erzielen. Daran waren sie sich in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr gewohnt.Da bleibt natürlich eine Frage: War es das oder geht es so weiter?

Bei einem genaueren Hinsehen erkennt man, dass die gute Performance an den Aktienmärkten vor allem bis zu den Wahlen in Frankreich Anfang Mai erzielt wurde. Der Wahlsieg Emmanuel Macrons hat die Kurse in Europa und auch in der Schweiz stark nach oben getrieben. Gross war die Erleichterung, dass der Kelch Marine Le Pen an der EU und dem Euro vorbeigegangen war. Seither pendeln die Kurse in einem engen Band seitwärts. Erst die Wirbelstürme in den USA und die damit verbundene Erwartung, dass der Wiederaufbau die US-Wirtschaft zusätzlich ankurbelt, haben zumindest in den USA zu neuen Höchstständen an der Börse geführt.

Alle Augen auf die USA

Die US-Wirtschaft ist das wichtigste Element in der Frage, ob der schon sechs Jahre dauernde Bullenmarkt bei den Aktien weitergehen kann. Eine florierende US-Wirtschaft ist die Basis für das Wohlergehen der Weltwirtschaft als Ganzes. Die USA sind immer noch bei weitem die grösste Volkswirtschaft und die grösste Konsumentengemeinde. Ohne Wachstum in den USA ist ein Gewinnwachstum der globalen Unternehmen nicht denkbar. Ohne Gewinnwachstum sind jedoch die Börsenkurse mit der aktuell hohen Bewertung nicht gerechtfertigt.

Die Wirtschaft in den USA wächst im Jahresvergleich um gut 2%. Das sind nicht die von Präsident Trump versprochenen 4%, ist aber ordentlich und entspricht dem Potenzial, das gemessen am Bevölkerungswachstum und den Produktivitätsgewinnen heute möglich ist. Nach acht Jahren Wirtschaftsaufschwung machen sich aber Sättigungssignale bemerkbar. Die Arbeitslosenrate ist mit 4.4% schon tief, der Anteil der Leute, die mehr arbeiten möchten, mit 8.6% auch. Die Verkäufe langlebiger Konsumgüter wie Autos haben den Höhepunkt überschritten. Das sind klassische Anzeichen, dass der Konjunkturzyklus sich seinem Höhepunkt nähert oder ihn schon überschritten hat.

Der Wiederaufbau nach den Wirbelstürmen Harvey und Irma wird der Konjunktur aber noch einmal einen Schub verleihen. Infrastruktur muss erneuert werden, Häuser müssen neu gebaut werden und nicht zuletzt werden auch zerstörte Autos ersetzt. Das führt dazu, dass der Konjunkturzyklus in den USA um sechs bis zwölf Monate verlängert wird.

Alle Augen auf Qualitätsaktien

Davon profitiert auch der Aktienmarkt. Die gute Stimmung bleibt noch etwas erhalten. Auf ewig wird sie aber nicht anhalten. Neben den kurzfristigen Risiken wie der Streit zwischen den USA und Nordkorea sind es vor allem die Zinserhöhungen der Fed, die es zu beachten gilt. Diese werden weitergehen und mit der Zeit die Konjunktur in den USA trotz Wiederaufbauschub und trotz tieferen Steuern bremsen.

Das wird aber noch nicht im nächsten Jahr der Fall sein. Deshalb kann das positive Momentum an den Börsen anhalten. Wir sind aber in der Verlängerung und nicht zu Beginn der zweiten Halbzeit. Bei der Auswahl der Titel ist deshalb noch stärker als sonst auf die nachhaltige Profitabilität des Unternehmens und auf eine gute Handelbarkeit der Aktie zu achten.

Quelle: BondWorld