„Trumpflation“?

Während der Ölpreis von erneuten Sorgen um die Einigung der OPEC zur Kappung der Produktionsmenge belastet wurde, konnten marktbasierte Inflationserwartungen seit der US-Präsidentenwahl in der abgelaufenen Kalenderwoche eine deutliche Aufwärtstendenz verzeichnen…..


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Stefan Scheurer Vice President, Global Capital Markets & Thematic Research


Dabei standen die möglichen Auswirkungen eines vom designierten USPräsidenten Trump avisierten Fiskalstimulus auf das USWirtschaftswachstum im Fokus der Marktteilnehmer, insbesondere aber die damit verbundene Reflationierung der US-Ökonomie – auch „Trumpflation“ genannt.

Auswirkungen werden an verschiedenen Indikatoren sichtbar: Industriemetalle wie Kupfer oder Eisenerz stiegen im Preis wie auch die Aktienmärkte der Industriestaaten, allen voran jener der USA. Die 30jährigen US-Staatsanleiherenditen erhöhten sich auf über 3% – den höchsten Stand seit Januar 2016 –, während 10-jährigen US-Treasuries bei 2,2% rentierten. Die Bundrenditen sowie die Staatsanleiherenditen der Euro-Peripheriestaaten konnten sich der Entwicklung nicht entziehen und steigen auf 0,35% bzw. über 2% in Italien und auf 1,5% in Spanien. Folglich drehten auch die Umlaufrenditen zu 8-jährigen Bunds zum ersten Mal seit April wieder ins Positive, wenngleich es noch nicht lange her war als die Bund-Zinsstrukturkurve bis zu Laufzeiten von 15 Jahren negativ war.

Neben der Entwicklung an den globalen Anleihemärkten, scheint besondere Aufmerksamkeit auch dem US-Dollar-Segment zu gelten. Die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Zinsschritt der US-Notenbank (Fed) für Dezember stieg auf 96%, nachdem der Präsident der Dallas Fed Robert Kaplan sich erneut für einen Zinsschritt aussprach. Und ein stärkerer USDollar in Zusammenhang mit höheren Zinsen und potentiellen Risiken einer restriktiveren US-Handelspolitik dürfte die Emerging Markets weiter unter Druck setzen. So setzte u.a. die chinesische Notenbank den Renminbi-Wechselkurs auf knapp 6,86 gegenüber dem US-Dollar fest – den niedrigsten Stand seit fast 8 Jahren –, trotz stabilisierenden Konjunkturdaten.

Unterdessen zeigte sich die Wirtschaft in Euroland im dritten Quartal robust gegenüber den zahlreichen politischen Unsicherheitsfaktoren seit Anfang des Jahres.

Nach der Schnellschätzung von Eurostat konnte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2016 um 0,3 % im Vergleich zum Vorquartal zulegen. Ebenso zeigte sich das vorläufige UK-Wirtschaftswachstum mit 0,5% q/q widerstandsfähiger als nach dem Brexit-Votum gedacht. Dem dürfte allerdings ein zukünftiger Preisanstieg entgegenstehen, vor allem zurückzuführen auf höheren Importpreise.

Die kommende Kalenderwoche beginnt in den USA mit den Frühindikatoren der regionalen US-Notenbanken aus Chicago (Mo) und Richmond (Di), gefolgt von aktuellen Immobilienmarktdaten (Di und Mi). Die Aufträge für langlebige Güter (Mi) könnten ein weiteres Indiz für die robuste US-Konjunkturdynamik liefern und demnach der Fed weiteren Rückenwind für einen Zinsschritt im Dezember liefern. Gleiches könnte auch für den Markit-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe gelten (Mi) sowie das Protokoll der letzten USNotenbanksitzung.

Im Euroraum stehen neben dem Konsumentenvertrauen (Di), insbesondere die Einkaufsmanagerindizes im Blickpunkt (Mi). Nachdem das vorläufige BIP-Wachstum robust ausgefallen ist, könnten auch die Einkaufsmanagerindizes den moderaten Wachstumspfad der Eurozone widerspiegeln. Für Deutschland ist vor allem der ifo-Geschäftsklimaindex von Interesse (Do), der anders als nach dem Brexit-Votum, positiv überraschen und auf ein stabiles Wachstum in der stärksten Wirtschaft des Euroraums (nach Bruttoinlandsprodukt) hindeuten könnte.

In Asien richtet sich die Aufmerksamkeit der Investoren vor allem auf Japan. Der im Monatsverlauf Oktober schwächere Yen könnte sich zwar in den Handelszahlen (Mo) bemerkbar machen, doch aufgrund der schleppenden Erholung der Inlandsnachfrage bzw. der schwächeren globalen Nachfrage nach japanischen Produkten, lässt die japanische Wirtschaft bis auf weiteres auf ihrem flachen Wachstumspfad verbleiben. Der Nikkei-Einkaufsmanagerindex (Do) dürfte sich daher über der Expansionslinie von 50 Punkten halten – u.a. zeichneten zuletzt diverse Sentimentindikatoren ein optimistischeres Konjunkturbild von Japans Wirtschaft –, wenngleich auf Seiten der Verbraucherpreise (Fr) mit keiner großen Preisveränderung gerechnet werden sollte.

Überraschend ist nach der Wahl Donald Trumps, wie schnell das Sentiment drehte, wie viel Zulauf das Bullenlager im Zuge dessen erfahren hat und wie deutlich die Volatilität an den US-Aktienmärkten zurückging. Fürs Nächste sollte jetzt das Paradigma der „Trumpflation“ greifen – was reale Werte wie Aktien tendenziell beflügelt und (US-) Anleihen unter Druck hält.

18 11 16 ALL

Quelle: BondWorld.ch