St.Galler Kantonalbank : Es ist ruhig geworden um Mario Draghi

Am nächsten Donnerstag wird Mario Draghi den geldpolitischen Entscheid der EZB präsentieren…..

 

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Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank


Es gab Zeiten, da bewegten ein paar Worte von Draghi den Euro und die Kurse an den Börsen. Die Entscheide der EZB waren Ereignisse, die die Schlagzeilen der Finanzmedien schon Wochen im Voraus dominierten. Die Spekulationen darüber, welche geldpolitischen Massnahmen „Super Mario“ aus dem Hut zaubern würde, gingen hoch. Mittlerweile hat Mario Draghi den Heldenstatus verloren und die Prognosen der Ökonomen und Analysten verlieren sich in technischen Details über Anpassungen im Anleihenkaufprogramm der EZB. Der grosse Wurf wird am nächsten Donnerstag nicht mehr erwartet.

Die EZB hat viel gemacht, um die Wirtschaft und die Inflation in der Eurozone anzukurbeln. Banken können das Geld bei der EZB gratis holen, werden aber mit einem negativen Einlagesatz von -0.4% bestraft, wenn sie überflüssige Liquidität wieder bei der EZB platzieren. Damit sollen sie zur Vergabe von Krediten gezwungen werden. Mit monatlichen Käufen von 80 Mrd. Euro kauft die EZB den europäischen Obligationenmarkt leer und verhilft so den Staaten der Eurozone sowie kapitalmarktfähigen Unternehmen und Organisationen zu billigem Geld. Ob sie ihre wirtschaftlichen Ziele damit aber erreichen wird, bleibt umstritten.

Das BIP in der Eurozone wächst seit 2013 Seit 2015 hat sich das Wachstum bei gut 1.6% stabilisiert. Dieses Wachstum lässt sich im Vergleich zu den anderen Industrieländern wie den USA oder Japan sehen. Anhaltend gross sind aber die Unterschiede innerhalb der Eurozone. Während Deutschland boomt und Spanien sich hochrappelt, kommt Italien nicht vom Fleck. Die Wirtschaft in Europa profitiert dabei nicht von neuen Bankkrediten oder von Investitionen durch die tiefen Zinsen. Vielmehr profitiert sie von der Abschwächung des Euro gegenüber dem Dollar um mehr als 20% im Jahr 2014, welche ein nicht unerwünschter Nebeneffekt der EZBPolitik war.

Auf die EZB-Anstrengungen überhaupt nicht reagiert hat die Inflationsrate in der Eurozone. Die Kernrate ohne den Einfluss der gesunkenen Energiepreise verharrt bei 0.8% und macht keine Anstalten, in die Zielregion der EZB von 2% zu steigen. Offensichtlich hilft das viele billige EZB-Geld nicht, die vorhandenen Überkapazitäten in der Wirtschaft abzubauen und den Firmen eine höhere Preissetzungsmacht zu geben. Angesichts einer Arbeitslosenrate von 10.1% ist dies nicht verwunderlich.

Verlorenes Vertrauen in die EZB Damit kommen wir zu einem wichtigen Problem der EZB-Geldpolitik. Die vorhandenen positiven Impulse äussern sich in wirtschaftlichen Wachstumsstatistiken. Sie sind für die grosse Mehrheit der Bürger in der Eurozone aber nicht spürbar. Deshalb verliert die EZB an Vertrauen und ihre Massnahmen werden zunehmend negativ beurteilt. Fehlt das Vertrauen in die EZB, kann sie trotz grossen Anstrengungen keine positiven Signale mehr aussenden, welche die Unternehmen zu Investitionen und die Konsumenten zum Geld ausgeben animieren. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass rund um die EZB etwas Ruhe einkehrt.

Quelle: BondWorld.ch