Stabile Unternehmensstimmung nach „Brexit“-Ja

EZB-Kaufprogramm stösst an Grenzen….


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Raiffeisen : Economic Research Wochenausblick


Seit dem „Brexit“-Votum liegen noch keine belastbaren Daten über dessen realwirtschaftliche Auswirkungen vor. Der starke Rückgang der viel beachteten ZEW-Konjunkturerwartungen hat Anfang der Woche die Erholung an den Finanzmärkten kurz gebremst. Diese Umfrage unter Finanzmarktexperten ist jedoch stark von der Volatilität an den Märkten beeinflusst und kurzfristig kein zuverlässiger Indikator für konjunkturelle Entwicklungen. Hier sind die Unternehmensumfragen wesentlich aussagekräftiger. Nachdem die letzte Runde der europäischen Einkaufsmanagerumfragen noch vor dem Referendum in Grossbritannien durchgeführt worden sind, werden die Ergebnisse für Juli mit Spannung erwartet. Ende dieser Woche wurden bereits die vorläufigen Werte für die Eurozone veröffentlicht. Und diese zeigten sich genauso wie der französische INSEE widerstandsfähig. Auch die jüngste Umfrage der Bank of England unter ihren Geschäftskontakten signalisiert keinen Konjunktureinbruch. Es bestehe zwar hohe Unsicherheit bei den mittelfristigen Geschäftsaussichten und Investitionsplänen. Die Unternehmen wollen ihre Geschäfte bis auf weiteres jedoch wie gewohnt fortsetzen. Hinsichtlich der kurzfristigen Exportaussichten äusserten sich viele Unternehmen sogar optimistisch, aufgrund des schwächeren Pfunds.

Kommende Woche werden dann der IFO-Geschäftsklimaindex sowie das KOF-Konjunkturbarometer weitere Informationen über die Stimmungslage im europäischen Unternehmenssektor liefern. Zudem steht die Frühschätzung für das BIP in der Eurozone im zweiten Quartal an, begleitet von Länderdaten aus Frankreich und Spanien. Die starke Quartalsdynamik vom Jahresbeginn wird nicht wieder erreicht werden. Positive Sonderfaktoren wie das milde Winterwetter fallen weg und haben im Frühjahr sogar belastet. Nach +0.6% erwarten wir eine spürbare Konsolidierung der Quartalswachstumsrate auf +0.2%. Der moderate Erholungstrend bleibt jedoch intakt.

Von dieser Seite bestand kein Grund für die EZB diese Woche ihr geldpolitisches Massnahmenpaket anzupassen. Sie hat ihre Leitzinsen sowie das Volumen des Anleihenkaufprogramms erwartungsgemäss unverändert belassen. Aufgrund der hohen Unsicherheit und der weiterhin sehr moderaten Inflationsdynamik bleibt sie aber geneigt die Geldpolitik weiter zu lockern.

Die Juli-Inflationsrate wird nächste Woche nahezu unverändert bei +0.2% erwartet. Weitere technische Justierungen des Anleihenkaufprogramms in den kommenden Sitzungen sind aber durchaus wahrscheinlich – paradoxerweise bedingt durch den „erfolgreichen“ dämpfenden Effekt des Kaufprogramms auf das Zinsniveau. Dies gilt speziell für deutsche Staatsanleihen. Deren Rendite liegt derzeit bis zu einer Laufzeit von 8 Jahren unter dem negativen Einlagenzinssatz von -0.4% der EZB. Da nach den aktuellen Regeln Anleihen nur bis zu dieser Negativrendite gekauft werden dürfen, werden die Kaufgelegenheiten knapp. Eine Erhöhung der Obergrenze für den Kauf einzelner Anleihen auf über 1/3 des Gesamtbestandes oder eine Aufweichung der Verteilung der Käufe nach den Eigenkapitalanteilen der Mitgliedsländer bei der EZB könnte dem Abhilfe schaffen, ist jedoch rechtlich bedenklich und dürfte neue Klagen auslösen. Eine Lockerung der RenditeUntergrenze von derzeit -0.4% wäre einfacher umsetzbar, erhöht auf der anderen Seite jedoch die Verlustrisiken der EZB.

Auch in den USA wird von der Notenbank nächste Woche kein Zinsschritt erwartet. Die jüngst wieder besseren Konjunkturdaten haben aber die Zinserwartungen an den Märkten wieder spürbar nach vorne verschoben. Aktuell liegt die implizite Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember dieses Jahres wieder nahe 50%, während noch Anfang des Monats die nächste Zinserhöhung erst für 2018 angezeigt war. In der Lagebeurteilung der Fed sollte sich nach dem starken Arbeitsmarktbericht wieder eine etwas zuversichtlichere Konjunktureinschätzung finden. Wie die meisten anderen Notenbanken dürfte die Fed aber ebenfalls die Abwärtsrisiken und die Unsicherheit nach dem „Brexit“-Ja betonen und sich für den Rest des Jahres alle Optionen offen halten. Vor der Fed-Sitzung stehen nächste Woche noch einige Daten vom Immobilienmarkt und der Industrie an. Am Freitag schliesslich gibt es die erste Schätzung zum US-BIP im 2Q16. Im Gegensatz zur Eurozone wird hier nach einem schwachen Jahreswechsel wieder eine Beschleunigung der annualisierten Quartalsrate auf gut 2% erwartet.

Auch die Bank of Japan tagt nächste Woche. Die japanische Regierung befindet sich bereits in der Vorbereitung eines abermaligen grossen Stimulusprogramms auf Pump. Die Erwartungen sind hoch, dass die Notenbank zeitnah ebenfalls weitere Massnahmen zur Unterstützung ergreift.

Quelle: BONDWorld.ch