St.Galler Kantonalbank: Wann zieht die Fed das Geld ab?

Mitte März hat die amerikanische Zentralbank Fed ihren Leitzins ein weiteres Mal um 0.25% auf nun 0.75%-1.00% erhöht. Angesichts der soliden Wirtschaftslage und der anziehenden Teuerung werden weitere Zinsschritte folgen. Ich gehe davon aus, dass die Fed in diesem Jahr noch zweimal die Zinsen um je 0.25% anheben wird….

 

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Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank


Mit diesem Vorgehen werden die Finanzmärkte umgehen können. Zum einen ist es keine Überraschung mehr. Zum anderen kann es als Vertrauensbeweis in die US-Konjunktur betrachtet werden. Das Zinsniveau wird auch bei 1.5% immer noch tief sein und die USWirtschaft eher fördern als bremsen.

Nachdem sich die Finanzmärkte an die Zinserhöhungen gewöhnt haben, rückt zunehmend die Bilanz der Fed ins Scheinwerferlicht. Diese wurde nach der Finanzkrise durch die verschiedenen Stützungsprogramme von rund 1‘000 Mrd. Dollar auf 4‘500 Mrd. Dollar aufgebläht. Irgendwann wird die Fed die Bilanz reduzieren und der Wirtschaft die zusätzliche Liquidität wieder entziehen müssen. Dies ist der letzte Schritt zur Normalisierung der Geldpolitik. Bisher hat sich Janet Yellen aber noch nicht zu dieser Frage geäussert. Sie hat lediglich angetönt, dass in der Fed darüber gesprochen wird.

Eine Reduktion der Fed-Bilanz steht nicht unmittelbar vor der Tür

Die Fed wird zuerst die Zinsen in den Bereich von 2% bringen und sich damit Spielraum schaffen, bei einem wirtschaftlichen Rückschlag mit Zinssenkungen reagieren zu können. Mit dem Abbau der Liquidität rechne ich somit frühestens im Sommer 2018. Die Fed wird darauf achten, dass sie die Finanzmärkte gut vorbereitet. Analog zur Zinspolitik wird sie betonen, dass sie die Normalisierung der Bilanz graduell und über einen längeren Zeitraum vollziehen wird.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Fed im grossen Stil als Verkäufer von Treasuries und Hypothekenpapieren auffallen wird. Vielmehr wird sie auf die Wiederanlage von verfallenden Anleihen verzichten und so das Portfolio über die Zeit abbauen. Dabei kommt ihr zu Hilfe, dass allein 2018 US-Treasuries im Fed-Besitz im Wert von 426 Mrd. Dollar verfallen. Die Mehrheit der von der Fed gehaltenen Staatsanleihen verfällt in den nächsten sechs Jahren.

Vorsicht, wenn die Fed-Bilanzreduktion startet

Dennoch darf der Einfluss der Bilanzreduktion auf die Finanzmärkte nicht unterschätzt werden. Dieser ist vor allem psychologischer Natur. Die Fed ist mit einem Anteil von 15% der grösste Halter von US-Treasuries. Der Treasury-Markt ist jedoch in der Lage, einen grösseren Abbau der Fed-Positionen über einen Zeitraum von ein paar Jahren zu absorbieren.

Gefährlich wird nur der Start des Abbaus. Dabei können die Erfahrungen nach Bernankes Tapering-Rede 2013 herangezogen werden. Die Zinsen sind sprunghaft gestiegen und die Aktienmärkte haben substantiell an Wert verloren. Die Vorbereitung der Märkte auf die Reduktion der Bilanz wird deshalb entscheidend sein. Ist die Aktion «Bilanzreduktion» dann einmal angelaufen, werden sich die Finanzmärkte rasch daran gewöhnen und gar nicht realisieren, dass die Liquidität im US-Wirtschaftssystem abnimmt.

Quelle: BondWorld.ch